VfB-Coach Markus Weinzierl wütet "Mir fehlt der Respekt vor der Position des Trainers"

Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl. Foto: Simon Sachseder Foto: dpa

Stuttgart. Vor dem richtungsweisenden Spiel beim FC Augsburg beklagt sich VfB-Trainer Weinzierl über mangelnden Respekt. "Irgendwann ist Schluss", zürnt der Stuttgarter Coach. Beim FCA brauchen die Schwaben dringend einen Sieg. Sonst könnte es auch für Weinzierl eng werden.

Markus Weinzierl hatte darauf gewartet. Auf die Frage nach der Spuck-Attacke seines Spielers Santiago Ascacibar, der vom DFB-Sportgericht für sechs Wochen gesperrt wurde. Dass er in diesem Zusammenhang habe lesen müssen, er habe die Spieler nicht im Griff, "da ist dann irgendwann Schluss", zürnte der 44-Jährige. "Bin ich schuld daran, wenn ein Spieler über die Grenze schlägt und jemanden anspuckt? Bin ich schuld daran, wenn wir vorne die Tore nicht machen?", fragte der Coach des VfB Stuttgart. "Mir fehlt generell, nicht nur jetzt, der Respekt. Mir fehlt der Respekt vor der Position des Trainers."

Vier Tage war es am Mittwoch her, dass der Argentinier Ascacibar bei der 0:1-Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen in Richtung von Nationalspieler Kai Havertz gespuckt hatte. Allein diese Szene stand sinnbildlich dafür, wie angespannt die Situation beim Drittletzten der Fußball-Bundesliga ist. Auch für Weinzierl spitzt sich die Lage vor dem richtungsweisenden Spiel am Samstag (15.30 Uhr / ZVW-Liveticker) zu. "Augsburg ist Weinzierls letzte Chance", titelte die Stuttgarter Zeitung Anfang der Woche. Wie sehr dem 44-Jährigen selbst der prekäre Zustand seines Clubs offenbar zusetzt, zeigte sich am Mittwoch.


  • Weinzierls Wutausbruch vor dem Augsburg-Spiel ist auch ein Thema von Frank Nipkau und VfB-Reporter Danny Galm in unserer aktuellen Podcast-Folge. Hier geht's lang.

Derart wütend hat man Weinzierl während seiner nun rund sechs Monate bei den Schwaben noch nie erlebt. Aber irgendwann reiche es auch, betonte er. "Ich bin überhaupt nicht dünnhäutig. Aber in so einer Situation muss man sich als Trainer auch mal wehren. Es ist einfach Fakt, dass der Trainer nicht an allem schuld ist." Wo er das gelesen hat, ließ der Coach offen. Stattdessen stellte er eine weitere rhetorische Frage und bezog sich dabei auf die hässliche Szene der WM 1990: "Ist der holländische Trainer damals schuld gewesen, dass Frank Rijkaard Rudi Völler anspuckt?" War er natürlich nicht.

"Dass da jetzt die Luft brennt, ist mit einem Blick auf die Tabelle klar"

Die Frage nach Weinzierls Zukunft beim VfB ist dagegen weitaus schwieriger zu beantworten. Nach dem 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg vor eineinhalb Wochen hatte Sportvorstand Thomas Hitzlsperger gesagt, es gemeinsam mit Weinzierl durchziehen zu wollen. Für Weinzierl war das ein klares Bekenntnis. "Ich traue den Worten meines Sportvorstands", sagte er. Ob die Schwaben auch bei einer weiteren Niederlage in Augsburg an ihrem Trainer festhalten, bleibt allerdings abzuwarten. Für einen positiven Umschwung hat Weinzierl in seinen 22 Spielen als VfB-Coach jedenfalls nicht gesorgt. Im Gegenteil: Aus den vergangenen 14 Bundesliga-Spielen holte der VfB lediglich einen Sieg.

Weinzierls alleinige Schuld ist das aber sicher nicht. Dem vom ehemaligen Sportvorstand Michael Reschke zusammengestellten Kader fehlen Geschwindigkeit und Torgefahr. Die Offensive um den ehemaligen Nationalstürmer Mario Gomez schwächelt seit Monaten bedenklich. Dennoch soll bei Weinzierls Ex-Club nun die Wende gelingen. "Wir müssen dort natürlich gewinnen, wenn wir direkt in der Liga bleiben wollen", machte der Coach klar. Schon jetzt trennen den VfB sieben Punkte auf die Augsburger auf Rang 14 und sechs auf den FC Schalke 04 auf Rang 15. "Dass da jetzt die Luft brennt, ist mit einem Blick auf die Tabelle klar."


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