VfB Stuttgart Ginczek und das Comeback der kleinen Schritte

VfB-Trainer Hannes Wolf (li.) setzt auf die Stärken von Daniel Ginczek. Foto: Baumann

Stuttgart - Für die Jungs mit den ganz entscheidenden Treffern ist in den Herzen der VfB-Fans ja auf Ewig ein warmes Plätzchen reserviert. Das gilt für Hermann Ohlicher, Guido Buchwald und Thomas Hitzlsperger, deren Tore 1984, 1992 und 2007 die Meisterschaft bedeuteten. Es gilt aber auch für Daniel Ginczek, der den Cannstattern im Mai 2015 mit seinem 2:1 in Paderborn den Klassenverbleib schenkte.

So gesehen kam die Explosion der Gefühle wenig überraschend, die sich bei der Einwechslung ihres „Ginni“ in der 82. Minute gegen die Münchner Löwen auf den Rängen der VfB-Arena entlud. Überwältigt hat die geballte Zuneigung seines Publikums den Stürmer Daniel Ginczek, der nach einem Bandscheibenvorfall und dem zweiten Kreuzbandriss der Karriere noch etwas bulliger als sonst daher kommt, dann aber trotzdem. „Das Ganze hat ihn alles andere als kalt gelassen, sondern emotional aufgewühlt“, berichtet der VfB-Cheftrainer Hannes Wolf über das Comeback seines Sturmtanks, dem es beim Abklatschen mit dem Kollegen Simon Terodde gar die Tränen in die Augen trieb.

Ginczek statt Terodde, oder Ginczek und Terodde – das ist seither eine der Grundsatzdebatten, die rund um die VfB-Offensive geführt wird. Zunächst allerdings wird dessen Auflösung noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen, da Ginczek nach seiner insgesamt 13-monatigen Auszeit vom professionellen Spielbetrieb ganz behutsam aufgebaut werden soll.

Tobias Werner, Hajime Hosogai und Simon Terodde fehlen

So wird der 25-Jährige die Reise zur Zweitrundenpartie im DFB-Pokal an diesem Dienstag bei Borussia Mönchengladbach (20.45 Uhr) nicht mitmachen, die der VfB-Tross erst am Spieltag per Bahn ohne die verletzten Hajime Hosogai (Zehbruch), Tobias Werner (Adduktoren) und auch den mit muskulären Problemen ausfallenden Simon Terodde in Angriff nehmen wird. „Das Wichtigste momentan ist er“, sagt Wolf, der Ginczek zwischen 2009 und 2011 beim BVB betreute. „In dieser Phase braucht er Training, um Substanz aufzubauen, um noch besser zu werden.“

Wie hoch die Wertschätzung des Trainers für seinen Stürmer ist, daraus macht Hannes Wolf keinen Hehl. „Nürnberg wäre mit einem fitten Daniel Ginczek nicht abgestiegen – und der VfB wahrscheinlich auch nicht“, sagt der Trainer über den 1,91-Meter-Mann, der den tiefen Fall der Clubberer sowie der Stuttgarter 2014 und 2016 jeweils nach einem Kreuzbandriss von der Bank aus mitverfolgte.

„Der Simon und ich können auch zusammen spielen“, sagt Ginczek nun zu einem möglichen VfB-Angriffsensemble mit dem Ex-Bochumer Terodde. Dass es keine Berührungsängste innerhalb des Duos gibt, zeigt allein die Tatsache, dass die beiden Stürmer in der Kabine nebeneinander sitzen. „Simon ist vorne in der Box noch ein bisschen gefährlicher als ich“, sagt Ginczek, „ dafür bin ich etwas schneller.“

„Es kommt drauf an, wie man das Drumherum organisiert“

Grundsätzlich sieht das auch der Trainer Wolf so, der weiß, „dass man auch mit zwei echten Stürmern erfolgreich sein kann. Dann kommt es darauf an, wie man das Drumherum organisiert. Daniel bringt auf jeden Fall genug Geschwindigkeit mit.“ Während Simon Terodde erklärt, sich „noch keine Gedanken“ über einen Pas de Deux im VfB-Sturm gemacht zu haben, stünden mit Carlos Mané, Berkay Özcan, Takuma Asano, Alexandru Maxim oder Tobias Werner genug Flankengeber parat.

Doch beim VfB drücken sie bei derlei Planspielen noch auf die Euphoriebremse. Denn zunächst steht für den Club ohne Ginczek und Terodde die Pokalaufgabe in Gladbach an. „Wir sind der Herausforderer – und wollen diese Rolle annehmen“, sagt Wolf, der einen Niveau-Unterschied zwischen dem Champions-League-Teilnehmer und dem Zweitligisten ausgemacht hat. Mit einem fitten Ginczek soll sich aber auch dies möglichst schnell wieder ändern.

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