VfB Stuttgart Daniel Didavi und die fehlende Lockerheit

Daniel Didavi: „Ich kann 80 Minuten scheiße spielen und in der 85. Minute mache ich dann trotzdem das Tor.“ Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Stuttgart.
Es kribbelt wieder bei Daniel Didavi. Unruhig spielt der Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart mit einer Wasserflasche in seinen Händen und lächelt verschmitzt in die Runde, als er sich am Donnerstag bei einem Mediengespräch für das kommende Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (Montag/20.30 Uhr) einsatzbereit meldet: „Ich bin komplett schmerzfrei“, so der 29-jährige Spielgestalter, der die letzten sechs Spiele aufgrund einer Wadenverletzung pausieren musste. Und ohne ihren Regisseur kamen die Schwaben nach einem starken Saisonstart aus dem Tritt.

Kommt mit Didavi die Lockerheit zurück?

Den Negativlauf der letzten Wochen – fünf Pleiten aus den letzten sieben Spielen – allerdings nur an seinem Ausfall festzumachen, greife zu kurz. „Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte“, sagt Didavi und verweist auf den Saisonbeginn: „Die ersten Spiele haben wir zwar nicht verloren, es war aber auch nicht alles Gold, was glänzt.“ Der Mittelfeldspieler sieht eine spielerische Entwicklung: „Wir spielen viel mehr so, wie es der Trainer haben will.“ Dass es aktuell nicht läuft, macht er vor allem an der fehlenden Lockerheit fest. „Wenn wir ein Gegentor kriegen, fangen die Spieler an, unsicher zu werden, und verkrampfen. Das schadet. Gerade hier könnte ich der Mannschaft helfen.“

Sich selbst beschreibt der gebürtige Nürtinger als einen Mann für die entscheidenden Momente, einen Spielentscheider: „Ich kann 80 Minuten scheiße spielen und in der 85. Minute mache ich dann trotzdem das Tor.“ Auch hier verweist Didavi auf den Beginn der Saison: „Die Gegner haben viel auf mich geachtet, und auch wenn ich gar nicht so gut gespielt habe, hatten die anderen Spieler mehr Freiheiten.“ An den ersten acht Spieltagen kassierte der VfB keine Niederlage. Dann kam die erste Saisonpleite im Heimspiel gegen Aufsteiger Wehen Wiesbaden (1:2), und Didavi zog sich eine Muskelverletzung in der Wade zu. Acht Wochen musste der Zehner pausieren und in der Reha arbeiten. Die Ungeduld wuchs von Tag zu Tag, aber die Ärzte und Physiotherapeuten des VfB bremsten ihren Patienten ein. „Ich bin immer ungeduldig. Das ist wahrscheinlich dumm, und ich habe mir damit auch schon ein bisschen was kaputtgemacht“, räumt Didavi freimütig ein, „aber ich bin einfach Fußballer und sobald ich das Gefühl habe, ich kann wieder spielen, dann will ich spielen. Nach fünf, sechs Wochen war ich schon ungeduldig – aber dieses Mal hatte ich keine Chance.“

„Da müssen wir uns als Mannschaft hinterfragen“

Seine Chance bekommt er jetzt vielleicht am Montagabend im Flutlichtspiel gegen den Mitabsteiger aus Nürnberg. Ob direkt in der Startelf oder als Joker von der Bank, spielt für ihn dabei keine Rolle: „Beides ist eine Option, beides ist okay für mich.“ Der Blick auf die aktuelle Tabellensituation treibt dem erfahrenen Profi derweil keine Sorgenfalten auf die Stirn: „Wir sind immer noch Dritter, haben 'nur' drei Punkte Rückstand auf Hamburg, und auch Bielefeld ist nicht uneinholbar enteilt.“ Dennoch könne man mit der Hinrunde nicht zufrieden sein.

„Das ist nach dem guten Saisonstart schade“, sagt Didavi, „Spiele wie gegen Sandhausen oder Kiel können immer mal passieren. Aber nicht fünf von sieben Mal. Da müssen wir uns als Mannschaft hinterfragen.“ Hinterfragt wird bei vielen Fans und Experten inzwischen auch Trainer Tim Walter. Für Didavi keine Überraschung: „Der Trainer ist immer der letzte in der Kette und deshalb ist es normal, dass diskutiert wird.“ Zwischen Team und Coach sei aber nach wie vor alles in Ordnung: „Ich kann nur sagen, dass der Zusammenhalt in der Mannschaft überragend ist. Ich bin schon lange beim VfB, so gut war es nie. Da hat auch der Trainer seinen Teil dazu beigetragen.“

Keine nostalgischen Gefühle

Um die aufkommende Unruhe einzudämmen, wäre ein Sieg im Heimspiel gegen die Franken hilfreich. „Wir müssen viel lockerer spielen und viel mehr probieren“, fordert Didavi. In der Saison 2011/12 schnürte er als Leihspieler selbst für ein Jahr die Kickschuhe für den FCN. „Ich werde die Zeit dort immer in guter Erinnerung behalten“, sagt Didavi. Das Wiedersehen mit dem „Glubb“ weckt allerdings keine nostalgischen Gefühle: „Dafür ist die Zeit einfach zu lange her und ich war auch nur ein Jahr dort. Wenn ich spiele, ist es für mich ein besonderes Spiel, weil ich endlich wieder spielen darf – und nicht, weil es gegen Nürnberg geht.“

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