Ex-Gladbach-Profi Frank Schäffer Leonberger wird zum Retrorocker

Stuttgart - Der Gefreite stand stramm, als der Oberfeldwebel befahl: „Schäffer, heute nachmittag ist dienstfrei. Stattdessen Probetraining beim VfB!“ Es gibt schlimmere Strafen für einen Fußballspieler. Und die Böblinger Sportkompanie der Bundeswehr stand Anfang der Siebzigerjahre auch nicht gerade im Ruf, vorzugsweise Grobmotoriker zu beschäftigen. Als Frank Schäffer die Sporttasche packte, wünschten ihm die Soldaten und VfB-Kicker Hansi Müller, Markus Elmer und Klaus-Dieter Jank viel Glück.

Der VfB zeigt kein Interesse

Geholfen hat es nicht. VfB-Coach Hermann Eppenhoff behandelte die Eckfahnen jedenfalls mit mehr Aufmerksamkeit, als den Probanden aus Leonberg-Eltingen. „Ich saß nach dem Training noch eine Stunde in der Kabine“, erinnert sich Frank Schäffer, „kein Mensch hat sich für mich interessiert. Dann bin ich gegangen.“

Tage später meldete sich Hennes Weisweiler bei der defensiven Fachkraft aus der Amateurligamannschaft der SpVgg 07 Ludwigsburg: „Ich hätte Sie gern bei uns!“ Aus gutem Grund: Der junge Mann pflegte eine umkomplizierte Art seine Zweikämpfe zu führen, er beherrschte das Kopfballspiel aus dem Effeff – und was das Wichtigste war: Er behandelte das Spielgerät nicht wie ein Kleinkind Eimer und Schaufel.

Frank Schäffer lacht und sagt: „Mein Vater hätte mich lieber beim VfB gesehen.“ Mutter Pauline blickte prüfend auf die Landkarte geblickt und rief entsetzt: „Mönchengladbach? Bub, das ist ja in Holland.“

Jahresgehalt: 300 000 Euro

Der große Hennes Weisweiler ließ aber nicht locker. Frank Schäffer unterschrieb bei den Gladbacher Fohlen: Zwei Jahre, plus Option auf eine Verlängerung. Sein Jahresgehalt: Rund 300 000 Mark, 150 000 Euro. Bereut hat er es nicht.

Zwischen 1975 und 1977 feierte er mit dem Team vom Niederrhein drei deutsche Meisterschaften, 1975 und 1979 gewann Schäffer mit den Gladbacher Fohlen den Uefa-Cup. Die Namen vieler seiner Mitspieler stehen bis heute für begeisternden Fußball: Hacki Wimmer, Henning Jensen, Rainer Bonhof, Berti Vogts, Jupp Heynckes, Kalle Del’Haye, Alan Simonsen, Uli Stielike, Horst Köppel. Die Trainer nach Weisweiler: Udo Lattek, später Jupp Heynckes.

Leicht war es anfangs nicht in der Fremde. „Wenn die Einheimischen was von mir wollten, habe ich immer nur Bahnhof verstanden“, sagt Frank Schäffer. Und umgekehrt. Der Schwabe Horst Köppel riet ihm: „Kerle, schwätz’, wie dir der Schnabel gwachsa ist.“ Hans-Jürgen Wittkamp, sein „Zwilling“ in der Abwehr, half als Übersetzer aus dem Niederrheinischen ins Hochdeutsche. Und als der Außenverteidiger Hans Klinkhammer sah, dass der Neue unfallfrei eine Gitarre bedienen kann, war das Eis gänzlich geschmolzen. Musik als Integrationshelfer? Das kann man so sehen. Auch wenn Frank Schäffer einschränkt: „Ein Fußballprofi als Musiker, das ging damals eigentlich nicht.“ Es ging immerhin ein bisschen: zu besonderen Anlässen. Zum Beispiel bei Siegesfeiern. Und davon gab es in Gladbach viele.

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