Urbach Ringen um den Grillplatz „Roter Berg“

Eine Rote auf dem „Roten Berg“ grillen? Ob das auch in Zukunft möglich sein wird, darum ringen derzeit die Gemeinde Urbach und die Naturschutzbehörde. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Urbach. Der Grillplatz „Roter Berg“ im Naturschutzgebiet erhitzt derzeit die Gemüter: Das Landratsamt drängt auf die Entfernung, doch in der Gemeinde hängen viele Bürger an dem Platz. Jetzt will Urbachs Verwaltung mit dem Landkreis sprechen. Dabei soll auch ein Kompromiss diskutiert werden.

„Zum Erhalt des Juwels muss der Grillplatz aufgelöst werden“, erklärte Dietmar Reiniger von der unteren Naturschutzbehörde in seinem Vortrag vor den Gemeinderäten. Mit dem Juwel meint er die an den Grillplatz angrenzenden Schutzgebiete, zu denen etwa das Naturschutzgebiet Vordere Hochbachwiesen gehört. Reiniger zeigte eindrucksvolle Bilder von schützenswerten Blumen und Gräsern. Doch auch mit diesen konnte er die Mehrheit des Gemeinderates nicht umstimmen. Sie sehen in dem Platz ein Ausflugsziel für Familien. Schließlich hat er eine gute Lage: Zu Fuß ist er vom Ort aus gut erreichbar und liegt dabei direkt in der Natur am Waldrand.

Das Landratsamt genehmigte im Jahr 2013 den Grillplatz

Detlef Holzwarth von der CDU argumentierte mit dem Bestandsschutz und sprach sich gegen die Entfernung des Grillplatzes aus. Seine Fraktionskollegin Katrin Foschiatti erklärte, dass der Grillplatz besonders auch für Schulklassen und Kindergärten wichtig sei.

Einige sind für die Entfernung, wie etwa Ulrike Brax-Landwehr von den Grünen, die mit dem Naturschutz argumentierte. Die Mehrheit stimmte aber schlussendlich gegen die Auflösung des Grillplatzes. Doch ob es für den Gemeinderat überhaupt eine Wahl gibt, ist nicht ganz eindeutig.

Das Landratsamt genehmigte im Jahr 2013 den Grillplatz an der Rems. Damals hatte Bürgermeister Jörg Hetzinger zugesagt, dass als Kompensationsmaßnahme der Grillplatz „Roter Berg“ aufgelöst werde. Im genauen Wortlaut heißt es: „Nach Inbetriebnahme des Grillplatzes sollte der vorhandene Grillplatz im Bärenbachtal (...) zurückgebaut werden.“ Aus Sicht des Landratsamtes ist klar: Die Gemeinde muss den Platz zurückbauen. Einige Gemeinderäte sind allerdings der Ansicht, „sollte“ heißt nicht „muss“.

Es geht nun um eine juristische Bewertung des Wortes „sollte“, erklärte Bürgermeisterin Martina Fehrlen. Sie erwartet vom Landratsamt eine schriftliche Stellungnahme. Grundsätzlich fühlt sie sich aber an das Wort ihres Vorgängers gebunden. Schließlich müsse Verwaltungshandeln verlässlich sein. Außerdem hält auch sie die Flora und Fauna in dem Gebiet für besonders schützenswert.

Auch ein Kompromiss in Sachen Grillplatz wird diskutiert

Doch auch ein Kompromiss ist aus ihrer Sicht denkbar, wie ihn etwa Gemeinderat Jürgen Schlotz (SPD) in der Sitzung angeregt hat. Er schlug vor, eine Hecke um den Grillplatz zu bauen und damit die schützenswerten Wiesen von dem Grillbereich zu trennen.

Bereits im Januar hatte der Gemeinderat über das Thema diskutiert. Damals beschloss er, die Entscheidung zu vertagen und Rücksprache mit dem Landratsamt zu halten.

Im Vorfeld der Sitzung im Januar hatten sich auch Bürgerinnen und Bürger per Mail an Martina Fehrlen und an die Gemeinderäte gewandt und für den Erhalt des Grillplatzes argumentiert.

Doch wie geht es nun konkret weiter? Der Bauamtsleiter Rolf Koch will mit der Naturschutzbehörde des Landratsamtes noch im Oktober Gespräche führen. Theoretisch könnte das Landratsamt der Gemeinde ein Zwangsgeld auferlegen oder eine sogenannte Ersatzvornahme einleiten, dann würde eine Firma beauftragt, die den Grillplatz entfernt, erklärt Leonie Ries, die Pressesprecherin des Landratsamtes. Allerdings würde die Behörde nur zu solchen Mitteln greifen, wenn sie sich mit der Gemeinde überhaupt nicht einigen könnte.


Vandalismus

In der Gemeinderatssitzung im Januar wurde auch über das Ausmaß an Vandalismus auf dem Grillplatz gesprochen. So seien etwa für den Waldkindergarten in der Nähe unter anderem Glasscherben ein Problem, argumentierte die Verwaltung im Januar für die Schließung des Grillplatzes. Den Vandalismus ließen die Räte als Argument nicht gelten. Schließlich gebe es auch an den anderen Grillstellen Probleme damit. Unter anderem am 1. Mai treffen sich am „Roten Berg“ jährlich viele Jugendliche zum Feiern und gehen nicht gerade zimperlich mit dem Platz um.

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