Viele Übernahmen geplant China hungrig auf deutsche Firmen

China will deutsche Firmen erobern. Foto: dpa

Frankfurt/Stuttgart - Die deutsche Industrie ist im Fokus chinesischer Investoren. Wie in keinem anderen europäischen Land stehen deutsche Firmen wie auch der gesamte Standort bei hochrangigen Managern in China hoch im Kurs. Das ist das Ergebnis einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young, für die 400 Führungskräfte chinesischer Großunternehmen und mittelständischer Firmen befragt wurden. „Wir erwarten, dass da noch eine große Welle kommen wird – auch im Multi-Milliarden-Bereich“, sagt China-Spezialistin Yi Sun. „Und die Transaktionsvolumen werden ­immer größer.“

Erst seit einem Jahr landen Unternehmen aus dem Reich der Mitte größere Erfolge beim Buhlen um deutsche Firmen. Rund eine Milliarde Euro haben sie bisher etwa in den Aichtaler Betonpumpen-Hersteller Putzmeister, den Autozulieferer Kiekert oder den Dichtungs-Hersteller Saargummi investiert. Doch das wird sich rasch ändern, betrachtet man die Daten der Studie: Neun Prozent der befragten chinesischen Unternehmen, die in Deutschland investieren wollen, planen Unternehmenskäufe. Weitere 56 Prozent gaben an, an Joint Ventures interessiert zu sein. Dabei verstecken sich hinter dem Begriff „Joint Venture“ in vielen Fällen aber Übernahmen, die die Chinesen aus Höflichkeit nicht so bezeichnen wollen, erklärt Sun. Der Begriff „Übernahme“ klinge „für Chinesen sehr aggressiv“, sie sprächen lieber von „Kooperationen“. Im Maschinenbau und der Automobilindustrie sehen Chinesen die attraktivsten Branchen.

Weniger zufrieden sind chinesische Unternehmen mit der Motivation der Arbeitnehmer

„In Deutschland finden die chinesischen Firmen die besten Rahmenbedingungen“, sagt Sun. Dies gelte sowohl mit Blick auf eine Europazentrale, auf Forschungszentren, auf Logistik und auch auf Produktion. Hier erhalte Deutschland sogar den Vorzug vor dem bei Löhnen deutlich billigeren Polen. Vor allem bei Infrastruktur, Hochschulen, Produktivität, Innovationen, Wettbewerbsfähigkeit und bei der Ausbildung der Arbeitnehmer kann Deutschland punkten. Weniger zufrieden sind chinesische Unternehmen mit der Motivation der Arbeitnehmer, mit den Löhnen und der Steuerbelastung.

„Was uns wirklich überrascht, ist die ­Dominanz des Standorts Deutschland, wenn es um Investitionen in Europa geht“, sagt Alexander Kron, der für Ernst & Young Firmen bei Übernahmen berät. Mit weitem Vorsprung vor Großbritannien und Frankreich bewerten die chinesischen Unternehmen Deutschland als derzeit attraktivsten Standort in Europa. Mehr noch: Abgesehen von China selbst rangiert Deutschland mit 25 Prozent nach den USA (29 Prozent) auf Platz drei. Jedes vierte chinesische Unternehmen hat seit 2005 im Ausland investiert. Auch hier war Deutschland (28 Prozent) hinter den USA (34 Prozent) das beliebteste Ziel. Geld ist bei möglichen Übernahmen kein Problem. „Die Kassen der chinesischen Unternehmen sind prall gefüllt“, sagt Kron.

Auch die Euro-Schuldenkrise habe das Interesse kaum gebremst, so Kron. Die chinesische Regierung unterstütze zudem den Gang ins Ausland viel stärker. Früher seien Übernahmen zum Teil an der Bürokratie gescheitert. Nicht zuletzt agieren die Firmen nach den Worten von Sun auch professioneller als früher. Dazu zählt, dass sie sensibler mit deutschen Mittelständlern umgehen. All das habe letztlich auch dazu geführt, dass die Akzeptanz der Chinesen bei deutschen Mittelständlern gestiegen sei, sagt Sun.

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