„Vetterleswirtschaft“ in Plüderhausen Schaffer weist Vorwürfe von Anwohnern zurück

In der Berichterstattung unserer Zeitung seien „völlig unberechtigte Vorwürfe aufgebauscht“ worden. Foto: ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Plüderhausen. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag nahm Andreas Schaffer Stellung zu den Vorwürfen von Nachbarn der Halde 52, er betreibe „Vetterleswirtschaft“. Der Plüderhäuser Bürgermeister wies dies aufs Schärfste zurück und übte auch Kritik an der Berichterstattung unserer Zeitung.

„Substanzlos, unberechtigt und nicht näher begründet“ seien die Vorwürfe gewesen, über die in unserer Dienstagsausgabe berichtet wurde, sagte Schaffer. Mehrere Nachbarn hatten ihre Bedenken gegenüber dem Bauvorhaben in der Halde 52 geäußert. Dort soll ein Lückenschluss im Wohngebiet stattfinden. Geplant ist ein terrassiertes Flachdachgebäude an der letzten bislang noch unbebauten Stelle des Wohngebiets.

Schaffer sieht kein grundsätzliches Problem

Kritik geübt hatten die Anwohner gegenüber der Zeitung an der Parkplatzsituation in der Straße, dem als zu hoch empfundenen Gebäude, das sich nicht in die Umgebung einfüge sowie dem Umstand, dass das Vorhaben von einem Architekturbüro entworfen wurde, das dem Schwager des Bürgermeisters gehört.

Schaffer sieht darin aber kein grundsätzliches Problem. Nicht nur, weil er sich - ebenso wie Silvan Vollmar (Freie Wähler), der als Architekt in das Projekt involviert ist - weder an der Diskussion noch an der Entscheidung über das Bauvorhaben beteiligt und damit die geltenden Regeln eingehalten habe. Sondern auch, weil sein Schwager es gar nicht nötig habe, durch persönliche Beziehungen an Aufträge zu kommen. „Er ist schon erfolgreich.“

Außerdem käme es einem Berufsverbot gleich, wenn ein Architekturbüro aus Schorndorf keine Aufträge mehr in Plüderhausen annehmen dürfe. Auch in anderen Nachbarkommunen bekämen schließlich Verwandte von Amtsträgern Aufträge oder säßen Architekten im Gemeinderat. Da sie bei Entscheidungen, an denen sie persönlich betroffen sind, ohnehin nicht abstimmen dürfen, sei das unproblematisch – „solange die Architekten und wir darauf achten, dass nichts Falsches passiert“.

„Reine Stimmungsmache“

In der Berichterstattung unserer Zeitung seien „völlig unberechtigte Vorwürfe aufgebauscht“ worden, eine sachliche Einschätzung habe ihm gefehlt, es habe sich dabei um „reine Stimmungsmache“ gehandelt. Der Bürgermeister betrachtete dies auch als Angriff auf das gesamte Gremium, das der Änderung des Bebaungsplans, die für das Bauvorhaben notwendig gewesen war, einstimmig die Genehmigung erteilt hat. Und er ärgerte sich darüber, dass die Anwohner ihre Bedenken in dem Bericht anonym geäußert hätten.

Eine Recherche wert gewesen wäre aus Schaffers Sicht die Frage, wie es überhaupt „unerträgliche Zustände“ beim Verkehr in einer Sackgasse geben könne. Diese hatten die Nachbarn beklagt und gesagt, es sei kein Platz für Hausmeister, Handwerker, Besucher oder Lieferverkehr.

Das Bauvorhaben sei kein Sonderfall, sagte Schaffer, füge sich in eine Reihe von Entscheidungen des Gremiums ein – und sei angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt auch notwendig.

Kurzum: „Wer den Plüderhäuser Gemeinderat kennt, kann diesem Gremium manches vorwerfen, aber sicher keine Vetterleswirtschaft.“

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