VfB-Fanclub Weiß-Rote Schwoba Nach 90 Minuten kullern die Tränen

Tim (links), Benjamin Layer und Marco (rechts) mit dem VfB-Maskottchen Fritzle. Foto: ZVW/Tobias Klecker

Leutenbach/Stuttgart. Es sollte ihr Tag werden. Der Tag, auf den sie sich schon so lange gefreut haben. Bewohner der Paulinenpflege und vom Haus Elim besuchten gemeinsam mit dem Leutenbacher VfB-Fanclub Weiß-Rote Schwoba das Heimspiel der Roten gegen Bayer Leverkusen.

Samstag um kurz nach 14 Uhr kommt der Bus des Fanclubs vor dem Mercedes-Benz-Museum an. Schneeregen fällt vom Himmel. Ungemütlich. Trotz allem steigen strahlende Gesichter aus dem Bus: Vorfreude. Mindestens eine VfB-Mütze hat jeder auf. Die meisten tragen auch Trikots und Schals in Weiß und Rot. Rollstühle werden aus dem Bus geladen mit großen VfB-Wappen auf den Rädern.

„Wann geh mer endlich rein?“, ruft einer. Gleich. Erst will Benjamin Layer, Vorsitzender des Fanclubs, noch ein Gruppenbild machen. Gemeinsam entrollen sie ein großes Banner mit der Aufschrift „Alle für einen - Gute Besserung, Michel“. Michel ist Bewohner der Paulinenpflege und nach einem schweren Unfall im Dezember noch immer im Krankenhaus, weshalb er auch am Ausflug nach Bad Cannstatt nicht teilnehmen kann.

Marco: „Ich bleibe für immer beim VfB“

Nach dem Foto geht es in Richtung Stadion. Vor den Kartenkontrollen können es einige Bewohner der Paulinenpflege kaum abwarten. Schnurstracks marschieren sie auf den Eingang zu, bis sie merken, dass sie noch gar keine Karte haben. Kommando zurück, Eintrittskarten holen und rein ins Stadion. Je näher der Fanclub mit seinen Gästen den Sitzplätzen auf der Haupttribüne kommt, desto mehr fachsimpeln die treuen VfBler aus der Paulinenpflege und dem Haus Elim über die aktuelle Situation des VfB und Lieblingsspieler, wobei auffällig oft der Name Mario Gomez fällt. Wie das Spiel heute wohl ausgeht? 4 zu 3 tippt einer, ein anderer 3 zu 1. Optimistisch sind sie alle, keiner tippt gegen den VfB.

„Wir müssen mal wieder gewinnen, weil sonst steigen wir ab“, erzählt Marco. Er ist einer der wenigen, die manchmal auch alleine ins Stadion gehen. Viele sind auf Hilfe angewiesen, die ihnen heute Fanclub-Mitglieder und die ebenfalls anwesenden Mitarbeiter der Paulinenpflege geben. Der Anstoß rückt näher. Bei der Hymne „Für immer VfB“ zückt Marco sein Handy und filmt begeistert mit. Der Titel des Liedes ist für ihn Programm, denn er sagt: „Pavard geht zu Bayern. Ich nicht. Ich bleibe für immer beim VfB.“

Im nächsten Jahr kommt die Gruppe auf alle Fälle wieder

Die Mannschaft mit dem roten Brustring kommt gut in die Partie gegen den Favoriten aus dem Rheinland. Alexander Esswein hat nach einigen Minuten eine gute Chance, aber scheitert am Torhüter. Marco kann es nicht fassen. Er schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und bleibt einige Sekunden wie angewurzelt stehen. Leverkusen wird besser, aber der VfB geht mit einem 0:0 in die Kabine. „Die müssen mal mehr aufs Tor schießen“, sagt ein Bewohner der Winnender Wohngruppe.

Seinen Rat befolgen die Stuttgarter in der zweiten Halbzeit nicht. Im Gegenteil. Castro foult, es gibt Elfmeter für die Leverkusener, die dadurch in Führung gehen. Der VfB rennt dem Rückstand vergeblich hinterher und verliert knapp. Zu viel für Tim, der sein Gesicht im Schoss vergräbt. So lange hatte er sich auf den Stadionbesuch gefreut und dann solche eine Enttäuschung. Tränen kullern über seine Wangen. „Wenn die so weitermachen, dann steigen sie ab“, sagt Marco. Dann wird wohl nicht nur Benjamin Pavard den Verein verlassen, sondern ein Großteil der jetzigen Mannschaft.

Im Gegensatz zu den Treuen aus dem Haus Elim und der Paulinenpflege. Sie kommen ganz gewiss wieder. Spätestens im nächsten Jahr mit dem Fanclub Weiß-Rote Schwoba.

Die Eintrittskarten auf der Haupttribüne hat der VfB gespendet. Die Busfahrt sowie ein Getränk und eine Wurst für jeden Teilnehmer wurden vom Sportkreis Rems-Murr finanziert.

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