Vor dem Saisonstart der Württembergliga Harsche Kritik an der Handball-Spielklassenreform

Trainer Heiko Burmeister (vorne) kritisiert die Ligenreform, die zur Saison 2020/21 in Kraft treten wird. Für seine Schwaikheimer und die meisten weiteren Württembergliga-Teams lautet nun das Ziel lediglich, mindestens Sechster zu werden, um nicht abzusteigen. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Nie war die Spannung vor einer Württembergliga-Saison so groß. Im Zuge der Ligenreform des Handball-Verbands Württemberg wird es zum letzten Mal zwei Liga-Staffeln geben, die Hälfte der Teams in dieser Runde steigt ab. Das kritisiert Heiko Burmeister, stets rundum informierter Trainer der Männer der SF Schwaikheim, nicht. Wohl aber die Reform an sich: „Die kleinen Vereine werden kaputtgemacht.“

Burmeister ist völlig handballvernarrt, selbstverständlich also, dass sich der 54-Jährige in den vergangenen Wochen in die Ligenreform reingefuchst hat. „Der Grundgedanke des Verbands war: Wir haben immer weniger Schiedsrichter, also brauchen wir weniger Spiele.“ Die Lösung des HVW klingt zunächst unlogisch: Es wird von der Saison 2020/21 an auf Verbandsebene mehr Staffeln und mehr Mannschaften geben. Neu eingeführt wird eine zwischen Württembergliga und Landesliga beheimatete Verbandsliga.

Sämtliche Relegationen können gestrichen werden

So funktioniert die Reduzierung der Spiele: In der Württembergliga gibt es von kommender Saison an nur noch eine statt zwei Staffeln mit – abhängig von den Auf- und Abstiegen in den Ligen darüber – 14 bis 16 Teams bei den Männern und zwölf bis 14 Teams bei den Frauen. Es folgt eine zweigleisige Verbandsliga mit insgesamt 20 oder 21 Teams (Männer und Frauen gleich). Und in der Landesliga wird es statt bisher drei künftig vier Staffeln geben, in denen sich aber – der Schlüssel zu weniger Spielen – jeweils nur zehn Mannschaften tummeln.

Dank der Reform können sämtliche Relegationen gestrichen werden. Burmeister rechnet ausgehend von den jeweils geringsten Staffelgrößen bei den Männern vor: In dieser Saison tragen auf Verbandsebene 71 Mannschaften insgesamt 938 Partien aus, in der kommenden werden es zwar 78 Teams, aber nur 806 Partien sein.

„Kleine Vereine werden durch die Reform kaputtgemacht“

Damit hat der Verband das Schiedsrichterproblem gelöst. Jedoch nur für den Moment: „Wenn du das mit den Schiedsrichtern heute nicht im Griff hast, dann hast du’s in fünf Jahren erst recht nicht im Griff.“ Und das ist nur der kleinste von Burmeisters Kritikpunkten an der Reform. Der Schwaikheimer Trainer bemängelt, es profitierten nur finanzstarke Vereine, während die kleinen „kaputtgemacht“ werden. Weil es auf Verbandsebene mehr Staffeln und Teams („Wo sollen die Mannschaften denn alle herkommen?“) geben wird, sinke das spielerische Niveau „und die Handball-Bezirke werden eindeutig abgewertet“.

Kleine Clubs sind ganz besonders auf Einnahmen bei Heimspielen angewiesen. Unmöglich findet Burmeister deshalb die Festlegung der Staffelgrößen in der Landesliga auf jeweils nur zehn Mannschaften. „Wo du bisher 13 Heimspiele gehabt hast, hast du dann nur noch neun. Als Verein hast du die gleichen Fixkosten, aber die Einnahmen brechen ein.“ Obendrein seien Sponsoren natürlich nicht begeistert, wenn weniger mit ihren Werbeanzeigen versehene Hallenhefte verkauft werden. Warum also sollten Bezirksligisten noch Interesse daran haben, aufzusteigen? „Nach der Reform sind die Landesligen Pillepalle.“ Immerhin werde beim Verband überlegt, die Staffelgrößen doch noch nach oben zu korrigieren. Dann aber gäbe es wieder mehr Spiele ...

Burmeisters Vorschlag: keine Verbandsliga, dafür nur eine eingleisige Württembergliga

Statt die Verbandsebene zum Nachteil der Bezirke auszudehnen, wäre es für Heiko Burmeister weitaus gescheiter, die Bezirke zu stärken. Und wie würde man das erreichen? „Mit weniger Mannschaften auf Verbandsebene.“ Der Vorschlag des Trainers lautet: keine Verbandsliga, dafür nur eine eingleisige Württembergliga mit 14 Mannschaften sowie eine dreigleisige Landesliga mit jeweils ebenfalls 14 Mannschaften. „Dann hätte man im Verband nur vier Staffeln. Spielemäßig wäre das etwa gleich wie bei der jetzigen Reform, aber das Niveau wäre besser.“ Schwierigkeiten, was Auf- und Abstieg betrifft, nähme Burmeister dafür in Kauf. Und auch auf Relegationen würde er nicht verzichten: „Da hast du die Halle voll. Das ist ein schöner Wettbewerb, der nur nicht zu lange gehen darf.“

Wie aber bekommt man die Schiedsrichterproblematik in den Griff? Burmeister sieht das ganz pragmatisch. In jedem Verein gebe es Leute, die auch ohne Lizenz mal ein Kreisliga- oder Jugendspiel pfeifen könnten. Er selbst würde das natürlich machen: „Jeder Trainer ist auch Schiedsrichter. Ich pfeife im Training dreimal pro Woche ein Spiel.“ Aber würden auch Burmeisters vielleicht nicht ganz so handballverrückte Kollegen sogar in ihrer Freizeit noch durch die Sporthalle hetzen, bloß halt als Referee? Nun ja, da gebe es vielleicht nicht so viele, sagt Heiko Burmeister und muss selbst ein wenig lachen.


So läuft’s in der Württembergliga der Männer

Weil es in der kommenden Saison nur noch eine Württembergliga-Staffel geben wird, muss die Hälfte der Teams, die nun in den Männer-Staffeln Nord (14) und Süd (15) antreten, absteigen. Platz sechs reicht sicher zum Klassenverbleib, von Platz sieben oder acht an (hängt vom Ausgang in den Ligen darüber ab) geht’s runter in die zur Saison 2020/21 neu eingeführte Verbandsliga.

Ganz bitter wird’s für das Schlusslicht in der Staffel Nord sowie für den Letzten und Vorletzten in der Staffel Süd: Sie stürzen um zwei Ligen in die Landesliga ab. „Das ist echt hart“, sagt Heiko Burmeister, Trainer der Männer der SF Schwaikheim. „Aber ich find’s gut, weil dann der Wettkampfcharakter bis zum Schluss da ist.“ Die Teams würden alles geben, um ja nicht ganz hinten zu landen. Deshalb seien auch Siege über Favoriten möglich.

Nur die Staffelmeister steigen in die Baden-Württemberg-Oberliga auf. Eine Relegation gibt es nicht.

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