Vorstandschef erklärt Hintergründe Volksbank schließt Filialen im Rems-Murr-Kreis

, aktualisiert am 31.10.2019 - 10:29 Uhr
Seit Oktober im Vorstand, seit Juli Chef der Volksbank Stuttgart: Stefan Zeidler. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Nach etwas mehr als 100 Tagen im Amt gibt es bereits den ersten Paukenschlag: Der neue Volksbank-Chef Stefan Zeidler schließt zehn Filialen. Betroffen ist vor allem der Rems-Murr-Kreis.

„Ich bin lieber unbequem als unehrlich. Ich will nichts vorgaukeln“, sagt Stefan Zeidler, der die Volksbank seit Juli führt. Er kennt die Bank und die Region. Er ist in Stuttgart geboren, hat seine Lehre bei der Volksbank Cannstatt absolviert und lebt seit 20 Jahren in Schwaikheim.

Zeidler spricht Probleme klar an: „Wenn das Zinsniveau weiter sinkt, verlieren wir in den nächsten drei bis vier Jahren ungefähr fünf Millionen Euro im Jahr.“ Kein Pappenstiel. Zwar liegt die Bilanzsumme der Volksbank Stuttgart bei gewaltigen sieben Milliarden Euro - das ist doppelt so viel wie der Umsatz bei Stihl. Aber der Jahresüberschuss beträgt nur 20 Millionen Euro. Und diese Summe kann schnell weg sein, vor allem, wenn auch noch die Konjunktur in die Knie geht.

„Wir dürfen aber nicht blind sparen“, warnt Stefan Zeidler. „Wir müssen sehr genau auf das Kundenverhalten achten. Dienstleistungen, die nachgefragt werden, werden wir weiter anbieten. Was nicht mehr zeitgemäß ist, wird auf Dauer verschwinden. Die Entscheidung darüber treffen aber letztlich die Kunden durch ihr Nutzungsverhalten.“

Volksbank setzt auf Bankgeschäfte am Telefon

Dabei gibt es einen überraschenden Trend: Volksbank-Kunden greifen immer mehr zum Telefonhörer. Von sieben Uhr morgens bis 19 Uhr abends ist das sogenannte Kundendialog-Center der Volksbank ab Dezember erreichbar - zwölf Stunden am Tag, eine Stunde länger als bisher.

Am Telefon können Kontostände abgefragt, Daueraufträge bearbeitet oder Überweisungen getätigt werden. 50 Mitarbeiter arbeiten in dieser Einrichtung in der neuen Volksbank-Zentrale in Bad Cannstatt. 500 000 Anrufe pro Jahr werden derzeit verzeichnet. Tendenz: weiter steigend.

Zehn Standorte werden geschlossen

Stefan Zeidler will den Service am Telefon weiter ausbauen. „Wir reagieren derzeit nur auf die Wünsche unserer Kunden. Künftig wollen wir die Menschen aktiver ansprechen.“ Mehr Beratung am Telefon, Online-Banking und persönliche Beratung bei schwierigen Finanzfragen - der Volksbank-Chef will diese Möglichkeiten besser verzahnen.

Aber nicht alle Filialen werden dafür künftig gebraucht. Zehn Standorte schließt die Volksbank, davon sieben im Rems-Murr-Kreis. Drei Filialen werden komplett dichtgemacht, sieben in Selbstbedienungs-Standorte mit Automaten umgewandelt. Zusätzlich werden neun Filialen, darunter sechs im Kreis, nur noch an zwei oder drei Tagen in der Woche öffnen. Insgesamt bleiben der Volksbank 60 Filialen erhalten. Dazu kommen 30 SB-Standorte und 16 weitere Geldautomaten. Die neuen Öffnungszeiten gelten ab 9. Dezember. Die Filialschließungen werden zum 14. Februar 2020 vollzogen, die Umwandlung in SB-Standorte zum 17. Februar.

Entlassungen wird es wegen der Filialschließungen nicht geben. „Wir haben für alle betroffenen Mitarbeiter eine Lösung gefunden“, berichtet Zeidler.

Zunehmende Vorschriften für Bankgeschäfte bereiten dem Chef Sorgen

Sorge bereitet dem Volksbank-Chef die zunehmende Zahl an Vorschriften und Formblättern für das Bankgeschäft. Zeidler: „Sie können heute in der Mittagspause keine Daimler-Aktie mehr kaufen. Dafür reichen 30 Minuten nicht. Die Kunden verstehen das nicht mehr.“

Was ist mit den Bankgebühren? Bleiben die stabil? Auch hier will Stefan Zeidler nicht mehr versprechen, als er in Zukunft halten kann. „Die Dinge sind im Fluss“, sagt er. Niemand weiß etwa, wie lange die Niedrigzinsphase noch andauert. Eines sei für ihn aber klar: „Kunden, die mit uns eine breite Beziehung pflegen, werden immer bessere Preise erhalten als Kunden, die nur ein Produkt kaufen.“


Das ändert sich konkret bei den Filialen

Geschlossen werden von der Volksbank Stuttgart die drei Standorte Weinstadt-Schnait, Waiblingen-Beinstein und Winnenden-Birkmannsweiler.

In Selbstbedienungscenter mit Automaten umgewandelt werden Waiblingen-Hohenacker, Schorndorf-Weiler, Weinstadt-Strümpfelbach, Leutenbach-Nellmersbach. Dazu in Stuttgart die Filialen Giebel, Obere Ziegelei und Plieningen.

Hier werden die Öffnungszeiten auf zwei oder drei Tage die Woche reduziert: Schorndorf-Haubersbronn, Remshalden-Geradstetten, Leutenbach-Weiler zum Stein, Winnenden-Schelmenholz, Fellbach-Schmiden und -Oeffingen, Stuttgart-Neugereut, -Mühlhausen, -Seelberg.

Die neuen Öffnungszeiten gelten ab 9. Dezember. Die Filialschließungen werden zum 14. Februar 2020 vollzogen.

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