Wahl-Check Plüderhausen Kandidaten antworten auf Fragen der Flüchtlingshelfer

Manfred Wagner vom Arbeitskreis Flüchtlingshilfe. Foto: Schneider / ZVW

Plüderhausen. Was man zum Leben braucht: Kleider, Orientierung, Sprachkenntnisse, Kontakte, Fahrdienste, Arbeit, eine Wohnung: Für die Flüchtlinge bemüht sich der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe um viele Ressourcen, damit der Start in ein neues Leben gelingt oder ein Lebensabschnitt erträglich ist. Ein dringendes Problem ist Wohnraum. Auch ein zentraler Treffpunkt ist ein Wunsch der Helfer, berichtet Manfred Wagner in Folge vier unseres „Wahl-Checks“.

„Asyl ist Menschenrecht“, steht auf dem Plakat im Büro in der Flüchtlingsunterkunft in der Birkenallee zu lesen. Manfred Wagner muss das niemand sagen. Der rührige Macher im Arbeitskreis Flüchtlingshilfe tut, was er kann, um den 157 Menschen, die in Anschluss- oder Gemeinschaftsunterkünften in Plüderhausen leben, und jenen, die hier bereits anderweitig eine Bleibe gefunden haben, zu helfen. Zwei Tage vor dem Gespräch mit der Zeitung hat der 72-Jährige abends von der Landeserstaufnahmestelle erfahren, dass acht neue Flüchtlinge nach Plüderhausen kommen.

„Ohne Ehrenamt geht da gar nichts“

Die hauptamtlichen Mitarbeiter sind auf einer Fortbildung. Die Woche neigt sich dem Ende zu. Doch Manfred Wagner hat schon alle Eventualitäten für die Erwarteten im Blick. Unterkünfte natürlich, aber auch das Einlösen eines Schecks für die Unterstützung und die Öffnungszeiten der Bank, es kamen oft schon Flüchtlinge ohne Geld von der Landeserstaufnahmestelle, weiß er. Das Wochenende naht, die Menschen müssen etwas zu essen haben. Der ehemalige Lehrer hilft notfalls selbst mal mit „einem Scheinchen“ aus und wird die Ankommenden empfangen. „Es ist noch nie passiert, dass ich nicht da war.“ Wagner ergänzt: „Ohne Ehrenamt geht da gar nichts. Das ist klar.“

Das zeigt nicht nur der Blick auf die Angebote für die Menschen, sondern auch der auf die Zahlen. 157 Flüchtlinge leben in Plüderhausen zum Zeitpunkt des Gesprächs. Zwei Sozialarbeiter mit 1,4 Stellen, finanziert vom Land, stehen ihnen zur Seite. Darüber hinaus gibt es eine Mitarbeiterin der Gemeinde, die sich um Infrastrukturen wie die Gebäude, Heizung und Strom kümmert. Zu diesen 157 Menschen kommen weitere, die bereits eine Wohnung gefunden haben, aber auch noch Hilfe benötigen.

Rund 100 Helfer engagieren sich

Ein weites Feld also für die Ehrenamtlichen, und ein eindrucksvoll bestelltes. Rund 100 Helfer hat Manfred Wagner auf einer Kontaktliste zusammengefasst. Einige engagieren sich zum Beispiel in der Kleiderkammer, andere direkt als Betreuer, in der Sprachhilfe, der Fahrradwerkstatt, leisten Fahrdienste, ein Arzt ist dabei, wieder andere springen dort ein, wo ihre Hilfe gefragt ist, ohne ständige Betreuer zu sein. Es gibt ein Nähcafé als kleine Begegnungsstätte für Frauen und das „Mittwochsbüro“, in dem Helfer versuchen, bei Lebensläufen und Bewerbungsschreiben zu unterstützen, um den Start in einen Beruf zu erleichtern. Ein ganzes Netzwerk von Helfern gilt es also zu knüpfen und zu verknüpfen, zu informieren, ein „Ehrenamtsunternehmen“, wenn man so will, ist im Einsatz.

Dessen Arbeit hat sich ein Stück weit geändert. Soforthilfe ist immer noch gefragt, wenn neue Flüchtlinge in Plüderhausen eintreffen. Es gibt aber inzwischen auch viele Menschen, die seit ein, zwei Jahren hier leben. Sie brauchen keinen Anfänger-Sprachkurs mehr, nicht mehr die „Rund-um-die-Uhr“-Betreuung, sie haben Kontakte gefunden. Für sie stellt sich die Frage, wie das Leben weitergeht, wie sie in feste Bindungen kommen, ein Alltag beginnen, die eigentliche Integration gelingen kann.

Die Menschen nicht wegschicken müssen

Was hilft? „Wohnraum, das ist ganz bestimmt das Allererste“, sagt Wagner, „dass durch Verlegung und Wegzüge nicht die Leute wegmüssen und alles praktisch umsonst war“. Der Arbeitskreis versuche, die Menschen am Ort zu integrieren, erklärt der langjährige Flüchtlingshelfer. Komme eine Familie in einen anderen Ort, müsse sie neu anfangen. „Sie kennen niemanden, niemand kennt sie. Es wäre toll, wenn die Gemeinde alle Anstrengungen unternimmt, dass wir Anschlussunterkünfte kriegen und die Menschen nicht wegschicken müssen.“ Warum wegschicken? Manfred Wagner erklärt das Prozedere: Flüchtlinge müssen eine Gemeinschaftsunterkunft verlassen, wenn sie ihre Anerkennung bekommen haben oder seit zwei Jahren in der Unterkunft leben. Sie müssen nach einer Wohnmöglichkeit suchen. Finden sie keine, ist die Gemeinde für eine zuständig. Hat sie keine, wird das dem Landratsamt mitgeteilt. Dann werden die Menschen in eine Anschlussunterbringung verlegt, wo Platz ist.

Wunsch: Eine zentrale Begegnungsmöglichkeit

Wohnraum, das ist ein dringender Wunsch des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe. Es gibt noch einen weiteren. „Was wir uns sehr wünschen würden, ist, dass wir eine zentrale Begegnungsmöglichkeit hätten.“ Dort könnten zum Beispiel das Nähcafé, ein Sprachkurs für Frauen oder die Hausaufgabenhilfe unterkommen. „Ein zentraler Ort, wo jeder, der es braucht oder möchte, hinkommen kann“, fasst Manfred Wagner zusammen. Nicht nur für die Flüchtlinge, „auch für die Bevölkerung“, bekräftigt Manfred Wagner. Das Nähcafé etwa ist in einem Keller in der Mühlstraße untergebracht. „Es verirrt sich kein Spaziergänger in die Mühlstraße in den Keller“, vergleicht der 72-Jährige. Hätte aber eine Begegnungsstätte vielleicht gar eine offene Glasfront, könnte man sich mit dazusetzen und mit den Leuten ins Gespräch kommen. Der ideale Standort wäre „mittendrin, das wäre unser Wunsch“. So ähnlich ist’s mit der Kleiderkammer gelungen. Eine integrierte Lösung hätte da natürlich Charme. Mehr noch: „Das wäre unsere Traumvorstellung“, verrät Manfred Wagner.

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