VfB Stuttgart Regensburg im Check: Die Pressing-Maschinen

Regensburg/Stuttgart.
Am Montagabend hat der VfB Stuttgart mit dem späten, letztlich aber verdienten 1:0-Sieg beim VfL Bochum endlich den so lange ersehnten dritten Auswärtssieg der Saison eingefahren. Am Samstagmittag gegen den SSV Jahn Regensburg (13 Uhr/ZVW-Liveticker) wollen die Schwaben ihre starke Form erneut unter Beweis stellen und damit den Druck auf Spitzenreiter Bielefeld weiter hochhalten. Der kommende Gegner des VfB im Check:

So verlief die erste Saisonhälfte des Jahn

Die Oberbayern schaffen es Jahr für Jahr, Abgänge wichtiger Leistungsträger zu kompensieren. Geht man ausschließlich nach den harten Zahlen (Etat, Marktwert, etc.), so müsste der Jahn eigentlich gegen den Abstieg spielen. Doch nach einem starken achten Platz im Vorjahr hat die Mannschaft unter Neu-Coach Mersad Selimbegovic sogar noch einen Sprung nach vorne gemacht – angesichts des Verlustes der beiden Top-Scorer Sargis Adamyan (zu 1899 Hoffenheim) und Hamadi Al Ghaddioui (zum VfB) alles andere als selbstverständlich.

Unter dem Strich stehen die Regensburger nach zwei Dritteln der Saison mit 32 Punkten auf einem starken sechsten Platz und damit besser da als beispielsweise Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg, die im letzten Jahr noch eine Etage höher spielten. Auch wenn das Top-Trio aus Bielefeld, Hamburg und Stuttgart mittlerweile enteilt zu sein scheint und auch der Abstand zu den Abstiegsrängen als komfortabel bezeichnet werden kann – abschenken wird der Jahn nichts. Das passt schlicht nicht zur Mentalität der Oberbayern. 

Was im Winter geschah

Da die Verantwortlichen am Jahn-Sportpark in Sachen Transfers aufgrund des kleinen Geldbeutels häufig kreativ werden müssen, wird eine personelle Kontinuität angestrebt, wie sie dem VfB Stuttgart mit Sicherheit auch guttun würde. Solange keine unmoralischen Angebote der Konkurrenz beim SSV eingehen, schafft man es meist, Leistungsträger langfristig an den Verein zu binden.

Und so überrascht es auch nicht, dass im Winter nur kleinere Nachjustierungen am Kader vorgenommen wurden – unter anderem auf der Torhüter-Position. Kevin Kunz wurde ablösefrei vom österreichischen Zweitligisten Austria Lustenau an die Donau geholt, im Gegenzug ging Ersatzkeeper Andre Weis zu Viktoria Köln in die dritte Liga. 

Entgegen dem Trend, die Wintervorbereitung in südlicheren Gefilden aufzunehmen, entschieden sich die Oberbayern dazu, über die kalten Tage am heimischen Kaulbachweg zu trainieren. Das ungemütliche Wetter scheint die Leistungen der Jahn-Kicker kaum beeinflusst zu haben: Das Duell gegen den österreichischen Aufsteiger Swarovski Tirol (3:1) sowie die Generalprobe gegen den Zweitligisten Blau-Weiß Linz (5:0) konnten siegreich gestalten werden, gegen die Würzburger Kickers (2:2) sowie den FC Ingolstadt (1:1) gab es jeweils ein Remis.

Ausblick auf das Spiel in Stuttgart

Bereits im Hinspiel taten sich die Schwaben lange Zeit extrem schwer und kamen am Ende zu einem denkbar knappen 3:2-Erfolg im Regensburger Stadion. Die Heimstätte des Jahn ist eine Festung (fünftstärkste Heimmannschaft) – und hat damit einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Mercedes-Benz-Arena für alle Anhänger des VfB. Die Oberbayern wussten in dieser Spielzeit bereits einige Male zu überraschen – unter anderem beim Punktgewinn gegen den HSV (2:2) oder beim Auswärtssieg in Hannover (1:0).

Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Gegen Arminia Bielefeld gab es zuletzt eine 0:6-Klatsche. Besonders alarmierend war dabei weniger das Ergebnis, als vielmehr die Art und Weise, wie sich der Jahn nach gut 60 Minuten seinem Schicksal ergeben hatte. Man sieht: Regensburg zeigt in dieser Saison häufig zwei Gesichter. Und so ist es kaum verwunderlich, dass die Abwehr der Gäste zu den schwächsten der Liga gehört – 38 Gegentreffer nach 22 Spielen sprechen eine deutliche Sprache und sind ein Grund dafür, weshalb die offensivfreudige Truppe aus dem Süden der Republik in der Tabelle nicht weiter nach oben schauen kann.

Und auch beim Blick auf folgende Statistik dürfte dem zuletzt so formstarken VfB nicht gerade mulmig zumute werden: Erst ein einziges Mal ist die Elf von Mersad Selimbegovic nach einem Rückstand als Sieger vom Platz gegangen. 

Die Einschätzung von VfB-Coach Matarazzo

Der Stuttgarter Trainer merkt deutlich das gestiegene Selbstvertrauen seiner Mannschaft nach zehn Punkten aus den letzten vier Spielen: „Wir haben eine gute Stimmung in der Kabine und positive Energie auf dem Platz.“ Bei all der Vorfreude auf das nächste Spiel habe man „eine gute Mischung aus Lockerheit und Anspannung gefunden“, so der 42-Jährige. 

Pellegrino Matarazzo hat sich auf den kommenden Gegner bestens vorbereitet: „Regensburg schießt die meisten Kontertore der Liga und ist ein sehr unangenehmer Gegner.“ Was der VfB-Coach vor allem auf die kampfbetonte Spielweise der Regensburger zurückführt: „Sie führen viele Zweikämpfe, sodass ich in erster Linie ein zähes Spiel erwarte.“

Matarazzo erwartet am Samstagmittag echte Regensburger Pressing-Maschinen, sieht in der Tatsache, dass der Jahn deutlich höher presst als andere Teams in Liga zwei, aber auch eine Chance, die Gäste „zu knacken“. „Wenn wir es schaffen, ihr Pressing auszuspielen, haben wir viel Raum zum Angreifen“, sagte er. Den sollen seine flinken und torhungrigen Angreifer wie Silas Wamangituka oder Mario Gomez wenn möglich zum sechsten Heimsieg in Serie nutzen

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