VfB Stuttgart Sandhausen im Check: „Sie bringen viel Wucht mit“

Sandhausen.

Durch den Derbysieg gegen den Karlsruher SC hat der VfB Stuttgart viel Selbstvertrauen getankt für das Nachbarschaftsduell beim SV Sandhausen am Sonntagmittag (13.30 Uhr/ZVW-Liveticker). Geografisch trennen die beiden Vereine nur 100 Kilometer, in der Tabelle liegen sie sechs Plätze auseinander - die Schwaben stehen auf Relegationsrang drei, Sandhausen auf Platz neun. Die Erwartungshaltung bei beiden Mannschaften könnte unterschiedlicher kaum sein: Während die Gastgeber aktuell voll auf Kurs Klassenerhalt liegen, wird vom VfB und Trainer Tim Walter der Aufstieg erwartet.

So verlief der Saisonstart

Würde ein Wahrsager ums Eck kommen und dem SV Sandhausen den aktuellen Tabellenplatz neun auch für das Saisonende versichern, die Verantwortlichen würden sofort unterschreiben. Für das Team um Kapitän Dennis Diekmeier (ehemals HSV) lautet das Ziel Jahr für Jahr, das weitere Fortbestehen im Unterhaus des deutschen Fußballs zu sichern. In dieser Klasse spielt der beschauliche Verein aus dem Kraichgau bereits seit acht Jahren – ein echter Erfolg für die Macher vom Hardtwald, gemessen an den geringen finanziellen Möglichkeiten. Die bisherige Saison der Sandhausener verdient das Prädikat ordentlich, auch wenn das Team häufig die nötige Konstanz vermissen lässt. In schöner Regelmäßigkeit wechseln sich Sieg, Remis und Niederlage ab, sodass der Platz im Mittelfeld der Tabelle die logische Konsequenz des bisher Gezeigten ist. Doch Obacht: Mit 18 Punkten nach 14 Spielen ist die Mannschaft von Uwe Koschinat lediglich vier Zähler von Relegationsrang 16 entfernt. Punkte gegen den großen Favoriten aus der baden-württembergischen Landeshaupstadt kämen dem Gastgeber daher gerade recht.

Trainer Uwe Koschinat – angekommen am Hardtwald

Die Vita des gebürtigen Koblenzers ist aktuell noch recht übersichtlich. Koschinat zeichnet ein hohes Maß an Identifikation mit seinen Vereinen aus, sodass der SV Sandhausen erst seine dritte Station als Cheftrainer ist – zuvor war der 48-Jährige bei der TuS Koblenz (interimsweise) und Fortuna Köln tätig. Als Aktiver spielte er unter anderem in der zweiten Bundesliga für den VfL Wolfsburg (3 Spiele), wo ihm der endgültige Durchbruch allerdings nicht gelang. Als Trainer ist Koschinat weitaus erfolgreicher.

Nach seinem Aus beim Drittligisten Fortuna Köln heuerte er noch am selben Tag bei seinem heutigen Arbeitgeber an. Zu diesem Zeitpunkt (Oktober 2018) steckte seine Mannschaft tief im Abstiegssumpf, durch ein starkes Finish unter Koschinat konnte der Abstieg am Ende mit Platz 15 noch verhindert werden – wenn auch denkbar knapp. Mittlerweile hat sich Koschinat ligaweit einen Namen gemacht: als gewiefter Taktiker, der bei seinen Teams das Hauptaugenmerk auf die Defensivarbeit legt. Mit Erfolg, denn die Abwehr des SV Sandhausen gehört zu den Top fünf in Deutschlands zweithöchster Spielklasse – kein Wunder bei einem ehemaligen Verteidiger auf der Trainerbank.

Philipp Förster – die Rückkehr des verlorenen Sohnes

Auf den letzten Drücker verpflichtete der VfB in diesem Sommer Mittelfeldspieler Philipp Förster vom SV Sandhausen. Welche Bedeutung der 24-Jährige mit dem robusten Körper für seinen Ex-Klub hatte, bekam dieser kurz nach seinem Wechsel zu spüren. Nach dem Abgang ihres besten Scorers der letzten Jahre konnten die Sandhäuser sieben Spiele in Folge nicht gewinnen – erst Anfang November platzte der Knoten (3:2-Sieg gegen Fürth).

Förster, der in der Jugend bereits bei den Schwaben aktiv war, hatte noch einen langfristigen Vertrag in Sandhausen. Auf eine Ablösesumme von drei Millionen Euro konnte der SVS aber nicht verzichten. Am Transfermarkt müssen die Verantwortlichen um den Sportlichen Leiter Mikayil Kabaca immer wieder kreative Lösungen finden, um dem Coach zu Saisonbeginn einen schlagkräftigen Kader zur Verfügung zu stellen. Die finanziellen Mittel sind begrenzt, die Strahlkraft des kleinen Vereins (rund 1000 Mitglieder) hält sich doch eher in Grenzen. So ist die Ablöse, welche Sandhausen für den heutigen Stuttgarter Förster bekam, die einzige Geld-Transaktion, die der Klub in der letzten Transferperiode getätigt hat. Alle anderen Spieler wurden ablösefrei ge- oder verkaut und dürften daher nur echten Kennern der zweiten Liga ein Begriff sein.

Sandhausens Spielweise ähnelt der des Karlsruher SC

VfB-Coach Tim Walter verwendet im Vorfeld der Partie die Metapher „Pokalspiel“, was in den letzten Wochen häufig vonseiten des Gegners zu hören war. „Auch für uns ist jedes Spiel wichtig. Jeder Gegner in dieser Liga hat Qualität – unabhängig von seiner Spielweise“, warnt Tim Walter. Dafür müsse er seine Mannschaft sensibilisieren. Natürlich fahren die Schwaben als großer Favorit ins beschauliche Sandhausen. Der Trainer weiß um die Erwartungen, die in seine Mannschaft gesteckt werden: „Alle denken, dass wir da hinfahren und den Dreier holen. So einfach ist das aber nicht.“ Der kommende Gegner, zuletzt mit einem Punktgewinn beim Tabellenführer aus Bielefeld (1:1), „bringt viel Wucht mit“, so Walter. Von seinen Spielern erwartet der Bruchsaler, „dass wir uns dagegen stellen und unser Tor mit aller Macht verteidigen.“ Dass die Stuttgarter dabei auf ihren Kapitän und Abwehrchef Marc Oliver Kempf (Rotsperre) verzichten müssen, will Walter nicht als Ausrede gelten lassen: „Unser Kader ist so bestückt, dass wir das auch auffangen können.“

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