VfB Stuttgart Keine Konstanz - und Tim Walter gerät unter Druck

Noch ist der VfB Tabellendritter, aber die Warnsignale sind deutlich. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Stuttgart.
Thomas Hitzlsperger wollte nach Kalifornien reisen. Nicht wegen des oft schönen Wetters an der Westküste der USA, sondern, um gemeinsam mit anderen Führungskräften des deutschen Profifußballs auf Fortbildung zu gehen. Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sind zum Beispiel Hasan Salihamidzic vom FC Bayern oder Sebastian Kehl von Borussia Dortmund dabei in San Francisco. Hitzlsperger aber sagte am Tag der Abreise überraschend ab und bleibt in Stuttgart. "Weil im Moment die Situation hier wichtiger ist als die Reise", so ein Vereinssprecher.

Deutliche Warnsignale

Der Verzicht des Vorstandsvorsitzenden auf den Flug in die USA sagt viel über die derzeitige Situation beim Fußball-Zweitligisten aus. Seit dem Beginn dieser Saison sucht der Aufstiegsfavorit nach Konstanz - aber er findet sie nicht. Das 1:2 beim SV Sandhausen am Sonntag war bereits die fünfte Niederlage aus den vergangenen sieben Partien. Die Schwaben befinden sich erstmals seit dem erneuten Abstieg im vergangenen Sommer wieder in einer sportliche Krise; zumindest kommt die Mannschaft von Trainer Tim Walter auf dem angepeilten Weg zurück in die Bundesliga nicht entscheidend voran.

Noch ist der VfB Tabellendritter, aber die Warnsignale sind deutlich. Die Niederlage in der 14 000-Einwohner-Gemeinde Sandhausen war bereits die dritte auf fremdem Platz in Serie. Trotz etlicher hochkarätiger Chancen und einer für die 2. Liga zumindest personell außergewöhnlichen Offensive gelangen den Schwaben erst 24 Tore. Zudem kassierte der VfB bereits 20 Gegentore, und über all diesen Zahlen und Statistiken schwebt seit Wochen die Frage: Woran liegt es? Die Mannschaft dominiert fast jeden Gegner und besaß in jeder Partie häufiger den Ball, trotzdem trennen den VfB derzeit sechs Punkte von Spitzenreiter Arminia Bielefeld und drei vom Hamburger SV.

"Das kotzt mich total an"

"Es macht überhaupt keinen Spaß, fühlt sich nicht gut an. Das ist überhaupt nicht das, was wir uns vorgenommen haben", sagte Sportdirektor Sven Mislintat. Als erster Erklärungsansatz für die Inkonstanz diente zuletzt fast immer die mangelnde Chancenverwertung, die tatsächlich ein großes Problem darstellt. Aber sie ist bei weitem nicht das einzige Manko. Im eigenen Ballbesitz findet Walters Team gegen tief stehende Gegner schon seit Saisonbeginn oft nicht die gewünschten Lösungen. Zudem leisten sich die Schwaben im Spielaufbau immer wieder technische Fehler. Und in Sandhausen kamen nun Unaufmerksamkeiten nach Standardsituationen hinzu.

"Jetzt kriegen wir auf einmal Standard-Gegentore. Das ärgert mich einfach, das macht mich sauer. Das kotzt mich total an", sagte Walter. Über dessen Arbeit und sein trotz einer bisher unbefriedigenden Saison oft offensives Auftreten diskutieren die Verantwortlichen in der Öffentlichkeit nicht. Intern soll es aber schon gekracht haben. So berichtete der kicker in seiner Montagsausgabe von "atmosphärischen Störungen" zwischen den Verantwortlichen und nannte mit Jan Siewert (37/zuletzt Trainer bei Huddersfield Town), der beim Derbysieg gegen den KSC auf der Tribüne gesichtet wurde, einen potenziellen Trainerkandidaten. "Die Luft wird dünn für Tim Walter" titelte die Stuttgarter Zeitung am Dienstag. Fakt ist: Der Stuttgarter Trainer gerät unter Druck. Im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg am Montag (20.30 Uhr/ZVW-Liveticker) sollte zwingend ein Sieg folgen. Ansonsten droht ein ungemütlicher Winter.

Badstuber fordert maximale Punktausbeute bis zum Jahresende

Innenverteidiger Holger Badstuber meldete sich derweil am Dienstagnachmittag via Twitter zu Wort und forderte aus den verbleibenden drei Partien bis zur Winterpause neun Punkte. "Die Zeit der Erklärungen muss vorbei sein. Jetzt muss in den nächsten drei Spielen die Zeit der maximalen Punkte kommen", so der ehemalige Nationalspieler.

  • Bewertung
    0
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

 

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!