Urlaub Urlaub zwischen Müllbergen

Nicht immer warten auf Urlauber idyllische Sandstrände. Vielerorts sind die Strände zugemüllt. Foto: AP

Stuttgart - Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das trifft im negativen Sinn jährlich auf Tausende von Urlaubern zu, denen Ärger die Erholung gehörig verdorben hat. Verspätete Flüge und stundenlange Transfers zum Hotel stehen ganz vorn bei den Beschwerden.

Rund 75,5 Millionen Urlaubsreisen mit mehr als fünf Tagen Dauer haben die Deutschen im vergangenen Jahr unternommen. Fast die Hälfte davon wurde auf eigene Faust organisiert. Die anderen 50 Prozent haben ihren Ferienaufenthalt über einen der rund 2500 professionellen Anbieter geordert. Diese Pauschaltouristen haben es einfacher, wenn während ihrer Reise etwas schiefläuft. Ob sich nun der Flug verspätet, Kakerlaken durchs Hotelzimmer krabbeln oder das Essen verdorben ist: Sie können, müssen sich sogar bei Ärger an den Veranstalter wenden.

"Früher haben Touristen schlechtes oder einseitiges Essen reklamiert", beobachtet der Stuttgarter Anwalt Markus Schwab. "Heute betreffen die Beschwerden kurzfristig verschobene Abflugzeiten, stundenlange Transfers am Urlaubsort oder Bautätigkeiten rund ums Hotel." Doch laute Bagger sind nicht immer ein Grund für eine nachträgliche Preisreduktion oder gar für Schadenersatzansprüche. Einen Kunden, der in der Hochsaison eine Pauschalreise nach El Arenal auf Mallorca gebucht hatte, störten zwei Baustellen neben dem Hotel, und er klagte auf Reisepreisminderung. Das Gericht wies seine Klage ab. In einer touristischen Hochburg, in der ohnehin jede Menge Lärm, Jubel, Trubel Heiterkeit vorherrsche, falle eine Baustelle nicht weiter ins Gewicht, urteilte es. Sie sei als ortsübliche Unannehmlichkeit hinzunehmen.

Grundlage des Reiserechts sind EU-Vorschriften und speziell in Deutschland § 651 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Bei der Ermittlung von Reisepreisminderungansprüchen orientieren sich Richter an der Frankfurter Tabelle, benannt nach der Mainmetropole, an deren Landgericht sie verfasst wurde. Danach kann zum Beispiel ein verschmutzter Strand den Reisepreis um zehn bis 20 Prozent senken. Doch Vorsicht: Wetterbedingte Verunreinigungen wie Algen, Seegras oder Feuerquallenplage gelten nicht als Mangel für eine Preisminderung. Hier handelt es sich um einen Fall höherer Gewalt, den der Veranstalter nicht zu vertreten hat. Liegt hingegen Müll herum, müssen die Feriengäste diesen Mangel zunächst der Reiseleitung am Urlaubsort darlegen und auf die Beseitigung pochen (siehe Info).

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