Urbach Pläne für Windpark vorgestellt

Blick von Schorndorf aus auf die beiden Anlagen beim ehemaligen Bundeswehrdepot, rechts der Bergrutsch, unterhalb die Gemeinde. Foto: Privat

Urbach. 149 Meter Nabenhöhe und insgesamt 212 Meter hoch. Die WEBW, Windenergie Baden-Württemberg GmbH, plant zwei Windkraftanlagen auf Urbacher Gemarkung beim Bundeswehrdepot. Der Flächenverbrauch liege bei knapp einem Hektar, so Martin Bidell, Vorsitzender der WEBW. Außerdem stellten Vertreter der EnBW vor, welche Auswirkungen der geplante Windpark in Adelberg für Urbach haben könnte.

So könnten die Urbacher, je nach Standort – und sollten die Windräder genehmigt werden – bald in Richtung Adelberg und Eselshalden auf Windräder blicken. Die Adelberger Anlagen sind rund 2600 Meter vom südlichen Ortsrand entfernt und mit 134 Meter Nabenhöhe etwas kleiner, sofern dieser Typ (Nordex N131) im Vorranggebiet GP-01 gebaut wird und nicht die größere Variante, mit einer Nabenhöhe von 164 Metern, die derzeit nicht favorisiert wird. Die Anlagen würden auf Staatswald gebaut. Für mehr Diskussionsstoff sorgten die Pläne für zwei Räder auf dem Gebiet WN-28 beim Bundeswehrdepot, rund 1300 Meter vom Ortsrand entfernt.

Lediglich zwei Räder – ursprünglich waren im Welzheimer Wald mehr Anlagen geplant– jedoch wurde das Vorranggebiet verkleinert, werden weiterverfolgt und könnten Ende 2017 stehen. Die beiden Vertreter der WEBW machten deutlich, dass der Standort für sie wirtschaftlich ist. Wenn es anders wäre, betonte Martin Bidell („Ich bin Kaufmann“), würde man es ja nicht verfolgen. Genug Wind wehe, Zuwege seien vorhanden, müssten nicht aufwendig gebaut werden und man müsse lediglich ein Areal von einem Hektar von Bäumen und Büschen befreien, zwei Fundamente bauen. Die Einspeisung ins Mittelspannungsnetz sei möglich. Eine Anlage (Vestas V126-3,3MW) kostet rund 5,5 Millionen Euro.

Zwei Anlagen seien „durchaus vertretbar“

Arten- und Naturschutzgutachten, teilweise stehen sie noch aus, hätten – und würden wohl noch – ergeben, dass die Anlage „durchaus vertretbar“ ist, so Projektleiter Robert Giemsa. Fledermäuse seien nicht betroffen. Und (Greif-) Vögel, wollte Gemeinderätin Monika Bruckmann wissen. Greifvögel würden sich in Richtung Norden oder ins Tal begeben und das anvisierte Gebiet eher meiden. Das subjektive Empfinden ist anders, bohrte Bruckmann nach. Der Milan fliege dort. Stimmt, räumte Marin Bidell ein. Man habe eine dreistellige Anzahl von Flugbewegungen beobachtet. „Es gibt Vögel, die dort rüberfliegen, aber die Hauptaktivität liegt woanders“.

Es schien ein ruhiger Abend für die WEBW-Vertreter zu werden. Bürgermeister Jörg Hetzinger machte eingangs deutlich, er sei ein Verfechter von Windkraft, wenn die Voraussetzungen (Wirtschaftlichkeit, Mensch- und Naturschutz) stimmen. Allerdings hielten sich die WEBW-Männer bei den Nachfragen der Räte arg bedeckt, so dass sie weitere Fragen heraufbeschworen und sehr defensiv agierten.

Wie stark bläst der Wind, wollten die Gemeinderäte wissen. Ihre Neugier resultierte daraus, dass vor Ort am Depot, keine Messungen durchgeführt worden waren, sondern am Heuberg, also etwa 900 Meter entfernt. Dort habe man auf 100 Meter Nabenhöhe gemessen und „eine ordentliche Windprognose“ erhalten. Modellrechnungen bezogen auf den Standort am Depot hätten ergeben, dass der Wind dort mit sechs Metern pro Sekunde bläst, so Giemsa.

Daran blieben Zweifel. Was ist, wenn der Wind schwächer weht, weil die Prognose falsch war, schließlich gebe es ja topografische Unterschiede zwischen den Standorten. Mit den sechs Metern werde man nah an der Realität liegen, so Bidell, der auf technische Fortschritte verwies. Man hätte Erfahrungen in Schwachwindgebieten. Er bot einen Besuch in Schwäbisch Hall an, wo die WEBW ein vergleichbares Projekt realisiert habe. Detlef Holzwarths Urteil fiel negativ aus. Sechs Meter seien nicht wirtschaftlich, wenn man die Subventionen abziehe. Er ist skeptisch. Sei nicht auch die Einflugschneise des Stuttgarter Flughafens betroffen? Nein, machte Giemsa deutlich.

Die Wirtschaftlichkeit hängt von vielen Faktoren ab

Welche Rendite wollen sie erzielen, fragte Joachim Habik. Zwei Prozent? Acht Prozent? Sie gingen das Projekt an, weil es sich rechne, hier spiele die vorhandene Zuwegung über Eselshalden eine wichtige Rolle, so die WEBW-Vertreter ausweichend. Wie sähe es bei 5,5 Metern aus, wollte Habik wissen. Es sei immer schwierig von einer Wirtschaftlichkeit bei bestimmten Windgeschwindigkeiten zu sprechen. Das Land Baden-Württemberg gibt an, Anlagen seien bei Windgeschwindigkeiten ab 5,8 bis sechs Metern pro Sekunde wirtschaftlich. Diese Werte würden sich jedoch „projektspezifisch unterscheiden, seien beispielsweise abhängig von Transportkosten, Netzanschlussmöglichkeiten, notwendigem Ausbau der Zuwegung“, so Robert Giemsa auf Nachfrage am Mittwoch. Die beiden Männer lassen sich nicht in die Karten schauen. Sie betonten, bei den Rechnungen gebe es einen „Sicherheitsabschlag“. Messungen vor Ort würden 100 000 Euro kosten. Je höher die Nabenhöhe, desto höher der Ertrag.

Viele Gemeinderäte waren immer noch nicht überzeugt. Jörg Heinrich zeigte sich irritiert. Hetzinger klinkte sich ein. Die Gemeinde trage kein Risiko. Er setze sich für Windkraft ein. Patricia Bäuchle versuchte die Diskussion abzukürzen: Lieber regenerative Energie als Atomstrom. Dem schloss sich Siegrun Burkhardt an. Den Standort könne sie unterstützen. Monika Bruckmann war noch nicht überzeugt. Hier blase ein anderer Wind als an der Nordsee. „Dieser Wald ist unsere Perle“, Stichwort Landesgartenschau. Mit Blick auf die Landschaftsbildbewertung gab sie zu bedenken, die Anlagen seien „riesengroße Bauwerke“.

Die Anlagen sind ein Eingriff, räumte Bidell ein. Aber jede Art der Stromerzeugung sei ein Eingriff in die Natur. Giemsa betont, man werde die gefällten Bäume an anderer Stelle ersetzen, entweder im Verhältnis eins zu eins oder höher, bestenfalls auch auf Urbacher Gemarkung. Erteilt das Landratsamt die Genehmigung, werde man im Winter roden und dann wohl Ende 2017 mit dem Bau fertig sein.

Bürgerbeteiligung

Die Gemeinde plant, die Bürger bei einer Veranstaltung mit Vertretern der EnBW und WEBW und weiteren Experten über das weitere Vorgehen zu informieren.

Wenn das Landratsamt die Anlagen genehmigt, wird die Gemeinde um eine Stellungnahme gebeten, wie sie zu Lärm, Schall, Schattenwurf etc. steht.

Auch finanziell könnten sich die Bürger, beispielsweise über eine Genossenschaft, an dem Projekt beteiligen, so Bidell auf Nachfrage von Burkhard Nagel. Bei der EnBW sei dies unter gewissen Voraussetzungen (Sparbrief) ebenfalls der Fall.

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