Urbach Urbacher Freibad bekommt Schließtag

An heißen Sommertagen haben die Badegäste nicht so viel Platz wie hier auf dem Bild – und die Schwimmmeister alle Hände voll zu tun. Mit einem Schließtag pro Woche sollen sie nun entlastet werden. Foto: ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Urbach. 125 Tage am Stück war Betriebsleiter Stefan Trojanus im vergangenen Jahr im Einsatz. Mehrere Wochen, da sein Kollege erkrankt war, betreute er das Urbacher Freibad sogar alleine. Damit sich das in dieser Saison nicht wiederholt, hat der Gemeinderat, wenn auch mit Bauchschmerzen, nun die Einführung eines Schließtages beschlossen.

„Es tut uns im Herzen weh, aber die rechtlichen Bedingungen lassen uns keine andere Wahl“, sagte Martina Fehrlen im Gemeinderat. Denn nicht nur das Arbeitszeitgesetz, auch die EU-Arbeitszeitrichtlinie sieht feste Ruhetage für Mitarbeiter vor. Hinzu kommt, dass seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs von Ende 2017 die Beweislastumkehr gilt. In dem Prozess ging es um ein zwölfjähriges Mädchen, das sich zu lange unter Wasser befand und dadurch Hirnschädigungen erlitt. Vor Gericht konnte nicht geklärt werden, wie lange das Mädchen unter Wasser war und ob sie rechtzeitig hätte gerettet werden können. Doch der Badebetreiber unterlag in diesem Streit.

Zum Glück ist das Urbacher Freibad von solchen Unglücksfällen bislang verschont geblieben – bis auf einen Fall von plötzlichem Herztod, der sich nicht vermeiden ließ. Sollte es aber dazu kommen, geht die Verwaltung davon aus, dass die Arbeitszeiten der Schwimmmeister überprüft werden.

Bundesweit fehlen 2 500 Schwimmmeister

Nun könnte die Gemeinde dies durch die Ausschreibung einer weiteren Stelle lösen. Damit seien jedoch Kosten verbunden, die im Haushalt nicht vorgesehen sind, so die Bürgermeisterin. Außerdem sei die Aussicht auf Erfolg wegen des Fachkräftemangels ohnehin nur sehr gering. Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister schätzt, dass vergangene Saison bundesweit rund 2500 Schwimmmeister fehlen. Der Beruf ist - auch aufgrund der Arbeitszeiten - offenbar nicht mehr sehr attraktiv.

Die Gemeinde wird zwar (gemeinsam mit den Stadtwerken Schorndorf) zum 1. September einen Ausbildungsplatz zum Fachangestellten für Bäderbetriebe schaffen. Für die anstehende Saison, die im Mai beginnt, führt aus Verwaltungssicht indes kein Weg daran vorbei, einen Schließtag einzuführen – und zwar den Montag, der über die letzten sechs Jahre stets die wenigsten Besucher ins Bad lockte.

Detlef Holzwarth (CDU) forderte, die Schließung zeitlich zu begrenzen. Es gebe in Urbach schließlich genügend Rettungsschwimmer, derer man sich bedienen könne, auch ein FSJ-Platz könne geschaffen werden. Außerdem sollte das Lehrschwimmbecken in der Atriumhalle seine Öffnungszeiten um einen Tag erweitern.

Einige Räte sehen Schließtag kritisch

Mit Rettungsschwimmern alleine sei das Problem nicht zu lösen, entgegnete Bürgermeisterin Martina Fehrlen. Zum einen, weil diese tatsächlich nur schwer zu rekrutieren seien. Zum anderen, weil im Schwimmbad auch die Technik bedient werden müsse.

Auch Monika Bruckmann (Freie Wähler) sah die Schließung kritisch – „vor allem im Jahr der Gartenschau“. Außerdem könne es ja auch gut sein, dass der Sommer ein regnerischer werde, „da täte ein fester Schließtag weh“. Das Jahr 2018 war in der Tat außergewöhnlich gut, mit knapp 75 000 erreichte die Besucherzahl einen Rekordwert. In normalen Jahren sind es um die 50 000.

Burkhard Nagel (Grüne) schloss sich dem Verwaltungsvorschlag an, konnte aber auch den CDU-Ideen etwas abgewinnen. „Wir sollten schauen, ob wir nach einem Jahr den Schließtag wieder abschaffen können.“

Unterstützung aus der Gemeinde gesucht

„Die Vorschläge der CDU klingen gut“, fand auch Joachim Habik (SPD), „mir fehlt aber der Glaube, dass sich Personen dafür finden.“ Der Arbeitsschutz müsse eingehalten werden. „Im Moment sehe ich daher keine andere Lösung als einen Schließtag.“

Mehrheitlich entschloss sich der Gemeinderat dann zur Einführung eines Schließtages. Lediglich die CDU-Fraktion sprach sich geschlossen dagegen aus.

Die Verwaltung will die Anregungen aus dem Gremium nun aufgreifen und einen Aufruf an die Urbacherinnen und Urbacher starten. Als Unterstützung für das Freibad werden Schwimmer mit dem Rettungsabzeichen Silber gesucht.

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