VfB Stuttgart Startschuss für die VfB-AG

Stuttgart.
Auf dem Weg vom Bahnhof Cannstatt zur Mercedes-Benz Arena findet man sie noch. Die „Spalter“-Aufkleber mit dem schwarz-weißen Konterfei von Wolfgang Dietrich aus dem Wahlkampf vom vergangenen Herbst. Doch die Schrift auf den Stickern ist mittlerweile verblasst und kaum noch lesbar. Und auch die öffentliche Wahrnehmung des VfB-Präsidenten hat sich gewandelt. Aus dem „Spalter“ ist mittlerweile ein „Antreiber“ geworden.

Mit viel Elan und Herzblut kämpften der 68-Jährige und der Vorstand des Bundesligisten für die Ausgliederung der Profiabteilung des Vereins in eine Aktiengesellschaft (AG), die nun in dieser Woche auch formal vollzogen wurde. Das gab der Präsident am Freitag bekannt.

Am 4. Juli wurde die VfB Stuttgart 1893 AG in das Vereins- und Handelsregister eingetragen. Mit dem Freitag, den 07.07.2017, kann die VfB-AG nun ihren Geschäftsbetrieb aufnehmen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Was ändert sich nun in Bezug auf den Verein?

Wolfgang Dietrich bleibt auch weiterhin der ehrenamtliche Präsident des eingetragenen Vereins (e.V.). Den Aufsichtsrat des e.V. gibt es nun nicht mehr. In seiner letzten Sitzung wurden Thomas Hitzlsperger und Dr. Bernd Gaiser ins neue Vereinspräsidium bestellt.

Beide werden ihr Amt kommissarisch bis zur ordentlichen Mitgliederversammlung Ende des Jahres ausüben und sich dann dort zur Wahl stellen. 


Wer sitzt im neuen Aufsichtsrat der AG?

In dieser Woche traf erstmals die Hauptversammlung der AG zusammen und bestellte den neunköpfigen Aufsichtsrat (AR).

Der neue AR besteht aus dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Dietrich, seinem stellvertretenden Vorsitzenden Wilfried Porth (Vorsitzender der Daimler AG) sowie Guido Buchwald, Dr. Bernd Gaiser, Hartmut Jenner (Vorsitzender der Kärcher GmbH & Co. KG), Hermann Ohlicher, Franz Reiner (Mercedes-Benz-Bank), Martin Schäfer (Geschäftsführer der Würth GmbH & Co. KG) und Dr. Bertram Sugg (Gründungsmitglied des OFC Courage in Gerlingen). Martin Schäfer wird allerdings sein Amt Ende des Jahres aus persönlichen Gründen niederlegen.

Es ist nicht geplant, dass sich die Zahl der Aufsichtsräte vergrößert, sollte die VfB-AG neue Partner ins Boot holen. „Es gibt auch potentielle Investoren, die überhaupt kein Interesse an einem Sitz im Aufsichtsrat haben“, so Wolfgang Dietrich. Aktuell gebe es keine Überlegungen, wer die weiteren Investoren sein könnten. Priorität habe zunächst die sportliche Entwicklung. 


Wer sitzt im Vorstand der AG?

Die bisherigen Vorstände des e.V. (Stefan Heim, Jan Schindelmeiser und Jochen Röttgermann) sind von ihren Ämtern zurückgetreten und wurden gleichzeitig in den Vorstand der AG berufen. Sie leiten künftig das operative Geschäft der AG und haben mit dem operativen Geschäft des e.V. nichts mehr zu tun.

Auch alle Mitarbeiter des Vereins sind nun in die AG übergegangen. Die Anstellungsverträge wurden eins zu eins übernommen. Ein sogenannter „Geschäftsbesorgungsvertrag“ regelt die operativen Geschäfte des e.V. Sprich: Die Arbeit auf der Geschäftsstelle wird weiterhin von den gleichen Mitarbeitern geleistet.

Die DFL hat der AG die Lizenz - welche die der Verein zuvor schon hatte - ohne Auflagen und Bedingungen übertragen. „Wir schlagen damit ein neues Kapitel der Vereinsgeschichte auf“, erläuterte Dietrich voller Stolz.


Wann fließen die Daimler-Millionen?

Die Daimler AG hat als Ankerinvestor für 41,5 Millionen Euro 11,75 Prozent an der VfB-AG erworben. Mit der Eintragung ins Handelsregister kann dieses Geld nun fließen. „Die Voraussetzungen dafür wurden jetzt geschaffen und wir gehen davon aus, dass das Geld in den nächsten Tagen fließen wird“, so Wolfgang Dietrich.

Auch die Einnahmen aus dem Sponsoring werden wieder steigen. „Wir haben klare Vereinbarungen, wie sich die Sponsoreneinnahmen erhöhen werden, wenn bestimmte sportliche Ziele erreicht werden – eine marktgerechte Entwicklung“, erläutert Dietrich. Im "sportlichen Vierjahresplan" wurden diese Richtwerte (Tabellenplätze, Medienpräsenz, Zuschauerzahlen usw.) definiert.


Wer sitzt im neuen Vereinsbeirat?

Wie auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni beschlossen, gibt es im e.V. künftig einen neunköpfigen Vereinsbeirat, der beispielsweise der Mitgliederversammlung Kandidaten für das Präsidium des e.V. vorschlägt.

Diesen Vereinsbeirat besetzen in der Übergangsphase bis zur nächsten Mitgliederversammlung fünf ehemalige Mitglieder des Ehrenrats: Hans H. Pfeifer (Vorsitzender), Horst Arzt, Dr. Wolf-Dietrich Erhardt, Michael Russ und Alfred Schütter. Die Wahl des künftig dann aus neun Personen bestehenden Vereinsbeirats findet ebenfalls bei der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung statt.


Was sind die Ziele des e.V. und der AG?

Präsident Dietrich will die Mitgliederzahlen des e.V. „massiv weiterentwickeln“. Aktuell hat der VfB Stuttgart etwas über 56.000 Mitglieder. Diese Zahl soll in den verbleibenden dreieinhalb Jahren von Dietrichs Amtszeit auf 100.000 anwachsen. Der Präsident wünscht sich eine starke Marke „VfB“ und ist sich sicher: „Arbeiten wir sportlich ähnlich gut wie die reinen Kommerzvereine Leipzig oder Hoffenheim, dann werden wir besser sein, weil wir die Tradition im Hintergrund haben!“

Zudem soll der Breitensport im Verein weiterentwickelt werden und ebenfalls von der Ausgliederung profitieren. Der Schwerpunkt sei es allerdings, die sportlichen Ziele mit der AG zu erreichen. Und die sind ambitioniert: In den nächsten drei bis vier Jahren sollen sich die Schwaben wieder fest im erstem Drittel der Liga etablieren und auch der Nachwuchsbereich soll wieder zu „einer der Top-Adressen im deutschen Nachwuchsbereich werden“, so Dietrich.


Was ist die neue Aufgabe von Thomas Hitzlsperger?

Im e.V. wird der ehemalige Kicker der Schwaben neben Wolfgang Dietrich und Dr. Bernd Gaiser im Vereinspräsidium sitzen. „Ich kenne den Verein sehr gut und habe den Wunsch mitzugestalten“, so der 35-Jährige, der zuletzt als Berater des Vorstands tätig war.

Der Schwerpunkt des operativen Geschäfts liegt klar auf der Nachwuchsarbeit. In den letzten Monaten war „Hitz“ drei Tage die Woche tätig. Seit dem 01. Juli ist der ehemalige Nationalspieler in Vollzeit tätig. Hitzlsperger will ein Vorbild und ein Ansprechpartner für die Nachwuchskicker sein und sieht sich auch als „Verbindungsglied“ zwischen dem Nachwuchsbereich und den Profis.

Spielerisch soll es voran gehen, aber auch die Persönlichkeit der „Jungen Wilden“ so entwickelt werden. „Das liegt mir sehr am Herzen. Fußball ist nicht nur die Arbeit auf dem Platz, sondern auch das, was danach kommt.“ Eine spannende Aufgabe, so der gebürtige Münchner.

Weiterhin ist der ehemalige Profi als Botschafter für den VfB und den DFB tätig. Für die Deutsche Fußball Liga (DFL) war Hitzlsperger in der Vergangenheit in der Auslandsvermarktung tätig und hat in Amerika gearbeitet. „Das war eine sehr wertvolle Erfahrung“, so Hitzlsperger. Diese Kontakte möchte er aufrecht erhalten und künftig für seine Arbeit beim VfB nutzen.


Zur Person: Dr. Bernd Gaiser

  • „Ich bin der Neue hier“, lächelte der 56-Jährige bei seiner Vorstellung  am Freitag. Geboren im Schwarzwald (Baiersbronn) hat der selbständige Unternehmensberater seinen Lebensmittelpunkt vor 30 Jahren nach Stuttgart verlegt. Seit 2004 ist er Mitglied beim VfB und fühlt sich dem Verein emotional verbunden.
  • „Es ist mir eine Ehre in diesem bedeutendem Verein im Präsidium und im Aufsichtsrat mitwirken zu können“, lies das in Stuttgart-Botnang wohnhafte neue AR-Mitglied wissen. Bei den Schwaben soll er den Bereich „Unternehmensentwicklung und Finanzen“ beackern. Neben seiner Tätigkeit beim VfB ist er noch Aufsichtsratsmitglied bei Drees und Sommer sowie Aufsichtsratsvorsitzender bei Horváth & Partners. Zuletzt war er im Vorstand von Recaro tätig. Dieses Amt legt er zum 31. August nieder.  
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