Vereinsheim wieder aufgebaut TC-RW Winterbach: Die Spuren des Brandes bleiben im Kopf

Nach einer schweren Zeit können sie wieder lachen (von links): Ciro Salvemini, Wirt der Trattoria „A modo mio“, der Vereinsvorsitzende Werner Krieg, Katja Salvemini mit Canis, der jetzt über das Haus wacht, Achim Stadelmann, Architekt und Club-Mitglied und der Vereinsvorsitzende Lutz Paulsen. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Winterbach. Die Polizei hat ihre Ermittlungen mit einem ernüchternden Ergebnis eingestellt. Wer das Clubhaus des TC RW Winterbach angezündet hat, wird vielleicht nie herauskommen – das hinterlässt ein ungutes Gefühl, vor allem beim Wirtsehepaar Katja und Ciro Salvemini, die den Brand hautnah miterlebt haben. Trotzdem blicken alle positiv in die Zukunft und freuen sich nun über das frisch sanierte Vereinsheim.


Rückblick

Am Samstag, den 2. Juni 2018 war ein Brand im Vereinsheim des Tennisclubs ausgebrochen. Die Einsatzkräfte waren bis in die frühen Morgenstunden vor Ort. Schnell drängte sich der Verdacht auf eine Brandstiftung auf, der sich später auch bestätigte. Der Sachschaden wurde zunächst auf 400 000 Euro geschätzt. Heute sprechen die Verantwortlichen von rund 750 000 Euro Schaden. Etwa vier Monate nach dem Feuer konnte der Verein die Weichen für den Wiederaufbau mit Kosten von 550 000 Euro stellen.


Schick sieht es wieder aus, das Vereinsheim des Tennisclubs Rot-Weiß Winterbach. Nichts erinnert eigentlich an den Brand – aber einige Hinweise gibt es dann doch, auf das, was im Juni vor einem Jahr hier passiert ist. Ein Schild an einem Tor warnt vor einem Hund, dessen Bellen auch prompt zur Begrüßung ertönt. Und hinten, an der Tür zum Umkleidetrakt hängt ein weiteres Schild: „Achtung, Videoüberwachung“. Beides, Hund und Kameras, gab es vor dem Brand nicht.

Der Schäferhund gehört Katja und Ciro Salvemeni, den Betreibern der Trattoria „A modo mio“ im Clubhaus. „Der war unsere Therapie“, sagen sie. Mit Canis fanden sie zurück zur Normalität. „Wir waren durch“, beschreibt Katja Salvemini ihren seelischen Zustand nach dem Brand. Warf der Nachbar den Grill an und sie rochen Rauch oder gab es ein lautes Geräusch, sprangen sie jedes Mal aus dem Bett. Mittlerweile hat die ständige innere Alarmbereitschaft nachgelassen. Aber: „Bis heute tragen wir das mit uns. Sowas legt man nicht ab.“

Riskante Löschversuche: „Ich dachte, er kommt nicht mehr raus“

Als in der Nacht des 2. Juni 2018 jemand Feuer im Tennisheim legte, waren Katja und Ciro Salvemini noch im Gebäude. „Die letzten Gäste waren gerade gegangen, wir hatten angefangen, die Küche zu putzen“, erzählt sie. Da hörten sie einen Knall, schauten im Gastraum des Restaurants nach – und sahen den Rauch, der zwischen Wand und Decke hervorquoll. Aus dem Flur vor den Umkleiden leuchteten bereits die Flammen, dicker Qualm stand darin. Ciro Salvemini versuchte dennoch zu löschen. „Ich dachte, das ist nur was Kleines“, sagt er. Auf den Knien drang er mit dem Feuerlöscher ein Stück weit unter Lebensgefahr vor, wurde vom Rauch verschluckt. „Ich dachte, er kommt nicht mehr raus“, beschreibt Katja Salvemini die Dramatik.

Mit dem Feuerlöscher hatte Ciro Salvemini da schon keine Chane mehr, die Holzdecke brannte lichterloh. Ein Großaufgebot der Feuerwehr bekam die Flammen in den Griff, aber die Schäden waren verheerend.

Ziemlich schnell stellte danach die Kriminalpolizei fest: Es war Brandstiftung. Dieser Verdacht lag sofort nahe, weil es erst wenige Wochen vorher schon einen Zündelversuch an der gleichen Stelle gegeben hatte. Der Vereinsvorsitzender Werner Krieg zeigt auf die Stelle an der Wand zum Restaurant hin: „Hier war der Brandherd.“ Dort lagerten verschiedene Dinge in einem Regal, unter anderem Kunststoffstühle und Sitzkissen. Sachen, die den Flammen Nahrung gaben und über die sie, als das Feuer einmal richtig entfacht war, auf die Holzdecke übergreifen konnten.

Der Brandstifter muss einen Schlüssel gehabt haben

Besonders unheimlich ist: Die Eingangstür zum Umkleidetrakt war an dem Abend abgeschlossen, wie Katja Salvemini berichtet. Und sie war abgeschlossen, als sie das Feuer entdeckten. Das heißt: Der Brandstifter muss einen Schlüssel gehabt haben – und hat sogar wieder abgeschlossen, als er raus ist. Schlüssel für die Umkleiden hatten im Prinzip nur Vereinsmitglieder, sagt Werner Krieg. Allerdings sei über die Jahre der Überblick wohl etwas verloren gegangen, wer alles noch einen hat.

Die Polizei konnte keinen konkreten Anhaltspunkt auf einen oder mehrere mögliche Täter finden. Mittlerweile sind die Ermittlungen ergebnislos eingestellt, die Akten liegen bei der Staatsanwaltschaft. Der Fall bleibt für alle ein Rätsel. Weder die Salveminis noch die Verantwortlichen des Tennisclubs haben irgendeine Ahnung, wer hinter dem Anschlag stecken könnte. Wer so eine kriminelle Energie und den absoluten Willen hatte, das Clubhaus anzuzünden, dass er es gleich zweimal versuchte und dabei keine Rücksicht darauf nahm, ob noch jemand im Gebäude ist.

„Wir haben viel in den Brandschutz investiert“

Beim Wiederaufbau des Vereinsheims haben sie nun alles Mögliche dafür getan, dass sich so eine Katastrophe nicht mehr wiederholt. Die Fenster sind besser gegen Einbruch gesichert. Das Türschloss ist natürlich gewechselt, wer einen Schlüssel hat, soll jetzt gründlicher kontrolliert werden. Es gibt jetzt die Überwachungskameras. Und es gibt Wachhund Canis. Dieser sei im Alltag friedlich, sagt Katja Salvemini. Aber er ist ausgebildet, auf ein bestimmtes Codewort zu reagieren. „Dann schaltet er in den Verteidigungsmodus.“

„Wir haben viel in den Brandschutz investiert“, sagt der Club-Vorsitzende Werner Krieg. Zwar ist die Dachkonstruktion wieder aus Holz, aber die Holzdecken darunter sind weg, zur Dämmung kam Steinwolle zum Einsatz. Und im Flur vor den Umkleiden lagert nichts Brennbares mehr.

Rückkehr zur Normalität

Trotz der Umstände können sie sich beim TC RW Winterbach über ihr jetzt grundsaniertes, modernes Vereinsheim freuen. Allerdings musste der Club dafür auch tief in die Rücklagen greifen, sie sind nun aufgebraucht und werden fehlen, wenn wieder Platzsanierungen nötig sind. Die Auswirkungen des Brandes werden also auch in dieser Hinsicht noch lange spürbar sein. Vergessen wird die Katastrophe sowieso niemand, aber eine Rückkehr zur Normalität ist jetzt möglich.

„Wir fühlen uns wieder sehr wohl“, sagt Katja Salvemini. In den ersten Wochen nach dem Brand hätten sie ans Aufgeben gedacht. „Aber dann kam die Trotzreaktion.“ Wann und wie sie aufhören, das sollte niemand anders entscheiden. „Jetzt sind wir wieder mit Herz und Leidenschaft dabei.“


Die Kosten

Auf 668 000 Euro inklusive aller Nebenkosten beziffert Architekt Achim Dobelmann die Ausgaben für den Wiederaufbau – ohne Inneneinrichtung, allerdings. „Der Gesamtschaden belief sich bestimmt auf 750 000 Euro“, sagt Dobelmann, der TC-Mitglied ist und seine Profession in den Dienst des Vereins gestellt hat, um die Sanierung zu planen. Viele Vereinsmitglieder haben mit angepackt, sie haben Leitungen und Reste der Decken ausgebaut und viele Aufräumarbeiten erledigt.

Die Versicherung hat einen großen Teil der Schadenssumme gezahlt. Aber 68 000 Euro blieben letztendlich am Verein hängen. 24 000 Euro haben sie durch Spenden eingenommen, vor allem von Mitgliedern. Der Landessportbund hat einen Zuschuss von knapp 8000 Euro gezahlt, und die Gemeinde Winterbach gibt wohl etwa 10 000 Euro, in der Höhe noch abhängig davon, wie die Endabrechnung aussieht.

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