Urbach Kultkneipe „Zom Täle“ öffnet wieder

Am Freitag begrüßen Tim Taraschewski (links) und Michael Rapp alte und neue Gäste in der Kultkneipe „Zom Täle“. Foto: Büttner / ZVW

Urbach. Eigentlich wollte Wirt Michael Rapp nach dem Ende seiner Kneipe „Zum Blauen Affen“ nicht erneut hinter die Theke. „Zu viel Arbeit, Organisation und Liebe“ habe er reingehängt, als dass ich „das ganze Spiel noch mal von vorne mache“. Unsere Zeitung schrieb im August über das Ende dieser „Urbacher Institution, die es wohl schwerlich so in dieser Form jemals wieder geben wird“. Eigentlich. Am Freitag öffnet die Kultkneipe wieder ihre Türen.

Er habe damit gerechnet, dass sich jemand an das Zitat von 2016 erinnert, sagt Wirt Michael Rapp und lacht. Nach dem Ende der Winterbacher Kneipe „Zum Blauen Affen“ habe er sich „wirklich geschworen, im Leben keine Kneipe mehr zu machen. Dann ist das mit dem Täle passiert.“ „Täle“ – dieses Wort sei ihm immer wieder durch den Kopf gegangen. Dann habe er mit Charly Hoff telefoniert, was passiert ist – und passieren könnte. Langsam habe er sich der Sache genähert, mit seinem Geschäftspartner Tim Taraschewski gesprochen. Könne er sich das vorstellen, dass sie beide nebenberuflich das Täle wieder eröffnen? Kann er. Seit Oktober wird geputzt und organisiert, damit am Freitag der Zapfhahn wieder Bier und die Boxen rockige Musik ausspucken.

Jeden Donnerstag Regionale Bands

Wie geht man mit dieser Kultkneipe, 1983 eröffnet, um, drückt ihr den eigenen Stempel auf, ohne den Kultcharakter zu zerstören, aber auch nicht darauf reduziert zu werden? Der Grundcharakter bleibt erhalten, sagt Michael Rapp. Das Konzept, mit dem er die Kneipe „Zum Blauen Affen“ erfolgreich betrieb, das habe er ja grob vom Täle übernommen, soll erhalten bleiben. Blauer Affe und Täle standen für Live-Musik und Fußball. Das wollen sie fortführen – und haben konkrete Pläne. Regionale Bands sollen jeden Donnerstag spielen, allerdings unplugged, sprich mit reduzierter Besetzung und nicht ganz so laut, dafür besonders intensiv.

Fußball auf vier Bildschirmen 

Ein-, zweimal im Monat sollen Bands auftreten, dann weichen die normalen Tische den Stehtischen und „es wird rockiger“. „Handgemachte und ehrliche Musik“ verspricht der neue Täles-Wirt. Auf vier Bildschirmen, zwei im normalen und zwei im Raucher-Bereich, wird nicht nur der VfB Stuttgart zu sehen sein.

Gemeinsames "Tatort"-Schauen am Sonntag

Einmal im Monat soll ein DJ vorbeischauen. Elektronische Musik? „Nein“, sagen Wirt und Musiker Rapp, „nein!“ 80er und 90er werde der spielen. Sonntags können die Gäste gemeinsam „Tatort“ im Ersten schauen. Ohne Veranstaltungen gehe es nicht. „Nur die Tür aufzumachen, das reicht nicht. Die Leute gehen wieder dorthin, wo sie einen tollen Abend erlebt haben.“

Wichtig: Gutes Verhältnis zu den Nachbarn

Michael Rapp will das Stammpublikum erreichen, einige Affen-Fans aus Winterbach nach Urbach locken und auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Viele Freunde des Blauen Affen betrachteten ihre Kneipe, in der die Gäste zwischen „16 und 90“ waren, als eine Art „Wohnzimmer“. Das wäre doch klasse, wenn wieder viele diese urige und familiäre Atmosphäre schnuppern wollten. Dieses bunt gemischte Publikum, alle Einkommens- und Altersklassen, wollen sie wieder vor der Theke und an den Tischen versammeln. Essen gibt es auch, niemand müsse hungern, „aber Rostbraten mit handgeschabten Spätzle“ werde es nicht geben. Es gab bereits eine Vorab-Eröffnung mit Freunden, Helfern, Handwerkern, Nachbarn, Bürgern und Gemeinderäten aus Urbach. An einem guten Verhältnis zu den Nachbarn sei ihnen gelegen, darum gelte es auch, die Gäste ein wenig zu erziehen, denn der meiste Lärm entstehe, wenn die Gäste irgendwann die Kneipe verlassen.

Innenraum geputzt und gestrichen

Den Innenraum haben die beiden Wirte kaum verändert. Es wurde geputzt und gestrichen. Dann wurden die alten Schilder wieder aufgehängt, ergänzt um Rapps Gitarren und einige Schallplatten. Es gehe darum, auch einen „eigenen Charakter reinzubringen“. Und warum tut Rapp es nun wieder? „Täle“, dazu die „Liebe zur Musik“ und eben der tolle Kontakt zu den Gästen.


Eröffnungsfeier

Am Freitag geht’s um 17 Uhr los. Ab 20 Uhr spielt Marc Daniels. Samstag läuft Fußball. Ab 20 Uhr treten „Lochtobel“ auf. Danach hat die Kneipe unter der Woche ab 17 Uhr geöffnet. Am Wochenende früher und länger. Auch das Täles-Fest werde es wieder geben.

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