Vier Wochen nach Eröffnung Wie gut ist die Remstal-Gartenschau tatsächlich besucht?

Das Kneippbecken im Stadtpark garantiert beides: Gesundheit und Erfrischung. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Schorndorf. Ein bisschen Eigenlob darf sein: „Des hemm’r guad g’machd“, sagt die Projektleiterin für den Bereich Veranstaltungen und Marketing nach den ersten vier Schorndorfer Gartenschau-Wochen. Und Gartenschau-Geschäftsführer Thorsten Englert, der viel rumkommt im Remstal, weitet diese positive Einschätzung gleich mal auf alle anderen 15 Gartenschaukommunen aus. Und kann und will sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Man hat es uns halt nicht zugetraut.“

Allein in Schorndorf sind mittlerweile 17 000 Dauerkarten verkauft worden, davon 4000 seit der Eröffnung der Gartenschau vor vier Wochen. Dazu kommen rund 14 000 Tageskarten für die beiden eintrittspflichtigen Bereiche, was im Durchschnitt rund 600 Gartenschaubesuchern täglich entspricht. „Davon hätten wir vielleicht geträumt, aber uns das nicht ernsthaft vorstellen können“, sind sich Ulrike Schwebel und Thorsten Englert einig – sie vor allem mit Blick auf Schorndorf, er auch mit Blick aufs ganze Remstal, wo mittlerweile auch viele von denen Feuer und Flamme für die Gartenschau sind, die ihr zunächst einmal skeptisch und kritisch gegenüberstanden. „Ganz viele Fellbacher machen sich auf zum Remsursprung in Essingen, in Mögglingen und Böbingen können sie vor Kraft kaum laufen, die Highlight-Wochen in Korb und Remshalden waren super, der Waiblinger Oberbürgermeister ist nur noch in Feierlaune und der Remstal-Radweg ist zum Highway geworden“, fasst der Gartenschau-Geschäftsführer die Eindrücke zusammen, die er bei vielen Besuchen und Terminen vor Ort gesammelt hat. Und die ihm gerade erst wieder beim Besuch des Landwirtschaftsausschusses des baden-württembergischen Landtags bestätigt worden sind. Aber mittlerweile kommen Besuchsanfragen und -ankündigungen aus ganz Deutschland – auch, so Thorsten Englert, von kommunalen Entscheidungsträgern, die sich über ein „Projekt, wie man nachhaltige Infrastruktur neu denken kann“, informieren wollten. Und für kommende Woche hat sich zum Beispiel ein Redaktionsteam der renommierten Wochenzeitung „Die Zeit“ angesagt, um über die Bauausstellung mit den 16 Stationen zu berichten.

Startprobleme mit dem E-Zügle, das immer wieder stehen geblieben ist

„Wir haben alles richtig gemacht, auch wenn am Anfang nicht gleich alles perfekt war“, sagt, bezogen auf Schorndorf, Ulrike Schwebel, und denkt bei den anfänglichen Problemen vor allem an das Experiment mit dem Gartenschau-E-Zügle, das in den ersten Tage mangels ausreichender Elektro-Ladekapazität immer wieder stehen geblieben ist und mehrmals sogar abgeschleppt werden musste. „Wir haben die Fahrgäste mit Eis und guter Laune bestochen“, sagt Ulrike Schwebel, die froh ist, dass das Zügle jetzt verlässlich fährt und geliebt wird – auch wenn es wegen der beengten Verhältnisse leider nicht durch die Innenstadt fahren darf.

Ansonsten wissen die Projektleiterin und der Geschäftsführer wirklich nicht, wo sie anfangen und wo sie aufhören sollen, wenn sie ins Schwärmen geraten, was die Gartenschau in Schorndorf und darüber hinaus so alles zu bieten hat an Aktionen und Aufenthaltsqualität. „Man muss seinen unendlichen Garten schon akribisch planen“, sagt Thorsten Englert mit Blick darauf, dass es von Essingen bis Remsecke immerhin 140 Daueranlagen gibt, die zumindest einen Abstecher wert sind. Was Schorndorf angeht, hatte Englert erst den Grafenberg zu seinem Lieblingsort erkoren, ist aber mittlerweile umgeschwenkt auf den Schloss- beziehungsweise Blumenkeller, der ein „absoluter Glücksgriff“ und schon jetzt ein Wahrzeichen dieser Gartenschau sei – und ein geradezu magischer und mystischer Ort.

„Es macht Spaß, wenn man sieht, wie ein Konzept so aufgeht“

„Da geht einem wirklich das Herz auf“, stimmt Ulrike Schwebel zu, die man aber auch immer wieder strahlend und glückselig lächelnd in und vor der Orangerie antrifft, wo sie sich gemeinsam mit „Didi“ März ums Veranstaltungsprogramm kümmert. „Es macht mega viel Spaß, wenn man sieht, dass ein Konzept so aufgeht“, sagt Ulrike Schwebel, die aber auch vom Kulturtisch auf dem Unteren Marktplatz begeistert ist – wie übrigens auch die Besucher, die am Bahnhof (mit dem leider schon wieder verschmierten Durchgang) vom Flair dieses „wunderbaren Entrees“ eingefangen und am Sonntag von der kleinen, aber feinen Gruppe der in historischen Gewändern auftretenden „Greaters“ empfangen werden. Und ein besonders tolles Bild bietet sich aus Sicht von Ulrike Schwebel, wenn der Wochenmarkt auf den Unteren Marktplatz verlegt werden muss und einzelne Stände dann auch auf dem Podest des Kulturtisches platziert werden – wenn auch in diesem Fall leider nicht ganz barrierefrei.

Bei Englert werden Erinnerungen an Fußball-Sommermärchen wach

Es sind gerade mal vier Wochen Gartenschau vorbei, aber Ulrike Schwebel wünscht sich jetzt schon, irgendwann so eine Veranstaltung noch einmal mitmachen zu können – mit den Erfahrungen, die sie bislang schon gemacht hat und in den nächsten Wochen und Monaten noch machen wird. Und Thorsten Englert fühlt sich irgendwie an das Sommermärchen 2006 erinnert – mit zwei klitzekleinen Unterschieden. Erstens findet 2019 keine Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, sondern nur eine in Frankreich statt. Und zweitens handelt es sich bei der jetzt beginnenden Weltmeisterschaft „nur“ um eine Frauen-WM, von der sich die Massen erfahrungsgemäß nicht so leicht anstecken und in Ekstase versetzen lassen..

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