Von Beutelsbach nach Fellbach Mit dem Rennrad täglich zur Arbeit

Oliver Knoll (49) fährt jeden Tag von seinem Wohnort Beutelsbach nach Fellbach und zurück. Im Moment benutzt er auf der Strecke in 90 Prozent der Fälle eines seiner vielen Räder. Sein Vorteil: Er hat keinen Stau. Foto: Palmizi / ZVW

Weinstadt. „Das Rennrad hat mich bewogen, viel mehr zu fahren“: Seit den Sommerferien fährt Pendler Oliver Knoll fast nur noch mit dem Rad zu seinem Arbeitsplatz in Fellbach. 25 Minuten braucht der Beutelsbacher für zwölf Kilometer. „Es ist völlig egal, wann man losfährt, weil man einfach weiß: Es gibt keinen Stau.“

Ins Auto will Oliver Knoll auf dem Weg zur Arbeit nur noch steigen, wenn er einen wichtigen Termin hat und Anzug tragen muss. Oder wenn er beruflich weite Entfernungen zurücklegen soll. Sonst aber ist das Rennrad seine erste Wahl. Von seinem Wohnort Beutelsbach fährt er dann über Waiblingen nach Fellbach. Die schönere Strecke führt zwar über Strümpfelbach und Stetten, aber er wählt gerade in der kalten Jahreszeit oft lieber die kürzere. E-Bike fährt der 49-Jährige bewusst nicht, schließlich hat er als passionierter Radsportler schon ganz andere Herausforderungen gemeistert. „Ich komme aus dem BMX-Rennsport.“

Im BMX-Sport aktiv

Bis 1991 ist Oliver Knoll dort um die deutsche Meisterschaft gefahren – und nach einigen Jahren Mountainbikerennen ist er 2006 zu den BMX-Rennen zurückgekehrt. Ein Fersenbeintrümmerbruch führte dazu, dass der Beutelsbacher zwei Jahre mit den Rennen pausierte, aber 2019 will er bei der deutschen Meisterschaft in Stuttgart dabei sein. „Das beeinflusst mich nimmer, und die Fitness ist auch wieder da.“ Beim Weinstädter Verein Freebikers ist Oliver Knoll zudem als sportlicher Leiter der BMX-Sparte aktiv.

Kurz und gut: Mit Rädern kennt sich der 49-Jährige aus. Dass er nun beim Pendeln als Radfahrer keine Zeit mehr in Staus verliert, schätzt er sehr. Früher musste er auf dem Weg nach Fellbach immer vor 7 Uhr losfahren, um mit dem Auto zügig voranzukommen, berichtet er. Dieses Problem fällt jetzt weg – doch das heißt nicht, dass der Beutelsbacher nun völlig problemfrei pendeln kann.

„Die führen sich auf, wie wenn sie in ihrem Wohnzimmer sind“

Oliver Knoll hat den Eindruck, dass der Egoismus von Autofahrern oder Fußgängern zugenommen hat. Er erlebt es immer wieder, dass sowohl Hundebesitzer als auch Eltern mit Kinderwagen dauernd aufs Handy starren, während sie sich fortbewegen. Der 49-Jährige fragt sich, was aus der gegenseitigen Rücksichtnahme im Straßenverkehr geworden ist. „Die führen sich auf, wie wenn sie in ihrem Wohnzimmer sind.“ Dass die Polizei auf landwirtschaftlichen Wegen, auf denen er unter anderem auf dem Weg zur Arbeit unterwegs ist, kontrolliert, hat Oliver Knoll bislang nur einmal erlebt. Da, erinnert sich der Beutelsbacher, hätten sie einen Mopedfahrer angehalten, der dort natürlich nicht fahren darf.

Ärger über Radfahrer ohne Beleuchtung

Ein weiteres Ärgernis sind für Pendler Oliver Knoll andere Radfahrer, die keine Beleuchtung haben – und damit natürlich von ihm nicht so früh gesehen werden können. Der 49-Jährige plädiert dafür, lieber das eigene Licht zu stark einzustellen als zu schwach. Auch fragt sich Oliver Knoll, warum die Radwege gerade im Herbst so voller Laub sind und nicht besser gereinigt werden. Denn dadurch erhöht sich schließlich das Unfallrisiko. „Aber ich will nicht meckern, denn die Nebenstraßen in Fellbach sind teilweise noch schlimmer als die Radwege.“ Hier gebe es stellenweise Löcher, wodurch er aufpassen müsse, keinen Platten zu bekommen.

Unbelehrbarer Autofahrer – „Ich habe die Polizei gerufen“

Wenn er auf den Straßen unterwegs ist, muss Oliver Knoll als Radfahrer auch immer wieder brenzlige Situationen mit Autofahrern erleben. Vor einigen Wochen war er innerorts unterwegs, es waren nur 30 Stundenkilometer erlaubt, und hinter ihm fuhr ein Auto. Als dann wieder 50 Kilometer pro Stunde möglich waren, beschleunigte der Autofahrer laut Oliver Knoll sofort und fuhr trotz beengter Verhältnisse ganz knapp an ihm vorbei. Er nahm damit einen Sturz in Kauf – und das wollte Oliver Knoll nicht auf sich sitzenlassen. Er habe deshalb den Autofahrer zur Rede gestellt – und der habe nur gemeint, dass er als Radfahrer gefälligst am Rand zu fahren hätte und nicht mitten auf der Fahrbahn. „Dann habe ich die Polizei gerufen aufgrund dessen, dass er so unbelehrbar war.“


Spurwechsel-Ärger

Wenn Oliver Knoll mit dem Auto von Beutelsbach zu seiner Arbeit in Fellbach fährt, nutzt er die B29, dann die alte B14 und schließlich den Fellbacher Stadttunnel.

In der Regel funktioniert das gut, wenn er vor 7 Uhr losfährt. „Der Teiler B 14/B 29 ist dabei der neuralgische Punkt. Leider gibt es immer noch zu viele Autofahrer, die mit dem Spurwechsel Probleme haben, was leider unnötigen Stau erzeugt.

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