Verkauf von Bosch Packaging Bedingung: Beschäftigte bleiben fünf Jahre im Tarif

Luftaufnahmen des Standorts von Bosch Packaging in Waiblingen von oben. Foto: Büttner/ZVW (Archiv)

Waiblingen. Geschäftsleitung von Bosch Packaging Technology, Gesamtbetriebsrat und IG Metall haben sich geeinigt, wie die Mitarbeiter abgesichert werden, sollte das Unternehmen wie geplant verkauft werden. Kernpunkte der Einigung sind eine Sicherung der deutschen Standorte für drei Jahre und dass die deutschen Betriebe fünf Jahre lang tarifgebunden bleiben.

>>Lesen Sie mehr: Ein Käufer für Bosch Packaging

Einen Käufer für die Verpackungstechnik gibt es zwar noch nicht. Aber für die Beschäftigten wurden jetzt die Bedingungen festgeklopft, unter denen der Verkauf stattfindet. Die Nachricht, dass der Bosch-Konzern den Bereich Verpackungstechnik mit seinen weltweit 6300 Beschäftigten verkaufen will, hatte im Sommer 2018 für Schlagzeilen gesorgt. Der anfängliche Frust bei den Mitarbeitern, dass der Mutterkonzern sein Kind Verpackungstechnik verstoßen will, wich mit der Zeit der Hoffnung, dass es ohne Bosch vielleicht sogar besser laufen könne.

Am Montag haben die Robert Bosch GmbH und der Bosch-Geschäftsbereich Packaging Technology PA die Einigung zum Verkauf des Geschäftsbereiches mitgeteilt. Diese Einigung regele die Absicherung der Mitarbeiter während des Verkaufsprozesses und im Anschluss an den geplanten Verkauf. Sie gilt für die deutschen Standorte, heißt es in der Pressemitteilung.

Kontroverse Verhandlungen

Im Sommer 2018 hatte Bosch angekündigt, sein Geschäft mit Verpackungsmaschinen mit den Bereichen Food und Pharma veräußern zu wollen. „Unser Ziel in den Verhandlungen war es, mit den Arbeitnehmervertretern ausbalancierte Rahmenbedingungen zu vereinbaren – sowohl für unsere Mitarbeiter als auch für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“, sagt Torsten Kurz, Mitglied des Bereichsvorstands Packaging Technology. „Die Verhandlungen waren durchaus kontrovers, wurden jedoch von allen Beteiligten sehr konstruktiv geführt und gemeinsam erfolgreich abgeschlossen“, ergänzt Kurz.

Standortsicherung für drei Jahre

„Seit Herbst 2018 haben wir in mehreren Verhandlungsrunden Eckpunkte zur Absicherung der Mitarbeiter während und nach dem Verkauf vereinbart. Berücksichtigt ist dabei ebenfalls die jeweilige unterschiedliche Situation an den deutschen Standorten“, so Andreas Biermayer, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats des Bosch-Geschäftsbereiches Packaging Technology, laut der Mitteilung. „Im Fokus des Gesamtbetriebsrats steht jeder einzelne Mitarbeiter mit seinem jeweiligen Job und den damit verbundenen Bedingungen. Wir konnten in den Verhandlungen den Fortbestand der Standorte in Deutschland für mindestens drei Jahre nach Abschluss der Transaktion sichern. Darüber hinaus ist es gelungen, verbindliche Zukunftsinvestitionen zu vereinbaren.“ In Deutschland beschäftigt der Bereich 3300 Mitarbeiter in Waiblingen, Crailsheim, Viersen, Dresden, Schopfheim, Königsbrunn, Remshalden, Dierdorf und Frankfurt.

„Die Einigung beinhaltet verschiedene Sicherheiten für die Mitarbeiter. So bleiben die zum Zeitpunkt des Verkaufs geltenden Tarifbindungen von PA für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren nach dem Verkauf bestehen“, stellt Uwe Bauer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Schwäbisch Hall, fest. „Zudem konnten wir erreichen, dass an den Standorten Schopfheim und Dresden Verhandlungen über den Abschluss von Haustarifverträgen aufgenommen werden.“

Auszeichnungen für jüngste Innovationen

Darüber hinaus regele die Einigung viele Eckpunkte zum Fortbestand der aktuellen betrieblichen Regelungen, zudem Investitionszusagen für 2019 und eine Absicherung der heutigen Beschäftigungsbedingungen. „Insgesamt ist die Einigung mit den Arbeitnehmervertretern auch ein positives Signal an mögliche Investoren“, sagt Kurz. Die Arbeitnehmervertretungen haben zugesichert, die vorgesehenen Maßnahmen – wie bisher – konstruktiv zu begleiten.

Wie es in der Pressemitteilung weiter heißt, genießen die Produkte der Verpackungstechnik aufgrund der eingesetzten Technologie, der neuen Konzepte und einer leistungsfähigen Mannschaft einen sehr guten Ruf; jüngste Innovationen seien ausgezeichnet worden. „Wir sind eines der größten Unternehmen unserer Branche und klar auf dem richtigen Weg. Wir werden als starker, stabiler Bereich zusammenbleiben und als bewährtes Team – auch unter einem neuen Eigner – unseren Kunden hervorragende Produktionslösungen und Services bereitstellen“, sagt Kurz.

900 Beschäftigte in Waiblingen

Der Bosch-Geschäftsbereich Packaging Technology mit Hauptsitz in Waiblingen ist eigenen Angaben zufolge mit 6300 Mitarbeitern einer der führenden Anbieter von Prozess- und Verpackungstechnik. An mehr als 30 Standorten in über 15 Ländern werden Gesamtlösungen für die Pharma-, Nahrungsmittel- und Süßwarenindustrie entwickelt und gefertigt. In Waiblingen sind rund 900 der 3300 Beschäftigten in Deutschland tätig, in Remshalden rund 200. Das Wachstum der Verpackungstechnik hat zuletzt bei einem Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro stagniert. Die Gerüchte, dass der Bosch-Konzern Packaging Technology verkaufen wollte, kursierten schon länger. Bis dato gibt es dem Vernehmen nach Interessenten, aber noch keinen Käufer.

  • Bewertung
    43
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!