VfB-Neuzugang Ozan Kabak Raus aus der Komfortzone

Ozan Kabak war im Winter vom türkischen Spitzenverein Galatasaray Istanbul zum VfB gewechselt und hat beim 5:1 gegen Hannover am Sonntag seine ersten Profi-Tore erzielt. Foto: Büttner / ZVW

Stuttgart. Ozan Kabak gilt als eines der größten Talente des türkischen Fußballs. Bei seinem Heimatclub Galatasaray Istanbul war der 18-Jährige der gefeierte Shooting-Star. Im Winter folgte der Wechsel zum VfB Stuttgart. In der Bundesliga will der junge Türke jetzt den nächsten Schritt seiner noch jungen Karriere gehen - und hat dafür die Komfortzone verlassen.

Irgendwo musste sie ja hin, diese unbändige Freude über das erste Profi-Tor. Also traf es die Eckfahne. Am Sonntagnachmittag um 15.46 Uhr wuchtete Ozan Kabak einen Kopfball ins Tor von Hannover 96 und knallte beim anschließenden Torjubel die weiße Stange mit der kleinen VfB-Fahne beiseite. Und kurz vor dem Halbzeitpfiff ließ es der 18-jährige Innenverteidiger gleich noch einmal krachen. Ecke Castro, Kopfball Kabak. 3:0.  Drei Tage später sitzt Ozan Kabak in Trainingsklamotten im Presseraum des VfB Stuttgart und spricht mit ruhiger Stimme über seinen Doppelpack. „Der hat einen besonderen Stellenwert für mich“, sagt der 18-Jährige und grinst. Steckt hinter seiner Kopfballstärke ein Geheimnis oder eine besondere Technik? „Nein, ich habe auch schon in der Jugend immer so um die zehn Kopfballtore pro Jahr gemacht“, erzählt Kabak und gibt dann doch noch einen kleinen Tipp: „Bevor der Ball kommt, musst du dir schon sicher sein, dass du ein Tor machst. Der Rest ist dann Zufall und/oder Glück.“

Im Winter kam der Abwehrspieler für elf Millionen Euro von Galatasaray Istanbul an den Neckar. Der teuerste Transfer der Clubgeschichte. Einen besonderen Druck verspürt er dadurch aber nicht. Trotz seines jugendlichen Alters macht der türkische U-18-Nationalspieler einen sehr aufgeräumten und zielstrebigen Eindruck. Viermal pro Woche hat er Deutsch-Unterricht, nach den Trainingseinheiten schiebt Kabak regelmäßig Extra-Schichten, um an seinen Schwächen zu arbeiten. 

Vaterfigur Fatih Terim

Kabak will vorankommen und weiß, dass er sich dabei nicht nur auf sein Talent verlassen kann. Es braucht Geduld, eine bisschen Glück und Disziplin. Die hat er von seinem Vater, der in der Türkei als Gefängniswärter arbeitet, und von Galatasaray-Trainer Fatih Terim gelernt. Der 65-jährige ehemalige türkische Nationalcoach trägt den Spitznamen „Imperator“ und war für Ozan Kabak in Istanbul eine Art Vaterfigur: „Einem 18-Jährigen in der Champions League zu vertrauen, das braucht schon Mut“, sagt Kabak. „Ich habe die Erwartungen erfüllt und werde auch weiterhin versuchen, ihn Stolz zu machen.“ 

Eine Gratulations-SMS wegen seiner ersten beiden Profi-Tore gab’s aber nicht. „Wegen zwei Toren wird er mir bestimmt nicht gratulieren“, lacht Kabak und erzählt, dass er seinem ehemaligen Trainer als Dankeschön sein Trikot aus dem Bayern-Spiel hat zukommen lassen. 

In München absolvierte er sein erstes Spiel für den VfB. Da die etatmäßigen Innenverteidiger Benjamin Pavard und Timo Baumgartl verletzt fehlten, wurde der 18-Jährige ins eiskalte Wasser geworfen - und zeigte eine ansprechende Leistung. Die große Bühne kennt Kabak aus Champions-League-Spielen mit Galatasaray oder den hitzigen Istanbuler Stadtderbys. Der Rechtsfuß lässt sich weder durch große Namen noch durch Drucksituationen aus der Ruhe bringen. Er ist körperlich robust, hat ein gutes Passspiel - und wie die VfB-Fans spätestens seit dem letzten Sonntag wissen auch ein hervorragendes Kopfballspiel.

„In Istanbul hat man sich an die leichten drei Punkte gewöhnt“

Tempo und Intensität seien in der Bundesliga im Vergleich mit der türkischen Süper Lig deutlich höher. Daran hat sich Kabak schnell gewöhnt. Und auch im Kopf musste sich der 18-Jährige umstellen. Vom türkischen Rekordmeister zum abstiegsbedrohten Traditionsverein in der Bundesliga. „In Istanbul hat man sich an die leichten drei Punkte gewöhnt“, sagt Kabak, „hier gibt es schon ein anderes Anforderungsprofil. Das fordert mich natürlich heraus, aber das wird mich letztendlich weiterbringen.“ 

Kabak hat den Schritt raus aus der Komfortzone gewagt. Der Wechsel nach Stuttgart ist Teil seines Karriereplans: „Mein nächster Schritt sollte immer sein, nach der Türkei in einer europäischen Top-Liga zu spielen. Das wollte ich so schnell wie möglich realisieren. Ich hatte viele Angebote und Möglichkeiten und meine Trainer haben mich in meiner Entscheidung, zum VfB zu wechseln, bestärkt.“ 

Kabak profitiert von Beck und Pavard

In Stuttgart haben sie noch einen talentierten Innenverteidiger, der einen ehrgeizigen Karriereplan verfolgt und jetzt im Sommer den nächsten Schritt gehen wird. „Benjamin Pavard ist natürlich eine Art Vorbild für mich, wenn man sieht, was er alles schon erreicht hat“, sagt Kabak. Auf dem Platz spielt er jetzt in der Dreierkette an der Seite des französischen Weltmeisters und fühlt sich dort sichtlich wohl.

Das hat auch mit seinem Nebenmann Andreas Beck zu tun. Der erfahrene Rechtsverteidiger hat selbst zwei Jahre in der Türkei gespielt und spricht fließend Türkisch. „Andy hilft mir viel auf dem Platz und übersetzt häufig die Anweisungen des Trainers“, sagt Kabak.

Auch VfB-Stürmer Mario Gomez hat ein Jahr in der Türkei gespielt, kann Kabak was die Kommunikation auf dem Feld angeht aber nur bedingt weiterhelfen: „Sein Türkisch ist schlechter als mein Deutsch."


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