VfB Stuttgart Warum Teilzeit-Torjäger Al Ghaddioui so wertvoll ist

Matchwinner unter sich: Siegtorschütze Hamadi Al Ghaddioui und Torhüter Gregor Kobel. Foto: Pressfoto Baumann
Bochum.

Endlich wieder ein Stuttgarter Auswärtssieg - doch für Trainer Pellegrino Matarazzo stand das Ende der Negativ-Serie nicht im Vordergrund. „Die Auswärtsmisere hat mich nicht beschäftigt. Die war ja in der Hinrunde“, sagte der 42 Jahre alte Coach nach dem 1:0 beim abstiegsbedrohten VfL Bochum. Schließlich betreut der US-Amerikaner mit italienischer Herkunft die Schwaben erst seit Anfang dieses Jahres. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Mit zehn Punkten aus vier Spielen zählt der VfB Stuttgart zu den aktuell erfolgreichsten Zweitliga-Teams und ist 2020 noch ohne Niederlage - sieht man vom Pokal-Aus gegen Bayer Leverkusen einmal ab.

Matchwinner Al Ghaddioui: „Das Quäntchen Glück war auf unserer Seite“

Matarazzo war dennoch „erleichtert“, dass die Partie vor 18.090 Fans im Ruhrstadion noch gewonnen wurde. „Aber nicht wegen der Auswärtsserie. Sondern weil es ein schweres Spiel war und wir uns das Leben schwerer gemacht haben als notwendig.“ Verantwortlich für den ersten VfB-Auswärtssieg nach 143 Tagen waren vor allem drei Profis: VfL-Innenverteidiger Saulo Decarli, dem in der 80. Minute ein furchtbarer Fehlpass in die Beine des agilen Silas Wamangituka unterlief. Und der für den unauffälligen Ex-Nationalspieler Mario Gomez nach einer guten Stunde eingewechselte Hamadi Al Ghaddioui, der den Pass des Teamkollegen Wamangituka aufnahm und mit einem trockenen Abschluss in die rechte untere Ecke das für den VfB erlösende Siegtor erzielte. „Die drei Punkte tun uns gut“, befand der Stuttgarter Matchwinner, der zunächst von der Bank aus zusah, wie die anderen vor allem in der ersten Hälfte einige Chancen liegen ließen. „Wir haben uns aber diese eine Chance noch erarbeitet, die wir dann zum 1:0 genutzt haben. Das Quäntchen Glück war auf unserer Seite.“ Der 29 Jahre alte Teilzeit-Torjäger hat nun die Hälfte seiner acht Saisontore als Joker erzielt. Gegen Regensburg (Endstand 3:2) und Karlsruhe (3:0) traf er jeweils in der Nachspielzeit. Im Zweitrunden-Pokalspiel gegen den Hamburger SV gelang ihm in der Verlängerung (113. Minute) das Siegtor zum 2:1. Und auch für den entscheidenden Treffer beim zuvor letzten Auswärtssieg in Bielefeld (1:0) am 27. September (91. Minute) war Al Ghaddioui verantwortlich, stand damals allerdings in der Startelf.

Dreikampf um die direkten Aufstiegsplätze

Vor allem für die Spieler war das Ende der fast fünf Monate währenden Auswärtsmisere wichtig. „Wir nehmen das dreckige 1:0 mit. Am Ende sind wir einfach froh, dass uns nach langer Zeit wieder ein Auswärtssieg gelungen ist“, sagte Pascal Stenzel. Dabei war nicht nur Kapitän Daniel Didavi klar, dass die Vorstellung insgesamt nicht gerade bundesligareif war. „Es war ein hartes Stück Arbeit, ein Zittersieg. Wichtig war, dass jeder gekämpft hat und es uns erneut gelungen ist, die Null zu halten.“

Nach zwei Dritteln der Saison deutet alles auf einen Dreikampf um die beiden direkten Aufstiegsränge zwischen Spitzenreiter Arminia Bielefeld (44 Zähler) sowie dem nun punktgleichen Verfolger-Duo Hamburg und Stuttgart (beide 41) hin. Mit Blick auf das Torverhältnis haben die Schwaben einen Nachteil. Der HSV (46:22) und Bielefeld (47:23) weisen deutlich bessere Werte auf als der VfB (38:25). Teilzeit-Torjäger Hamadi Al Ghaddioui könnte hier in den kommenden Wochen Abhilfe schaffen. Ob in seiner Paraderolle als Edeljoker oder in der Startelf, dürfte den schwäbischen Fans dabei herzlich egal sein. 

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