Urbach Lange Haftstrafen für Drogendealer

Urbach/Stuttgart.
Zwei Drogendealer aus dem Rems-Murr-Kreis hatten vergangenen Herbst mehrere Drogengeschäfte abgewickelt (wir haben berichtet). Doch sie flogen auf, als ihre Kunden sich als verdeckte Ermittler entpuppten. An ihrer Schuld bestand nie ein Zweifel. Die Taten haben die Angeklagten gleich zu Prozessbeginn gestanden.

Nun hat die 7. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht ein Urteil gefällt und beide zu langen Freiheitsstrafen verurteilt: Emilis P. (alle Namen geändert) zu fünf Jahren und zehn Monaten, seinen Komplizen Milan K. zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Über Wochen hatten die verdeckten Ermittler vergangenen Herbst mit Probekäufen zunächst das Vertrauen von Emilis P. erweckt, gleichzeitig eine Telefonüberwachung angeordnet und dann die Staatsanwaltschaft über ihr Vorgehen informiert. Bei dem letzten Geschäft im Oktober 2014 sollte ein knappes Kilo Kokain im Wert von 85 000 Euro den Besitzer wechseln. Doch dann schlug ein mobiles Einsatzkommando der Polizei zu.

Beide Dealer waren an dem Tag bewaffnet: der 28-jährige Emilis P. mit einem Klappmesser, sein 27-jähriger Komplize Milan K. mit einer Eisenstange. Milan K. hatte zudem 1,3 Kilo Marihuana sowie knapp 300 Gramm Amphetamine bei sich zu Hause gelagert.

Während des Prozesses hatte Emilis P. von seinen schwierigen Familienverhältnissen, seiner zwischen Deutschland und dem Baltikum zerrissenen Existenz und seinem massiven Drogenproblem berichtet. Auch dem Alkohol sei er im letzten Jahr zunehmend verfallen.

Die Verteidigung hatte versucht, den Paragrafen 35 aus dem Betäubungsmittelgesetz geltend zu machen. Das hätte es ihm ermöglicht, seine Haftstrafe in einer Therapieeinrichtung zu verbringen – sofern diese nicht zwei Jahre übersteigt. Allerdings hatte sich die Darstellung des Angeklagten als nur wenig glaubwürdig erwiesen.

Ungeklärt blieb in dem Prozess bis zuletzt die Frage nach der Herkunft der Drogen. Die Ermittler vermuteten eine entsprechende Quelle in den Niederlanden. Bei der Auswertung der Handys wurde ein Foto gefunden, das die beiden Angeklagten dort im Sommer 2014 zeigt. Außerdem war von den Ermittlern ein Auto mit britischem Kennzeichen vor der Wohnung von Emilis P. beobachtet worden, bei dem es sich um eine litauische Gruppierung gehandelt haben könnte.

Doch zu den Hintermännern hatten die beiden Angeklagten während der Verhandlung konsequent geschwiegen.

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