Wählerisch Speeddating kommt nicht in Fahrt

Urbach. Sind 15 Jugendliche viel oder wenig? Das liegt im Auge des Betrachters. Die meisten Kandidaten für den Gemeinderat, Vertreter der Verwaltung und des Jugendhauses waren allerdings enttäuscht, dass bloß so wenige der Einladung gefolgt waren, die an jeden Erstwähler verschickt wurde. Sie sollten zum ersten Urbacher Speeddating kommen und die Kandidaten für den Gemeinderat unter die Lupe nehmen.

Und so war die Chance für die Jugendlichen, intensive Gespräche mit den Kandidaten zu führen, ungewollt sehr groß. Auf 50 oder mehr hatten die Veranstalter, Jugendhaus und Verwaltung, gehofft und dafür jeden Erstwähler mit einem Anschreiben eingeladen, Werbung an Schulen, bei Vereinen und auf Facebook gemacht. Mit überschaubarem Erfolg. 15 kommen in die Auerbachhalle. Dort ist alles vorbereitet. Ein Video informiert im Vorraum über das Wahlprozedere und im Saal warten viele Kandidaten, die in den Gemeinderat wollen. Unter Sonnenschirmen, auf denen das Parteilogo (CDU, Freie Wähler, Grüne und SPD) prangt, stellen sich jeweils zwei Kandidaten der Bewerberfraktionen für das Ortsparlament den Fragen der potenziellen Erstwähler. Manchmal stehen auch sechs, sieben Kandidaten den Dreier- und Vierergruppen gegenüber. Es dauert, bis das Eis bricht.

„Habt ihr Fragen?“, beginnt Jonas Burkhardt hoffnungsvoll, mit 19 Jahren kaum älter als die Jugendlichen ist, die Fragerunde unter dem grünen Sonnenschirm. Als Antwort erntet er ein dreifaches schüchternes Kopfschütteln von Caren, Michelle und Tamara. So funktioniert kein Wahl-Date. Aber es gibt ja auch Liebe auf den zweiten Blick. Die beiden grünen Kandidaten berichten über ihr Parteiprogramm. Langsam wird aus dem Monolog ein Dialog. Themen wie die Urbacher Mitte, Jugendhaus und Sportangebote sorgen für Reaktionen. Nach zehn Minuten ist die erste Runde vorbei. Die Gruppen haben ihr nächstes Date.

Erdem, Stelios und Bugra stehen bei Detlef Holzwarth und Philipp Heid (beide CDU). Der Start ist auch hier zäh, das Ende aber vielversprechend. Holzwarth spricht über die Pflicht und Chance, sich zu engagieren. Heid versucht’s mit Internet. Dann legt Bugra los. Er fragt, wie’s denn mit dem Jugendhaus aussieht. Das gehört in die Mitte! Und wenn der Espach-Sportplatz wegfällt, dann benötigen die Jugendlichen Ersatz, und vereinslose Kicker brauchen einen Fußballplatz. Bugra hält die Flagge der Jungwähler hoch, liefert Gesprächsstoff. Sie müssten sich abends bei McDonald’s treffen. „Wir brauchen einen Ort, wo wir länger sitzen können“, sagt er, zentrumsnah. Dann klingelt’s wieder. Die zehn Minuten sind um, das nächste Treffen steht an.

Kandidaten drehen den Spieß um und stellen eigene Fragen

Bei der SPD sprechen Kandidaten und Jungwähler, die meisten der Jugendlichen wollen auch wirklich wählen, gerade über die Busanbindung in Urbach, nachdem der Start auch hier holprig war. Jürgen Schlotz dreht den Spieß um. „Wie sieht’s aus in Urbach?“, fragt er. Erst sind Jimmy und seine Begleiter sprachlos. Dann hat Jimmy doch noch eine Frage: Ein Kunstrasenplatz in Urbach wäre gut, sagt er, „für alle“. Die Tischmoderatoren schreiben’s auf die Plakate, die nachher als Ideen- und Themensammlung aufgehängt werden.

Beim Stand der Freien Wähler klärt Alexandra Stiltz gerade Tamara und ihre beiden Freundinnen darüber auf, was sie bei der Stimmabgabe beachten müssen. Sie fragt weiter: „Wisst ihr, was die Unterschiede zwischen den Parteien sind?“ So ergeben sich Gespräche, die nicht direkt nach dem Klingeln und mit einem dankbaren Blick der Schülerinnen enden, weil sie dadurch endlich erlöst werden. Auch nach Zeitablauf wird gesprochen und es stehen einige Themen auf den Plakaten. Claudia Fehleisen, Leiterin des Jugendhauses, zeigt sich zurückhaltend zufrieden: „Wenn diese 15 wählen, haben wir ein Ziel erreicht.“ Doch der Aufwand war groß, das Ergebnis mau, was an den Leuten lag, die nicht da waren. Am Engagement der Organisatoren, der meisten anwesenden Jungwähler und der Kandidaten hat es nicht gelegen, aber es gab einen deutlichen Überschuss an Erwachsenen. Die Jugendlichen fehlen. Die junge Michelle stellt fest: „Es interessiert nicht so viele Leute.“ Erstaunlich, dass fast keine älteren Jugendlichen da waren, sondern überwiegend 16- und 17-Jährige. Gymnasiasten? Fehlanzeige. Manch Kandidat hofft und vermutet, dass nicht jeder, der den möglichen Kommunalpolitikern einen Korb gab, automatisch Nichtwähler ist.

Wählerisch Videos

Hier findet ihr die Videos von

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