Urbach Video: Die Zebu-Oma hält die Herde zusammen

Urbach. Vor 13 Jahren hat Familie Ziegler eine Kuh gekauft. Die Zebukuh war damals schon zehn Jahre alt. Also nannte die Familie sie damals schon „Oma“. Nun wird die verdiente Kuh 23 Jahre alt, ist bereits Uroma und verbringt ihre verdiente Rente auf dem Hegnauhof in Urbach. Bäuerin Sonja Ziegler ist da schon etwas neidisch, wenn sie ihren „Oldtimer“ auf der Wiese sieht. „Im Sommer Kuh sein, ist echt schön“.

Sonja Ziegler ist beliebt bei ihren Kühen. Wenn sie mit ihrem Bulli anrollt, setzt sich die Herde in Bewegung. Denn die Bäuerin hat neben Streicheleinheiten auch meistens Nahrung an Bord. „Oma“ nähert sich mittlerweile in gemäßigtem Tempo. Der Nachwuchs überholt sie spielerisch. Kein Wunder. Die „Silvester-Kuh“, am 31. Dezember 1992 in Althütte geboren, läuft nicht mehr ganz so rund. Mittlerweile sehe man ihr das Alter an, sagt Sonja Ziegler. Wo Bulle „Poldi“ eine muskulöse Nacken- und Schulterpartie aufweisen, wirkt Oma etwas knochig. Aber ihr Fell glänzt. 23 Jahre! „Und immer noch so ein schönes Fell“, freut sich Sonja Ziegler. Schwarz glänzt es in der Sonne.

Oma ist eine Zebukuh, ein Buckelrind. Eine Milchkuh ist sie nicht. Sie wurde vor 13 Jahren für die Western-Show auf dem Hegnauhof gekauft. Bei der Disziplin „Working Cowhorse“ muss ein Reiter ein Rind einfangen. Weil die Buckelrinder im Vergleich zu hiesigen Kühen recht wilde Zeitgenossen sind, haben Pferd und Reiter einiges zu tun, wollen sie sie einfangen.

Kühe als Rasenmäher und Landschaftsgärtner

Außerdem dienen die Zebus als Rasenmäher und Landschaftsgärtner, „weil die fressen alles“, weiß Sonja Ziegler, auch Dornen und Gestrüpp. Und die Tiere sind recht leicht und haben kleine Hufe. Also wird die Schädigung der Grasnarbe auf ein Minimum begrenzt. Die Rinder mit dem charakteristischen Buckel erledigen ihre Arbeit vortrefflich. Und die Gefahr, dass die Kühe mal ausbüchsen, sei gering. Wenn sie Wasser haben, seien sie absolut standorttreu, schildert Sonja Ziegler.

Von Mai bis Herbst lebt die kleine Herde auf der großen Weide zwischen Schorndorf und Urbach und die „Urgroßmutter passt auf den quirligen Nachwuchs auf. Sie hat uns im Laufe der letzten Jahre viele wunderschöne Kälber zur Welt gebracht und war immer eine ruhige Leitkuh, die ihre Herde beisammen hatte“, so Sonja Ziegler. Sie spricht von „war“, weil der Respekt vor Oma nun langsam schwindet.

Verteilt Ziegler Futter, gibt es schon mal einen robusten Stoß vom Nachwuchs und Oma hat das Nachsehen und muss beim Fressen zurückstehen. „Aber die Oma strahlt Ruhe aus“, würdigt die Bäuerin ihren weiblichen Methusalem.

Die meisten Kühe werden in Deutschland nicht so alt wie die Zebukuh. Hochleistungsmilchkühe, die Tausende Liter Milch geben, sterben viel früher, oder werden geschlachtet, wenn die Milchleistung nachlässt. Da klingt es schon romantisch, dass Oma bei Zieglers unter Artenschutz steht. In den kalten Monaten lebt sie im Stall. Im Sommer kann sie tun und lassen, was sie will. Auch Landwirt Helmut Ziegler betont, dass Oma einst friedlich auf der Weide oder im Stall einschlafen wird. Allerdings soll sie noch lange Zeit ihre Herde im Blick haben. Sonja Ziegler wünscht sich für sie noch viele Jahre im fetten Gras.

Das Buckelrind
Das Zebu oder Buckelrind (Bos primigenius indicus) ist ein im Bereich des indischen Subkontinents domestiziertes Hausrind, das vor allem in tropischen und subtropischen Klimazonen gehalten wird. Zebus stammen von einer anderen Unterart des Auerochsen ab als taurine Rinder. Seit dem 20. Jahrhundert hält man auch in Teilen der Welt mit tropischem Klima Zebus (Quelle: Wikipedia).

  • Bewertung
    3
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!