Urbach Neuer Rektor an der Wittumschule

Urbach. Wer die Wittumschule betritt, die Stufen zum Rektor-Zimmer nimmt und den Flur entlanggeht, passiert einige große gerahmte Fotos. Schüler und Lehrer posieren fröhlich – unter ihnen Ex-Rektor Jürgen Busch – mit Bart. Auf dem nächsten Foto mit dem neuen Kollegium wird wieder ein Mann mit Bart abgelichtet sein. Matthias Rieger, 41 Jahre alt, ist seit dem 1. August der neue Gemeinschaftsschulrektor. Er verrät uns, warum ihn die Arbeit in Urbach so reizt und was er vorhat.

Video: Der neue Gemeinschaftsschulrektor der Wittumschule, Matthias Rieger, stellt sich vor.

Was macht ein Rektor? Kaffee trinken und vorm Computer sitzen. Das meinte kürzlich ein Schüler, als er mit seinem neuen Chef Matthias Rieger sprach. Das sei nicht ganz falsch, aber das Aufgabenfeld des 41-jährigen Bart- und Brillenträgers ist dann doch etwas größer und reicht über Schreibtisch und Kaffeetasse hinaus: Bindeglied zwischen Schulträger, Schulamt und Schule, Personalmanager, Motivator, Lehrer, Interessenvertreter, Schulentwickler, Förderer und Spaßmacher, damit Schüler gerne kommen. Und natürlich: „Ich bin das Gesicht der Schule.“

Konrektor an Robert-Boehringer-Schule

Man könnte annehmen, der Hauptschullehrer habe ehrgeizige Karrierepläne verfolgt: Nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Gmünd unterrichtete er in Backnang Deutsch, Englisch und Geschichte. Dann wurde er Konrektor in Winnenden an der Robert-Boehringer-Schule. Seit dem 1. August ist er Gemeinschaftsschulrektor der Wittumschule. War das der Plan? Alle sechs, sieben Jahre die nächste Stufe nehmen? Nein, sagt Rieger. Hätte man ihm das vor 15 Jahren vorausgesagt, hätte er das vehement verneint. Doch irgendwie war diese Entwicklung folgerichtig.

Mit dem „Leib- und Magenfach“ Englisch fing es an

Englisch war und ist sein „Leib- und Magenfach“, sagt er. Als Lehrer in Backnang und später in Winnenden habe er den Unterricht verbessern wollen, habe Ideen entworfen, Raumkonzepte erprobt, die individuelle Förderung verbessern wollen, mit Kollegen zusammengearbeitet, Konzepte erstellt, Unterricht entwickelt. Das führte dazu, dass er schließlich Fachberater für Unterrichtsentwicklung wurde, Kontakt mit vielen Schulen, Verlagen und Schulämtern hatte. Er wurde „Innenminister an der Boehringer-Schule“, also Konrektor. Der Rektor werde ja als „Außenminister“ bezeichnet, sagt Rieger und lacht.

Wittumschule habe guten Ruf

Er habe Interesse daran, Unterricht und Schule zu entwickeln. Und da stelle sich irgendwann die Frage, ob man Lehrer bleibt oder doch in die Rektor-Schiene wechselt.

Gezielt hat er sich in Urbach beworben, die Schule habe einen sehr guten Ruf, und hat sich gegen Mitbewerber durchgesetzt. Das ist insofern auch praktisch, weil der dreifache Vater mit seiner Frau in Plüderhausen lebt.

Personalentwicklung eine der Aufgaben

Nun also Rektor. Fehlt ihm nicht das Unterrichten? Schon. „Das Arbeiten in den Klassen erdet“, sagt er. Es reiche noch für etwa zehn Unterrichtsstunden pro Woche. Ein Hauptfach zu unterrichten sei da nicht mehr drin. Was sind seine Aufgaben? Unter anderem die Personalentwicklung. Welche Lehrerin passt zu welcher Klasse? Welche Kollegen können eine Sonderaufgabe übernehmen, an der sie wachsen können? Welche Fortbildung passt zu welchem Kollegen? Welcher Typ steht da vor den Kindern? Wo liegen die Stärken? Welche künftigen Kollegen könne er vielleicht nach Urbach lotsen? Man müsse den Lehrern, in Urbach sind es vor allem Lehrerinnen, Gestaltungsfreiraum geben. „Schulentwicklung kommt nicht von oben, sondern von unten.“ Seine Aufgabe sei es, Impulse aufzunehmen, zu setzen und umzusetzen.

Rieger's Ziel

Muss ein Rektor auch Motivator sein? Ja. Ein Rektor müsse vorgeben: „Das ist unser Ziel, dafür setzen wir uns ein.“ Und was ist das Ziel? „Eine gute Schule für die Kinder sein, die bestmögliche Schule.“ Er sieht Bildungs- und Erziehungsauftrag als gleichwertig an. Schule muss später „gesellschaftsfähige Menschen“ entlassen, „intellektuell und sozial“.

„Schüler sollen lernen, ihr Leben in die Hand zu nehmen“

Ändern sich die Anforderungen an Schüler und Lehrer? „Das Wissen tritt in den Hintergrund, das Können in den Vordergrund“. Doch – Stichworte Internet, Digitalisierung und Smartphone – komme es nicht nur „auf die Daumen, sondern auch auf den Kopf an. Die Schüler sollen lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen“. Was macht ein Rektor noch? „Viel Verwaltungsarbeit“. Er sei auch Mittelbeschaffer, dafür müsse man kämpfen. Netzwerker müsse er auch sein. Manchmal sei ein Rektor Feuerwehrmann, dann auch wieder Kapitän auf ruhiger See. Ein sonniges Gemüt schade bei der täglichen Arbeit nicht, sagt er und lacht.

Musik an Schule stärken

Was hat er in Urbach vor? Das Rad muss er an der Wittumschule ja nicht neu erfinden. Stimmt. Er sei jetzt vor allem Beobachter. Das musische Profil der Schule will er stärken – auch weil er selbst Musiker ist. Es sei wichtig, dass Kinder die einfache Möglichkeit haben, ein Instrument zu spielen.

Gemeinschaftsschulunterricht weiterentwickeln

Vor allem freut er sich, dass er in Urbach Entwickler sein kann. Die Übergabe habe hervorragend funktioniert, Jürgen Busch habe sich stark engagiert, Konrektor Michael Seiz sei ebenfalls eine große Hilfe. Auch baulich stehe man mit den neuen Fachräumen sehr gut dar.

Jetzt sei es wichtig, den Gemeinschaftsschulunterricht weiterzuentwickeln. Das sei derzeit noch ein Prozess. Die ältesten Gemeinschaftsschulkinder gingen in die achte Klasse. Bald können sie die Mittlere Reife ablegen oder den Hauptschulabschluss machen. Dann wird sich zeigen, wie der Anschluss aufs berufliche oder allgemeinbildende Gymnasium oder in den Beruf funktioniert. Diesen Prozess zu beeinflussen, Schule zu entwickeln, sei enorm reizvoll, mache Spaß, sei aber auch eine Herausforderung. „Der Realitäts-Check steht noch bevor.“

Einzelgespräche in den nächsten Wochen

Wie sehen die nächsten Wochen aus? Er will alle 40 Kollegen, überwiegend Kolleginnen, in Einzelgesprächen kennenlernen, wissen, wer was unterrichtet, wer wie alt ist, welchen Typ Lehrer und Mensch er vor sich hat. Als Idealisten wollen sie ja in Urbach „den bestmöglichen Schulabschluss bieten, auf eine Art und Weise, dass die Schüler gerne zur Schule gehen“.


Lehrermangel?

Gibt es an seiner Schule genügend Lehrer? „Es reicht gerade so“, antwortet Matthias Rieger. Braucht es mehr männliche Lehrer, mehr männliche Vorbilder? „Wir brauchen mehr Lehrer“, sagt er, egal ob Mann oder Frau. Bei Unterrichtsbesuchen habe er keinen großen Unterschied festgestellt, wie und ob ein Mann oder eine Frau unterrichtet.

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