Urbach Nachjustierungen beim Buslinienkonzept

Der linke Bus (Linie 249) wird in Urbach künftig häufiger verkehren, der rechte Bus (Linie 243) Teile des Urbacher Nordens nicht mehr anfahren. Foto: Habermann / ZVW

Urbach. Seit Januar gibt es in Urbach ein neues Buslinienkonzept. Doch die Klagen darüber waren groß und deshalb war vor den Sommerferien ein Bürgerdialog im Rathaus angesetzt. Der VVS und das Landratsamt haben nun nachjustiert und dem Gemeinderat ihre Änderungsvorschläge präsentiert. Das Gremium entschied sich für eine andere Linienführung im Urbacher Norden und mehr Busse abends und am Sonntag.

Zu laut, zu gefährlich und auf viel zu schmalen Straßen sei die Buslinie 243 (Schorndorf-Urbach-Plüderhausen) im Urbacher Norden unterwegs: So lautete eine der häufigsten Beschwerden der Kritiker. Dass die Busse zu unpünktlich seien eine weitere. Etwa 70 Urbacherinnen und Urbacher waren Ende Juli ins Rathaus gekommen, um ihren Unmut über die neue Buslinienkonzeption zu äußern. Die Kritik zeigte Wirkung, hat sie doch den VVS und das Landratsamt dazu bewogen, ihre Konzeption zu überdenken.

Weniger Verspätungen, weniger Gelenkbusse, weniger Begegnungsverkehr

Jochen Biesinger, der beim VVS die Vergabeverfahren leitet, präsentierte die Vorschläge nun dem Gemeinderat. Im Urbacher Norden soll ein Ausgleich zwischen Anwohnern, Nutzern des öffentlichen Verkehrs und den Betriebsabläufen hergestellt werden, so Biesinger.

Sprich: Es soll weniger Verspätungen, weniger Gelenkbusse, weniger Begegnungsverkehr geben. Letzterer hatte bei den Anwohnern von Hofackerstraße, Unterer Seehalde und Burgstraße viel Unmut hervorgerufen. Nicht selten, so hatten diese berichtet, müssten Busse sogar auf die Gehwege ausweichen, weil die Straßen zu schmal seien.

Die Straßenverkehrsbehörde hat festgestellt, dass die Straßenbreite für den Busverkehr ausreichend sei. „Die Zustände entsprechen denen in vielen Kommunen“, sagt Dr. Peter Zaar, Technischer Dezernent beim Landratsamt. Linienverkehr sei also nach den geltenden rechtlichen Vorschriften auf den genannten Straßen zulässig.

Weniger Halte im Norden: 243 kehrt zur alten Linienführung zurück

Beim aktuellen Linienplan könne es aber zu Begegnungsverkehr kommen, räumte Biesinger ein. Der Verkehr werde deshalb künftig wieder zur alten, bis 2017 bestehenden Linienführung zurückkehren – die 243 künftig also nicht mehr über die Hofackerstraße, den Banrain und die Untere Seehalde fahren, sondern die Strecke über Schraienstraße, Wittumstraße zurück in die Mühlstraße nehmen. Begegnungsverkehr zwischen den Linien 243 und 249 (Schorndorf-Urbach) sei dadurch ausgeschlossen und Gelenkbusse werden nicht mehr durch diese Straßen fahren. Außerdem sei durch den Wegfall von vier Haltestellen ein stabilerer Fahrplan auf dieser Linie zu erwarten. Und nicht zuletzt verringerten sich die Fahrtzeiten zur Bahn für Fahrgäste aus dem Urbacher Süden und Plüderhausen.

Für den Norden bedeute dies auf den ersten Blick eine Ausdünnung und eine schlechtere Anbindung an den Bahnhof. Nach wie vor sei die Bahn aber über die Linie 249 erreichbar: mit dem Bus Richtung Urbach der Regionalexpress (sechs Minuten Umstiegszeit) oder Richtung Schorndorf die Remsbahn (zwei Minuten Umstiegszeit) oder zumindest die S-Bahn Richtung Stuttgart (sechs Minuten Umstiegszeit).

Unbefriedigend sei die Situation für die Busnutzer im Urbacher Norden (nicht nur durch die Umleitung der Linie 243) hingegen abends und am Wochenende. Denn nach 20 Uhr und an Sonn- und Feiertagen bestehe gar keine Verbindung zu den Bahnhöfen Urbach oder Schorndorf.

Deshalb hat der VVS (der bei der Buslinienkonzeption dem Landratsamt ja nur beratend zur Seite steht) zusätzliche Busse auf der Linie 249 vorgeschlagen. Auch, weil ab Juli 2019 die Remsbahn wochentags im Halbstundentakt verkehren wird.

Bürgermeisterin Fehrlen lobt: "Ein sehr rundes Konzept"

Konkret soll die Linie künftig montags bis donnerstags bis 22.04 Uhr sowie freitags und samstags bis 0.04 Uhr unterwegs sein. Von den Mehrkosten müsste die Gemeinde 8238 Euro übernehmen. Außerdem sollen zusätzliche Busse an Sonn- und Feiertagen zwischen 10 und 18 Uhr beziehungsweise 8 bis 22 Uhr verkehren, im Ermessen der Gemeinde, die dafür entweder knapp 9300 oder 13 300 Euro zusätzlich zahlen müsste.

Insgesamt hätte die Gemeinde bei einer „großen Lösung“ rund 69 000 Euro jährlich an Zuschussleistungen zu zahlen (bis 2017 zahlte Urbach jährlich rund 65 000 Euro).

Als „sehr rundes Konzept“ lobte Bürgermeisterin Fehrlen diese Nachjustierungen. Lob gab es auch von den Gemeinderäten, die VVS und Landratsamt dafür dankten, auf die Kritik der Bürger eingegangen zu sein. Die Lösung sei ein guter Kompromiss, so die einhellige Meinung.

Alle Fraktionen unterstützten die „große Lösung“

Zugleich betonten aber zahlreiche Räte, dass die Kritik beim Bürgerdialog nicht ganz repräsentativ für die Gemeinde gewesen war – hatten sie doch im Anschluss zahlreiche Rückmeldungen erhalten von Bügeln, die darum baten, die Mobilität in Urbach bloß nicht einzuschränken.

Strittig war in der anschließenden Diskussion dann nur noch, wie lange die Linie 249 an Sonn- und Feiertagen verkehren soll. Alle Fraktionen unterstützten letztendlich die „große Lösung“ (sonn- und feiertags von 8 bis 22 Uhr) und entschieden sich einstimmig für die Annahme der Vorschläge von VVS und Landratsamt.


Kurze Übergangszeit

Gemeinderat Burkhard Nagel (Grüne) kritisierte die kurze Übergangszeit zwischen Bus und Bahn.

Schuld sei die Dreifachnutzung der Remsstrecke durch Bahn, S-Bahn und Güterverkehr, entgegnete Jochen Biesinger vom VVS. Dabei müsse planerisch vor allem zwischen den Regionalbahnen und der im Zweifelsfall zurückstehende S-Bahn abgewägt werden. Kürzere Übergangszeiten für Regio-Pendler hätten nämlich längere für S-Bahn-Fahrer zur Folge.

Für den Regionalzug um 7.07 Uhr wird es in absehbarer Zeit aber eine Lösung geben. Der war mit der Linie 249 bislang kaum pünktlich zu erreichen, wird aber spätestens ab Juni 2019 um 7.10 Uhr verkehren.

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