Urbach Nichts ist unmöglich für Ilayda Karlibahar

Ilayda Karlibahar, 16 Jahre: „Wie traurig ist es, dass manche Menschen nicht versuchen, ihre Träume zu verfolgen.“ Foto: Palmizi / ZVW

Urbach. Das Video entstand aus dem Gefühl der Wut: Auf die Alles-Miesmacher, die grauen Allzeit-Realisten und Spinnerei-Verweigerer, auf die, die sich nicht trauen, ihre Träume mehr sein zu lassen als Gedankenspiele. „Glaubst du, dass nichts unmöglich ist?“, hieß die Frage, die beim Redewettbewerb des Sprachreiseanbieter EF beantwortet werden sollte. Ilayda Karlibahar tat es mit einem lauten: Na klar!

Video: Ilayda Karlibahar war bei einem internationalen Wettbewerb erfolgreich.

Da sage noch einer, Popmusik sei nutzlos, und verdumme die Jugend. Die süßlichen Songs der britischen Boyband One Direction sind sicherlich keine tiefschürfenden musikalischen Meisterwerke. Aber: Sie sind weltweite Hits und werden in vielen Ländern von Millionen Teenagern gehört. Darunter war ab dem Alter von zwölf Jahren auch Ilayda Karlibahar. Und wie das heutzutage so ist, kauft man sich als Fan nicht nur die Musik der Band, sondern ist im Internet auf Fanseiten unterwegs, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Dort, sagt Ilayda Karlibahar, hat sie Englisch gelernt.

Die 16-Jährige spricht in ihrem Gewinner-Video beim Wettbewerb „EF Challenge“ die Sprache frei und scheinbar mühelos fließend. Bei der Frage, woher sie das so gut kann, lacht sie erst mal. „Mein Englisch war bis vor vier Jahren richtig, richtig schlecht“, sagt sie. „Ich war die Schlechteste in meiner Klasse.“ Aber als sie begann, sich in den Fanforen zu bewegen, änderte sich das ganz schnell. Dort tauschte sie sich mit Leuten aus der ganzen Welt aus und fand eine Freundin in Australien. Mit ihr schreibt sie heute noch und unterhält sich mit ihr per Videotelefonie über Skype. Statt einer Vier hat Ilayda jetzt eine Eins in Englisch. Und die Fähigkeit, ihre Gedanken auf Englisch schlüssig auszudrücken, die sie für ihr Wettbewerbsvideo brauchte.

Zwei Wochen nichts zu Papier gebracht – dann hat sie sich geärgert

„Do you believe nothing is impossible?“ Glaubst du, dass nichts unmöglich ist? So lautete die Frage. Die Aufgabe: darauf mit einer Rede in englischer Sprache von zwei bis fünf Minuten Länge zu antworten.

Als Ilayda sich entschlossen hatte, mitzumachen, ihre Eltern um Erlaubnis gefragt und auch ihre Englisch-Lehrerin ihre Unterstützung zugesagt hatte, machte sie sich ans Schreiben – und stellte fest, das das gar nicht so einfach ist. Wie das so ist, wenn man sich hinsetzt und etwas zu Papier bringen will, aber die Gedanken sind noch ungeordnet und man hat keine Idee, wo man anfangen soll. Zwei Wochen vergingen, ohne dass Ilayda einen Satz schrieb.

Doch eines Abends saß sie in ihrem Zimmer und hörte Musik und war, wie sie sagt, „allgemein ein bisschen sauer“. An diesem Tag hatte sie sich mit einer Mitschülerin über die Zukunft, über Träume und Pläne unterhalten. Die Ansicht der Mitschülerin war: Man darf nicht träumen, man muss realistisch bleiben. Darüber hatte sich Ilayda geärgert. So reden viel zu viele, findet sie, selbst junge Menschen in ihrem Alter, denen doch das Leben offen steht. Und in ihrem Ärger schrieb sie einfach drauflos.

Herausgekommen ist eine emotionale Ansprache, ein Appell, dessen Grundaussage ist: Nichts ist unmöglich! Du kannst alles schaffen, was du willst, wenn du daran glaubst! In ihrem Video steht Ilayda vor einer Tafel in einem Klassenzimmer in ihrer Schule, dem Max-Planck-Gymnasium in Schorndorf. Bild- und Tonqualität sind nicht die besten, doch trotzdem kommt die Intensität und Emotionalität herüber, die aus dem Ärger dieses einen Abends zu Papier geflossen ist. „Wie traurig ist es, dass manche Menschen, nicht versuchen, ihre Träume zu verfolgen?“, fragt sie. Der Knackpunkt liege darin, sich selbst zu vertrauen, die Angst fallenzulassen und dann: „Geh und leb das Leben, das du schon immer leben wolltest!“ Ob es die Schuhe sind, die man sich noch nie traute zu tragen, oder der Schritt, das Wagnis, in die Fremde, in ein anderes Land zu ziehen: „Was immer es ist: Ich will, dass du es tust!“

Sie trägt ihre vorformulierten Gedanken frei und mit Verve vor. Das Video ist ein Tritt in den Hintern: Man könnte Ilaydas Rede zur Motivation für Menschen mit wenig Selbstvertrauen oder Eigenantrieb verwenden – zumindest, wenn man sich darauf einlässt und sich mitreißen lässt. Ein vom Zynismus des Alters gezeichneter Erwachsener wird vielleicht nur müde lächeln. Ja, meint Ilayda, schon klar, man könne sie belächeln und ihre Gedanken als die eines naiven jungen Mädchens abtun. Aber darauf lässt sie sich nicht ein, das prallt an ihr ab. Dazu meint sie nur: „Wenn ich was will, dann mache ich das. Für mich ist das dann möglich, weil alles möglich ist.“ An dieses Prinzip glaubt sie fest und das lebt sie.

Ihre Teilnahme an dem Wettbewerb von EF ist auch so was. Ilayda hätte auch denken können: Ach, da machen so viele mit, das wird nie was. Und außerdem: Der Hauptpreis ist eine Reise nach Rio zum Youth Leadership Forum – da werden meine Eltern mich doch nie hinlassen. Diese Zweifel kamen ihr durchaus, aber sie blieb dran. Letztendlich, sagt sie, war das Video in so bescheidener technischer Qualität, dass sie eigentlich gedacht hätte, schon deswegen wird es nichts. Doch als sie schon gar nicht mehr damit gerechnet hätte, kam der Anruf: Du hast gewonnen.

Ihren Eltern hatte sie, als sie sie um Erlaubnis gefragt hatte, ob sie bei dem Wettbewerb mitmachen darf, vorsorglich gar nichts von Rio gesagt. Jetzt musste sie damit raus. Und sie waren nicht nur begeistert. Aber letztendlich hätten sie eingesehen, was für eine große Sache es für sie war, als sie drohte: „Wenn ihr mir das nicht erlaubt, das vergesse ich euch nie!“ Sie hat ihre Erlaubnis bekommen.

Vom 11. bis 15. August fliegt sie nach Rio und trifft dort auf die Sieger des Wettbewerbs aus anderen Ländern (siehe „Die Jugend“). Es ist eine Reise, die Ilayda ihrem eigenen Lebenstraum wieder ein Stück näherbringt: irgendwann mal im Ausland zu arbeiten, am liebsten in England, einen Job zu finden, bei dem sie mit Leuten aus der ganzen Welt zu tun hat. Wird sie das schaffen? Unmöglich ist es nicht.

Die Jugend, die die Welt verändern soll

Der Redewettbewerb, die „EF Challenge“, wird von Education First, laut eigener Aussage der weltweite Marktführer bei Bildungs- und Sprachreisen, veranstaltet.

Schüler aus 27 Ländern haben daran teilgenommen und insgesamt 1200 Videos eingereicht. Ilayda Karlibahar ist die einzige Teilnehmerin, die aus Deutschland ausgewählt wurde. Mit 30 anderen Gewinnern reist sie nun zum World Leadership Forum nach Rio de Janeiro. Die jungen Leute diskutieren dort über dringende soziale Probleme der Welt und erarbeiten aus ihrer Sicht sinnvolle Lösungen.

Die Veranstaltung soll laut EF „die Entscheider von morgen“ inspirieren, „die Gesellschaft und die Welt zum Positiven zu beeinflussen“. Sprache und Kommunikation seien entscheidend dafür, „um in unserer globalen Welt etwas zu bewegen“. Und der Glaube daran, dass das möglich ist, wie Ilayda wohl hinzufügen würde.

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