VfB Stuttgart Benjamin Pavard und der perfekte Vertikalpass

Benjamin Pavard: "Ich fühle mich wohl. Was im Sommer passiert, weiß ich noch nicht" Foto: Büttner / ZVW

Stuttgart.
Würde man in der (leider) noch nicht existenten Enzyklopädie des Fußballs nach dem Begriff „Vertikalpass“ suchen, dann müsste dort neben einer ausführlichen Definition folgendes Video zu finden sein: Gespielt hat diesen vielleicht perfekten Vertikalpass Abwehrspieler Benjamin Pavard in seinem ersten Spiel für den VfB Stuttgart. Doch war dieser Traumpass auf den Portugiesen Carlos Mané auch genau so gewollt? Ein kurzes „Oui“ und ein schelmisches Grinsen sind zwei Jahre später die Antwort des heute 22-Jährigen. "Ich habe Carlos gesehen und wollte den Ball dahin spielen - aber eigentlich noch ein bisschen höher."

In der Zwischenzeit ist der Lockenkopf mit der französischen Nationalmannschaft in Russland Weltmeister geworden und steht im nächsten Sommer wohl vor dem nächsten großen Schritt in seiner noch jungen Karriere.

Doch wohin führt der Weg des im nordfranzösischen Maubeuge geborenen Abwehrspielers? Vielleicht zum deutschen Rekordmeister FC Bayern München?

"Was im Sommer passiert, weiß ich noch nicht"

"Ich fühle mich wohl. Was im Sommer passiert, weiß ich noch nicht", sagte Pavard am Mittwoch während einer Presserunde und erklärte diplomatisch: "Es ist schön, wenn man so was hört. Ich bin auf Stuttgart konzentriert und will so viele Punkte wie möglich holen."

Sein Vertrag beim VfB läuft bis 2021. Im kommenden Sommer kann der Abwehrspieler den schwäbischen Bundesligisten aber dank einer Ausstiegsklausel in Höhe von 35 Millionen Euro verlassen. Ein Treffen mit einem Verantwortlichen des FC Bayern habe es während der WM in Russland nicht gegeben. Auch einen Vertrag bei den Münchnern habe er noch nicht unterschrieben.

Statt mit der Zukunft möchte sich der angenehm zurückhaltende Franzose lieber mit dem Hier und Jetzt auseinandersetzen. Der VfB Stuttgart steht kurz vor Weihnachten mit mageren elf Punkten auf dem Relegationsplatz.

Auch er habe zum Saisonbeginn „ein paar Fehler gemacht“, räumt Pavard selbstkritisch ein: „Diese Verantwortung übernehme ich natürlich. Nach der WM war ich sehr müde und habe auch einiges unterschätzt. Das ganze Kollektiv hat nicht gut funktioniert, aber jetzt wird es Woche für Woche immer besser.“ Vom Klassenverbleib mit den Schwaben ist er fest überzeugt.

Der Sommer seines Lebens

„Mein Wunsch ist, dass wir bis zur Winterpause die Abstiegszone verlassen“, sagt Pavard, „Ich will ja schließlich auch einen ruhigen Urlaub verbringen und schöne Weihnachten feiern.“ Und zu feiern gab es im Hause Pavard im Kalenderjahr 2018 einiges. „Dieses Jahr wird immer in meinem Kopf bleiben“, sagt der 22-Jährige, der mit der französischen Nationalelf in Russland womöglich den Sommer seines Lebens erlebte. Da der etatmäßige Rechtsverteidiger ausfiel, bekam Pavard seine Chance und nutzte sie eindrucksvoll. „Der Trainer hat mir das Vertrauen gegeben und ich habe gut gespielt“, sagt er lapidar und unterschlägt dabei, dass er mit einem fulminanten Volleyschuss im Achtelfinale gegen Argentinien das Tor des Turniers erzielte. Dieser Treffer habe sein Leben verändert, so Pavard. „Am Anfang hat mich niemand gekannt und dieses Tor ist dann durch die ganze Welt gegangen.“

Dass sich die Karriere des 1,86 Meter großen Abwehrspielers so rasant entwickelt, war vor zwei Jahren noch nicht abzusehen. Bei seinem Heimatverein, dem OSC Lille, kam das Talent nicht zum Zug. „Ich hatte kein Vertrauen vom Trainer und musste etwas machen“, erinnert sich Pavard.

Der VfB witterte seine Chance und als der damalige Sportvorstand Jan Schindelmeiser fünf Millionen Euro auf den Tisch legte, zögerte der Lockenkopf keine Sekunde. „Der Verein war zwar gerade in die 2. Liga abgestiegen, wollte aber direkt wieder hoch“, so Pavard. Für ihn sei der Wechsel nach Deutschland genau der richtige Schritt gewesen.

Pavard: „Wäre ich in Lille geblieben, wäre ich vielleicht kein Weltmeister geworden.“ Und den wunderschönen Vertikalpass auf Carlos Mané hätte es ebenfalls nicht gegeben.

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