Urteil im Millionenbetrugsprozess in Stuttgart Richter spricht von „perfider Betrugsmasche“

Viel mehr als einen Internetzugang und ein Telefon brauchte es nicht, um Millionen Euro zu ergaunern. Foto:dpa Foto:  

Stuttgart - Fünf Jahre und drei Monate Gefängnis wegen Bandenbetrugs – so lautet das Urteil der 13. Strafkammer des Landgerichts gegen einen 52 Jahre alten Straßburger. Der Mann, der mit Frau und Kind in Thailand lebt, hatte gestanden, als Mitglied einer Bande vom israelischen Tel Aviv aus deutsche Firmen um Millionen betrogen zu haben.

„Dieses Betrugssystem hat durchaus perfide Züge“, sagt der Vorsitzende Richter Frank Maurer. Der Straßburger habe sich das Vertrauen der jeweiligen Firmenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter erschlichen und es dann missbraucht. Die Bande hat rund fünf Millionen Euro Schaden angerichtet. Rechnet man die gescheiterten Versuche mit, kommt man auf ungefähr elf Millionen Euro.

Das Betrugssystem ist simpel. Die Bande beschafft sich übers Internet und über andere frei zugängliche Kanäle so viele Informationen über eine deutsche Firma wie möglich. Wichtig sind vor allem Namen von Buchhaltern und vom Geschäftsführer. Dann wird dem Buchhalter eine nahezu perfekt gefälschte Mail, angeblich von seinem Chef, geschickt, er solle in einer höchst vertraulichen Sache auf den Anruf eines Anwalts namens Dr. Schmidt warten.

Die Opfer leiden massiv unter dem Betrug

Dieser „Rechtsanwalt“ war der Angeklagte. Er log seinem Gesprächspartner vor, er sei vom Firmenchef mandatiert. Es gehe um die Übernahme einer Konkurrenzfirma, höchste Vertraulichkeit sei angezeigt. In weiteren Gesprächen weist „Dr. Schmidt“ den Buchhalter oder die Buchhalterin an, hohe Beträge auf Konten in Hongkong zu überweisen.

Das klappte in drei von sechs Fällen, von denen zwei in der Region Stuttgart spielen. Vor Gericht traten zwei Frauen als Zeuginnen auf, die Millionenbeträge überwiesen – im Glauben, ihre Chefs hätten dies abgesegnet. Die Zeuginnen leiden bis heute massiv darunter, Opfer von Betrügern geworden zu sein. Erst der letzte angeklagte Fall brachte den 52-Jährigen zur Strecke. Er war als „Dr. Schmidt“ bei der Schokoladenfirma Ritter in Waldenbuch vorstellig geworden. Doch der Buchhalter „stellte dem Angeklagten ein Bein“, so Richter Maurer. Man roch den Braten, kontaktierte die Bundes- und Landeskriminalamt und hielt „Dr. Schmidt“ so lange bei der Stange, bis er in Israel festgenommen wurde.

Der von Verteidiger Andreas von Scholley vertretene Mann hat ein umfangreiches Geständnis abgelegt und die Namen seiner Mittäter preisgegeben, was ihm einen Strafrabatt einbrachte. „Ich hoffe, ich sehe Sie nie wieder in einem Gerichtssaal“, so Richter Maurer zum Angeklagten.

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