Urbach Reparaturen an den Urbacher Buslinien

Symbolbild. Foto: Pixabay.com / CC0 Public Domain

Urbach. Zum neuen Buskonzept für Urbach, das seit Anfang 2018 gilt, gibt es weiterhin Kritik: Zwar hat sich die Pünktlichkeit der Linie 248 zum Anschluss an den Regionalexpress laut Verwaltung verbessert, aber die Zeiten sind immer noch sehr knapp bemessen. Und: Die Anwohner in Burgstraße, Hofackerstraße und Unterer Seehalde beklagen vehement die Belastungen durch die neue Linienführung.

Viele Anwohner der engeren Straßen im Norden von Urbach, durch die die Buslinien 243 und 249 verlaufen, waren am Dienstagabend in die Sitzung des Gemeinderats gekommen. Mehrere meldeten sich zu Wort, um ihren Ärger mitzuteilen.

Sind die Busse ein Sicherheitsrisiko?

Sie sind von einer Änderung der Linienführung betroffen, die Anfang des Jahres in Kraft trat: Statt im Norden von Urbach eine Extraschleife zu fahren, verkehren die Linien 243 und 249 nun in beiden Fahrtrichtungen auf den gleichen Straßen. Damit, so das Ziel der Verkehrsplaner von VVS und Landratsamt, soll die Linienführung für die Nutzer einfacher und übersichtlicher werden.

Die Hauptklage der Anwohner lautet jetzt: Die Busse, die sich im Gegenverkehr begegnen, sind ein Sicherheitsrisiko. Dadurch, so ihre Beobachtung, müssen immer wieder Busse rückwärts fahren, um einander auszuweichen, oder kurven verbotenerweise über den Gehweg.

Auch Autos seien schon beschädigt worden, berichtete ein Anwohner im Gemeinderat, der zudem eine Zunahme weiterer negativer Begleiterscheinungen des Busverkehrs beklagte: „Der Unterbau der Straße ist so schlecht, dass die ganze Straße ins Schwingen gerät.“ Wenn der Bus durchfahre, fühle sich das an, „wie kleine Erdbeben“. Und das beginne morgens um 4.46 Uhr und dauere bis nach Mitternacht.

Bürgermeisterin Fehrlen kann keine schnelle Lösung bieten

Die Forderungen der Anwohner sind deswegen unter anderem: Schluss mit dem Busgegenverkehr, Verbesserung des Straßenaufbaus, weniger Busse außerhalb der Stoßzeiten, wenn diese sowieso kaum jemand nutzt, und möglichst kleinere, umweltfreundlichere Busse.

Die neue Urbacher Bürgermeisterin Martina Fehrlen hat die Kritik am Buskonzept im Wahlkampf bereits vernommen. Deswegen, so sagte sie im Gemeinderat, sei es ihr wichtig gewesen, die Sache so schnell wie möglich auf die Tagesordnung zu bringen.

Auch die Urbacher Grünen hatten beantragt, dass das Thema im Gemeinderat zur Sprache kommt. Die Botschaft der Verwaltung lautet insgesamt: Wir nehmen die Kritik ernst. „Das ist uns ein Anliegen, dass wir als Gemeinde einen guten Weg finden“, so Martina Fehrlen.

Schnelle Lösungen für die Kritikpunkte kann sie allerdings nicht bieten, weil die Gemeinde gar nicht der maßgebliche Akteur in der Sache ist. Der Vorschlag der Verwaltung ist daher: ein Termin mit den Fachleuten vom VVS, aus dem Landratsamt und vom Busunternehmen Knauss, bei dem die Bürger informiert werden, was die Planer sich beim Buskonzept gedacht haben, und ihre Bedenken und Anregungen zur Verbesserung vorbringen können.

Das befürwortete der Gemeinderat einhellig. Das Bürgergespräch, so das Ziel, soll noch vor den Sommerferien stattfinden. Auch die Frage des baulichen Zustands der Unteren Seehalde soll dort im Fokus stehen.

An anderer Stelle wurde bereits nachgebessert

Ordnungsamtsleiter Achim Grockenberger betonte: Die Verwaltung habe mit den Verkehrsplanern vor der Einführung ausführlich über das neue Buskonzept gesprochen. Aber, wenn „uns der Busunternehmer glaubhaft versichert, es sei kein Problem, einen Begegnungsverkehr zu installieren, dann müssen wir das einfach glauben“, so Grockenberger. „Wir sind nicht die Busfahrer.“ Die Bedenken aus der Bürgerschaft seien immer bei den zuständigen Stellen bei VVS und Landkreis eingespeist worden.

An anderer Stelle wurde beim Anfang des Jahres in Kraft getretenen Buskonzept in Urbach bereits nachgebessert. Zum Beispiel was die mangelnde Pünktlichkeit der Busse auf der Linie 249 beim Anschluss an die Abfahrtszeiten der Regionalzüge am Bahnhof angeht.

Verantwortlich dafür waren laut Verwaltung „zu knapp bemessene Fahrzeiten“. Zur Verbesserung wurde die Linie verkürzt, der Bus fährt zwei Haltestellen nicht mehr an. Seitdem ist laut Rückmeldungen des Busunternehmens und Beobachtungen der Verwaltung zufolge der Anschluss an die Bahn tatsächlich optimiert, wenn auch mit zwei bis vier Minuten Umsteigezeit weiterhin „sportlich“.

Deutliche Kritik am Buskonzept und seinen Machern.

In der Einwohnerfragestunde meldete sich jedoch ein Bürger, der urteilte: Die Zeiten seien immer noch zu knapp. „Das ist keine optimale Lösung.“ Achim Grockenberger erklärte: Große Veränderungen am Modell seien nicht so einfach.

Alles hänge zusammen: „Wenn man am einen Eck zieht, wackelt es am anderen.“ Auch die Kritikpunkte an den Anschlusszeiten könnten die Bürger bei dem geplanten Termin mit den Fachleuten von VVS, Landkreis und Busunternehmen vorbringen. Wenn es nach der Gemeinde gegangen wäre, dann hätte man die alten Regelungen gut lassen können. Das neue Buskonzept sei vom Landratsamt „aufgesetzt“, so Grockenberger.

Aus den Reihen der Gemeinderäte kam teils deutliche Kritik am Buskonzept und seinen Machern. Der Grüne Burkhard Nagel meinte zum Beispiel: Die Gemeinde habe „für eine Leistung bezahlt, die bisher nicht in vollem Umfang geliefert wurde“.

Er finde, „dass man da noch mal von vorne anfangen muss, zu denken“. Joachim Habik von der SPD stimmte Nagel zu, mahnte aber auch: „Wir müssen einen großen Konsens finden. Man kann nicht sagen, ich möchte einen ÖPNV, aber nicht vor meiner Haustüre.“ Habiks Appell: Auch diejenigen, die bisher mit dem Buskonzept zufrieden seien – falls es die gebe – sollten zu dem geplanten Bürgergespräch kommen, um ihre Interessen zu vertreten.


Nachbesserungen beschlossen

An anderer Stelle hat der Gemeinderat schon Nachbesserungen am Buskonzept beschlossen, die die Gemeinden Plüderhausen und Urbach mit den Verkehrsplanern von VVS und Landkreis vereinbart haben. Mit vier weiteren Fahrtenpaaren in einer Lücke zwischen 9 und 12.30 Uhr soll die Linie 248 verbessert werden, die nicht mit der Linie 249 angebunden sind.

Dadurch soll für Busnutzer in den Wohngebieten im Bereich der Friedenskirche der Anschluss an den Urbacher Bahnhof verbessert werden. Ordnungsamtsleiter Achim Grockenberger spricht von einer „Taktverdichtung“.

Die Kosten dafür teilen sich die beteiligten Gemeinden Plüderhausen und Urbach mit dem Landkreis. Von den jährlich zusätzlich zum bisherigen Angebot fälligen rund 30 600 Euro übernimmt der Kreis die Hälfte. Der Rest wird nach einem Schlüssel verteilt, der die Zahl der Haltestellen und die Kilometer Streckenlänge in den jeweiligen Gemeinden, berücksichtigt. So muss Plüderhausen rund 8700 Euro zahlen, auf Urbach entfallen im Jahr 5800 Euro.

Damit zahlt die Gemeinde Urbach insgesamt rund 47 400 Euro im Jahr für den örtlichen Busverkehr.

  • Bewertung
    4
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!