VfB Stuttgart Bochum im Check: Wo der VfL anfällig ist

Das Hinrunden-Duell mit dem VfL Bochum konnte der VfB Stuttgart am 2. September mit 2:1 für sich entscheiden. Foto: ZVW/Benjamin Büttmer

Stuttgart/Bochum.
Montagabend, Flutlichtspiel und ein lautes Ruhrstadion – es gibt definitiv leichtere Aufgaben, um den ersten Dreier auf fremden Plätzen seit Ende September einzufahren. Für den heimstarken VfB hagelte es nach dem 1:0-Sieg beim heutigen Tabellenführer Arminia Bielefeld in der Fremde drei Niederlagen und drei Remis – unter dem Strich steht ein elfter Platz in der Auswärtstabelle. Das ist deutlich zu wenig für die Ansprüche der Schwaben. In Bochum soll die schwarze Serie ein Ende finden, doch mit dem VfL Bochum wartet ein schwer berechenbarer Gegner auf die Schwaben.

So verlief Bochums erste Saisonhälfte

Der Marktwert des Bochumer Kaders beträgt 20,10 Mio. Euro (Quelle: Transfermarkt.de) und liegt damit im Mittelfeld der zweiten Liga. Gemessen am Etat, welchen die sportlich Verantwortlichen Jahr für Jahr in die Mannschaft investieren, waren die Erwartungen vor der Saison hoch. Den Ambitionen wurde man bisher nicht gerecht und steht mit 23 Punkten auf Rang 14 – nur zwei Zähler über dem Strich. Zu Saisonbeginn hatte noch der erfahrene Robin Dutt (ehemals VfB-Sportvorstand) das Heft des Handelns in der Hand. Nach vier Spielen ohne Sieg wurde er bereits Ende August entlassen.

Auch Neu-Coach Thomas Reis (kam von der U19 des VfL Wolfsburg) hat die schwankenden Leistungen seiner Profis bislang noch nicht in den Griff bekommen, sodass der traditionsreiche Klub aus dem Ruhrpott tief im Abstiegskampf steckt. An möglichen Erklärungen für einen unbefriedigenden 14. Platz mangelt es nicht: Unter anderem sind die vielen Unentschieden (acht) ein Grund dafür, weshalb der VfL in der Tabelle keine großen Sprünge macht. Dazu gehört die Abwehrreihe um Keeper Manuel Riemann zu den schwächsten im Unterhaus des deutschen Fußballs: 39 Gegentore nach 21 Spieltagen – nur der Karlsruher SC steht noch schlechter da (41).

Was im Winter geschah

Vor Beginn dieser Spielzeit hatte der VfL Bochum aber auch einen gewaltigen Aderlass zu verkraften (elf Zugänge, zwölf Abgänge). Einige Leistungsträger haben den Verein ablösefrei verlassen: Stürmer Lukas Hinterseer, in den vergangenen Jahren Top-Torjäger der Bochumer, und Rechtsverteidiger Jan Gyamerah schlossen sich dem Aufstiegsfavoriten Hamburger SV an, wo sie momentan für mächtig Furore sorgen – so steht Hinterseer schon wieder bei neun Saisontoren. Ein Spieler, der trotz der mauen Hinrunde des VfL auf sich aufmerksam machen konnte, war Silvere Ganvoula aus dem Kongo. Der schnelle und robuste Angreifer steht nach zwei Dritteln der Saison bei zehn Toren und sieben Vorlagen. Damit ist der Bochumer Neuzugang (kam vom RSC Anderlecht) zweitbester Scorer der Liga – hinter Bielefelds Fabian Klos (20 Torbeteiligungen). Was auch dem VfB Stuttgart nicht entgangen ist: Die Schwaben boten im Winter Medienberichten zufolge rund fünf Millionen Euro für die Dienste Ganvoulas, stießen mit dieser Offerte beim VfL allerdings auf taube Ohren – zu wichtig ist der Stürmer für das Erreichen des Bochumer Saisonziels Klassenerhalt.

Mit dem nahezu identischen Personal wie in den ersten 17 Ligaspielen machte sich auch der VfL Bochum auf den Weg ins Trainingslager (12. bis 19. Januar). Im warmen Süden Spaniens scharte Thomas Reis auch einige Jugendspieler um sich, die langsam an die Profis herangeführt werden sollen. Die Testspiele stimmten den Trainer zum Abschluss der Wintervorbereitung zufrieden: Auf einen 2:0-Sieg über den ungarischen Pokalsieger Fehervar folgte ein 1:1-Unentschieden gegen Dinamo Bukarest aus Rumänien sowie ein 2:0-Heimerfolg gegen den Drittligisten KFC Uerdingen.

Ausblick auf das Spiel in Bochum

Bereits im Hinspiel, welches der VfB Stuttgart durch den entscheidenden Treffer von Nicolas Gonzalez denkbar knapp mit 2:1 für sich entscheiden konnte, wurde deutlich, welches Potenzial im VfL Bochum schlummert. Mit einer 0:2-Niederlage in Bielefeld sowie einer 1:3-Heimpleite gegen den HSV hat das Jahr 2020 aus Bochumer Sicht mehr schlecht als recht begonnen. Allerdings traf der abstiegsbedrohte Klub aus dem Westen der Republik auf absolute Schwergewichte der zweiten Liga. So auch am 22. Spieltag, wenn mit dem VfB Stuttgart die Mannschat mit dem wertvollsten Kader der Liga an der Castroper Straße zu Gast ist. Der Underdog erhofft sich einen Punktgewinn gegen den Favoriten aus der Schwabenmetropole. Bereits gegen die Arminia sowie den Tabellenzweiten aus Hamburg hatte die Elf von Thomas Reis über 60 Minuten ordentlich dagegengehalten und zumindest auf Augenhöhe gespielt – allerdings ohne Ertrag. Darin liegt ein zentrales Problem der Mannschaft um Kapitän Anthony Losilla. Die Bochumer Spieler belohnen sich zu selten für gute Leistungen und haben bereits 13 Punkte nach Führungen verspielt.

Die Einschätzung von VfB-Coach Matarazzo

Geht es nach dem Trainer der Schwaben, soll die Auswärtsschwäche nicht zum Thema in der Kabine werden: „Wir werden versuchen, diese Statistik in eine positive Richtung zu kippen, indem wir uns nur auf das Spiel am Montagabend fokussieren.“ Die Vorbereitung auf den kommenden Gegner stellte für das Trainerteam des VfB allerdings keine einfache Aufgabe dar. „Bochum spielt sehr variabel, mit unterschiedlichen Pressingstrukturen“, erklärte Matarazzo. Darüber hinaus warnt Stuttgarts Coach vor der Offensivstärke des VfL – vor allem zu Hause: „Es wird darum gehen, als Einheit gut zu verteidigen, was die Mannschaft in den letzten Spielen getan hat.“ Dann habe man gute Chancen, „unsere offensive Qualität auf den Platz zu bekommen“, so der 42-Jährige auf der Pressekonferenz am Freitag.

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