Urbach/Schorndorf Nabu gegen Hochwasser-Rückhaltebecken

Das Gebiet Morgensand-Seelachen zwischen Urbach und Schorndorf (Archivbild) Foto: Habermann / ZVW

Urbach/Schorndorf. Im Naturschutzgebiet zwischen Urbach und Schorndorf soll ein Hochwasser-Rückhaltebecken an der Rems gebaut werden. Der Naturschutzbund (Nabu) lehnt das Vorhaben entschieden ab. Wo ein alternatives Hochwasserbecken entstehen könnte, soll aber eine Umgehungsstraße für Miedelsbach gebaut werden.

Das mit 1,1 Millionen Kubikmetern Stauvolumen geplante Becken würde das letzte großflächige Naturschutzgebiet im Remstal regelrecht in ein technisches Bauwerk verwandeln, warnt Wolfgang Bogusch, Vorstandssprecher des Nabu Schorndorf. Bogusch hatte den Nabu-Landesvorsitzenden Johannes Enssle und Hans-Peter Kleemann, stellvertretender Landeschef und Fachbeauftragter für Infrastrukturprojekte, eingeladen, sich vor Ort ein Bild zu machen. Seit Jahren steht das Projekt auch bei ihnen in der Kritik, weil das Staubecken das, so heißt es in einer Pressemitteilung, „letzte große Schutzgebiet im Remstal mit rund 47 Hektar Fläche einfach verschlucken“ würde. Betroffen wären diverse FFH-Lebensraumtypen wie die sehr seltenen Flachland-Mähwiesen. Auch einer der letzten Auenwälder müsste abgeholzt werden, kritisiert Enssle.

Rückzugsräume für bedrohte Arten

Für den Nabu-Chef gehören die Gebiete Morgensand und Seelachen zum europäischen Tafelsilber. Die FFH-Gebiete in der Talaue der Rems und im Unterlauf der Wieslauf seien Rückzugsräume für bedrohte Arten wie Eisvogel, Neuntöter, Zwergtaucher, Bitterling und Großer Feuerfalter und stünden daher als bebaubare Fläche nicht zur Verfügung, stellt Enssle fest. Ein solches Bauprojekt müsste daher in jedem Fall der EU-Kommission zur Prüfung vorgelegt werden.

Die Planungen für das Staubecken reichen bis ins Jahr 1997 zurück. In Planungen zum Hochwasserschutz an der Rems wurde das HRB 5 zwar untersucht, aber ursprünglich nicht weiter verfolgt. Für den Hochwasserschutz gebe es mit den Becken 2,3,7 und 8 Alternativen mit weniger kritischen Eingriffen, meint Bogusch.

Der Nabu Schorndorf hat 2015 auf der Suche nach Alternativen eine eigene Planung für ein Becken bei Miedelsbach an der Wieslauf erstellen lassen. Der Wasserverband habe schließlich mehrfach bestätigt, dass die Gefahr eines Hochwassers der Wieslauf durch HRB 5 nicht gelöst wäre. Um die Hochwassergefahr zu bannen, müsste das Becken daher direkt an der Wieslauf gebaut werden, erklärt Bogusch. Auch die Ortsteile Miedelsbach und Haubersbronn wären dann geschützt, wie die Vorstandssprecher des Nabu Schorndorf, Werner Schwarz und Wolfgang Bogusch, ihren Besuchern aus Stuttgart erklärten. Dass nun am Ende vier Becken im Remstal wegfallen sollen, wenn das HRB 5 tatsächlich gebaut würde, ist für die Nabu-Aktiven ein Zeichen für einen politischen Deal. Offensichtlich hätten die betroffenen Gemeinden inzwischen andere Pläne für die Flächen, auf denen die Becken 2,3,7 und 8 geplant waren.

Alternative soll geprüft werden

Allerdings plant die Stadt Schorndorf an der Stelle, wo das alternative Hochwasserbecken im Wieslauftal entstehen könnte, eine Umgehungsstraße für Miedelsbach. „Wir erwarten von Stadt, Wasserverband Rems und dem Land als Zuschussgeber, die vorgelegte Alternative des Nabu schleunigst zu prüfen“, fordert Enssle. Auch der Landesverbandschef will sich nach seinem Vor-Ort-Besuch weiter dafür einsetzen. Sein Fazit nach dem Vor-Ort-Termin: „Sinnvoller Hochwasserschutz im Remstal ist wichtig, die Bauwerke und Überschwemmungsflächen hierfür allerdings in FFH- und Naturschutzgebieten zu planen, ist die falsche Lösung“.

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