Urbach.
Eine Idylle, die fast perfekte Familie: Der Mann hat einen gut dotierten Job als Industriemechaniker bei einem schwäbischen Traditionsunternehmen, das Paar lebt in einem schönen Haus mit Garten im Remstal mit zwei gesunden Wunschkindern, Hund und Katze. Er spielt ein bisschen Tennis, ein bisschen Fußball, es wird mit Kollegen gegrillt. Vor dem Haus steht ein C-Klasse-Mercedes, die Eheleute kommen jeweils gut mit der Familie des anderen aus. Drogen oder übermäßiger Alkoholkonsum sind kein Thema. Fassade. Die Frau wird Ende November 2013 im Keller des Einfamilienhauses in Urbach gefunden. Sie ist tot.

Vor der 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stuttgart hat der 38-jährige Ehemann des Opfers unter Tränen gestanden, seine fünf Jahre jüngere Frau erwürgt zu haben. „Ich vermisse sie und meine Kinder“, sagt er.

Der des Totschlags angeklagte Mann, ein in Lettland geborener Deutscher, hatte seine Frau 2006 über einen Arbeitskollegen kennengelernt. Das Paar heiratet Ende 2008, eine Woche später kauft es das Haus in Urbach. 2009 und 2012 kommen die Kinder zur Welt. Nach außen sieht alles gut aus. „Ab 2011 hat sie immer weniger im Haushalt gemacht“, sagt der Angeklagte. Es gehe ihr schlecht, habe sie gesagt, körperlich. Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Kreislauf. Nach der Geburt des zweiten Kindes sei es nur kurz besser geworden.

Laut seiner Aussage versorgt er vor und nach seiner Schicht Haushalt und Kinder. „Sie saß bis 2 oder 3 Uhr nachts vor dem Computer und schlief dann bis mittags.“ Kam er von der Arbeit, sei sie auf dem Sofa gelegen. Was war mit ihren körperlichen Beschwerden? „Sie ist nicht zum Arzt gegangen.“ Gemeinsam Essen gehen, Kino? „Sie wollte nicht.“ Eheberatung? „Sie wollte nicht.“ Erziehung der Kinder? „Sie hat ständig wegen Kleinigkeiten überreagiert.“ 2013 sei es immer schlimmer geworden, sie hätten fast nur noch gestritten. „Egal, was ich gemacht habe, es war immer falsch.“

Offenbar gibt es Bild- und Tondateien mit Streitszenen des Paars. „Da wird Ihre Frau ziemlich heftig“, sagt Vorsitzende Richterin Regina Rieker-Müller zum Angeklagten. Die Eheleute schreiben sich gegenseitig Beschwerdezettel, er schreibt darüber hinaus Entschuldigungsbriefe. Er geht im November 2013 zum Anwalt, um sich über die Folgen einer Scheidung zu informieren. Was ist mit dem Haus, mit den Kindern? Von dem Besuch beim Juristen erzählt er seiner Frau nichts.

In der Nacht auf den 30. November kommt es zur Katastrophe. Das Paar macht sich gegenseitig lauthals Vorwürfe. Sie habe ihn „Schlappschwanz“ genannt und seine Familie schlechtgemacht. Dann sei sie mehrfach auf ihn losgegangen und habe ihn gekratzt. „Ich wollte sie nur auf Distanz halten“, sagt er. Mit beiden Händen um ihren Hals. Der 38-Jährige bricht erneut in Tränen aus. „Ich habe sie gewürgt, erwürgt.“ Im 1. Stock schlafen die Kinder.

Um den Kindern den Anblick ihrer toten Mutter zu ersparen, habe er den Leichnam in den Keller geschleppt. Später meldet er sich bei seinem Anwalt, der wiederum die Polizei verständigt. Der 38-Jährige wird festgenommen. Er legt ein Geständnis ab, das er am Donnerstag vor Gericht wiederholt hat. Der Prozess soll bereits am heutigen Freitag fortgesetzt werden.