Vermisste Frau aus Aspach Polizei fasst Entführer in einem Lager im Wald

Das von den Tätern benutzte Wohmobil wurde bei Straßburg leer aufgefunden. Foto: PP AAlen

Aspach. In einem Lager im Wald griffen französische Polizisten zu: Ihre beiden Entführer hatten dort die 47-jährige Pflegerin aus Aspach festgehalten. Die Frau ist, wie kann es anders sein, traumatisiert, berichtet Polizei-Pressesprecher Ronald Krötz. Zumindest körperlich gehe es der Frau „einigermaßen gut“. Sie befindet sich noch in Frankreich und bespricht derzeit mit ihren Kindern, wie es nun weitergeht. Die beiden Entführer kommen wohl zunächst in Frankreich in Haft.

In Hagenau, einer Stadt rund 25 Kilometer nördlich von Straßburg, wurde der Jüngere der beiden Entführer gesichtet, berichtet Ronald Krötz. Französische Spezialeinheiten blieben dem 23-Jährigen auf den Fersen. Und tatsächlich: Den Ermittlern gelang es, den Mann unbemerkt bis in den Wald zu verfolgen, wo sich der mutmaßliche Haupttäter und die Frau in einer Art Lager aufhielten. Beide Männer wurden „überwältigt“, wie es Krötz ausdrückt – offenbar blieb den Entführern keinerlei Chance, sich dem Zugriff zu entziehen. Die französischen Kollegen hätten „grandiose Arbeit geleistet“, so Krötz.

Schrammen, Blessuren und seelische Schäden

Von Anfang an haben sich die Männer mit der Frau offenbar im Wald aufgehalten. Einem Zeugen fiel deren erstes Lager in einem Gebüsch auf, und weil er – noch – nichts von dem Entführungsfall wusste, verjagte er die drei kurzerhand. Sie zogen um, richteten sich ein neues Lager ein. Über kurz oder lang mussten die Entführer einkaufen gehen – was ihnen letztlich zum Verhängnis wurde.

Dem ersten Anschein nach haben die Männer der Frau keine sichtbaren schweren Verletzungen zugefügt, wie Ronald Krötz weiter berichtet. Die Frau hat Schrammen und Blessuren davongetragen; sie war zeitweise gefesselt. Dass ein solches Erlebnis schwere seelische Verletzungen mit sich bringt, versteht sich von selbst. Ob und wann die Frau nun in ihre Heimat Polen zurückkehrt, ist noch nicht entschieden.

Jede Menge offener Fragen

Auch wie es mit den beiden Entführern weitergeht, ist noch offen. Darüber entscheidet ein Staatsanwalt. Verschiedene Fragen werden zu klären sein. Wer führt das Verfahren weiter? Wo wird die Gerichtsverhandlung stattfinden? Zunächst bleiben die Männer in Frankreich; Deutschland könnte einen Auslieferungsantrag stellen.

Über die Motive insbesondere des jüngeren Entführers ist noch nichts bekannt, so Krötz weiter. Als Beschuldigte müssen die beiden Männer keine Angaben machen. Sicher ist laut Krötz, dass der 51-jährige mutmaßliche Haupttäter, der ehemalige Lebensgefährte der Frau, die Entführung geplant hatte. Er habe entsprechende Vorkehrungen getroffen und sich zuvor „schlau gemacht“, wie er konspirativ vorgehen könnte. Der Mann war gezielt aus Polen angereist, um die Frau in Aspach zu entführen, wo sie in einem Privathaushalt als Pflegerin gearbeitet hatte. Die 47-Jährige hatte sich kurz davor von dem als aggressiv und psychisch labil beschriebenen Military-Fan getrennt. Die beiden kennen sich schon sehr lange; sie haben eine gemeinsame, inzwischen erwachsene Tochter.

Warum der 23-jährige Pole, ein Arbeitskollege des 51-Jährigen, als Komplize mitgemischt hat, ist noch nicht bekannt. Auch die Frage, weshalb die beiden Männer nach Frankreich gefahren sind, wird noch zu klären sein. Vielleicht ahnten sie, dass die Ermittler eher von Polen als Ziel ausgehen würden – und wählten deshalb exakt die entgegengesetzte Richtung.


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