Wahl-Check Plüderhausen Schaffer kandidiert, aber nur für vier Jahre

Hier möchte er Bürgermeister bleiben: Andreas Schaffer vor dem Plüderhäuser Rathaus. Foto: Benjamin Büttner

Plüderhausen. Mit 63 Jahren könnte Andreas Schaffer guten Gewissens in den Ruhestand gehen, die Welt bereisen, ein interessantes Ehrenamt ausüben, machen, was er will. Macht er auch: Er kandidiert noch einmal bei der Bürgermeisterwahl. Nicht für acht, aber für vier Jahre. Zu seinen wichtigsten Vorhaben zählen etwa die Remstal-Gartenschau, die Neugestaltung des Bahnhofsareals, das Schaffen von Wohnraum und bürgerschaftliches Engagement.

Video: Bürgermeister Anderas Schaffer - Rückblick und Ausblick.

Erneut kandidieren: Warum denn das? Andreas Schaffer ist seit 32 Jahren Bürgermeister in Plüderhausen. Hat er nicht Lust, etwas anderes zu machen? Als Privatmann durchs Leben zu gehen, sich Zeit zu nehmen für Hobbys und die Koffer zu packen für Ziele, auf die man immer schon neugierig war? Schaffer schmunzelt. „Das war natürlich schon Bestandteil der Abwägung.“ Die Abwägung sei dann halt in die andere Richtung ausgefallen. „Die Gründe, die ich für meine erneute Kandidatur angegeben habe, sind da und wiegen schwer“, sagt Schaffer. Und beginnt ganz allgemein. „Ich bin körperlich fit, bin noch neugierig, mir macht meine Arbeit Spaß.“ Und: „Ich sehe eine riesige Chance, den Ort in ein neues Level zu heben, das wir so noch nie hatten.“ Da spielt die Gartenschau eine große Rolle.

Bürgerbeteiligung ist in den letzten Jahren gewachsen

Das ist’s aber nicht allein. „Es kommen ein paar gute Entwicklungen zusammen“, erklärt Schaffer. „Etwas, das in den letzten Jahren gewachsen ist, ist die Bürgerbeteiligung.“ Die Bürgerenergiegenossenschaft sei entstanden, die Bürgerstiftung dynamischer und effektiver geworden, der Arbeitskreis Bürgerbeteiligung habe sich gegründet, der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe sei wieder aktiv geworden, daraus sei die Kleiderkammer entstanden, da sei die Seniorenwerkstatt ... „Sie bereichern das Leben schon deutlich“, sagt er über die Aktiven.

Ein anderer Grund: „Momentan läuft es im Rathaus sehr gut. Wir haben eine sehr gute Führungsriege.“ Auch in der Vereinslandschaft gebe es ein außergewöhnliches Engagement. Das alles, führt Schaffer aus, habe ihn jetzt „angezündet, neu begeistert vom Ort“. „Wir haben die Chance, jetzt einen großen Schritt zu machen“, findet er und nennt auch die Neugestaltung des Bahnhofsumfelds mit Lidl-Erweiterung, Rossmann-Neubau und anderem.

Das könnte auch ein neuer Bürgermeister anpacken. Aber, argumentiert der Amtsinhaber, das wäre „ein Bruch zu einer sehr ungünstigen Zeit“. Ein neuer Bürgermeister brauche Zeit, bis er „richtig drin“ sei.

Gartenschau soll einen dauerhaften Mehrwert für Plüderhausen haben

Wenn nun wer sagt: Nach 32 Jahren ist’s genug? Auch das hört man. „Da habe ich vollstes Verständnis. Ich bin in einer Situation, die ich nie wollte: dass der Eindruck entsteht, ich klebe am Amt. Aber seit zwei Jahren treibt mich das um.“ Er habe Verständnis, so Schaffer zu jenen, die meinen, nun sei’s doch gut. Dies sei auch ein Grund gewesen, „dass ich sage, ich mache es vier Jahre“. Eine „Halbzeit“, nennt er’s später.

Kränkt es ihn, dass mit einer Annonce im „Staatsanzeiger“ versucht wurde, einen Bürgermeisterkandidaten zu finden? „Man ist da schon überrascht g’schwind.“ Wer es war, wisse er nicht. „Ich nehme das zur Kenntnis. Die Bewerbungsfrist ist ja noch nicht abgeschlossen.“

Die Wahl, wohlan. Was plant Schaffer für die nächsten vier Jahre, falls er im Amt bleibt? Die Remstal-Gartenschau nachhaltig gestalten, sagt er als Erstes. Sie solle einen „dauerhaften Mehrwert für Plüderhausen“ bringen. Die Bürger machen sich Gedanken, machen mit. Den „Schwung“ will Schaffer mitnehmen, das „neu entstehende Wir-Gefühl.“ Vielleicht entsteht aus dem Kreis der Engagierten heraus einmal ein Ortsverschönerungsverein, überlegt er.

Was tun für Wohnraum? „Geld in die Hand nehmen, nichts anderes“

Einen weiteren Schwerpunkt setzt Schaffer bei der Neugestaltung des Bahnhofsumfelds. Die Gemeinde hat den Bahnhof und Gelände des Güterbahnhofs gekauft. Auch bei der Firma Kübler stehe eine Neuordnung des Geländes an. „Das ist eine Riesenchance.“ Neuen Anlauf will Schaffer für einen barrierefreien Bahnhof nehmen. Und: „Es wird ein neues Bahnhofs-Modernisierungsprogramm aufgestellt. Wir wollen uns bemühen, reinzukommen.“

Drittes Ziel: Wohnraum. Was tun? „Geld in die Hand nehmen, nichts anderes.“ Die Gemeinde müsse offensiv mitwirken. Schaffer spricht von „rentierlichen Schulden. „Wohnungsbau rechnet sich über 50 Jahre.“

Als weitere Ziele nennt er die Kinderspielplatzkonzeption, das Bürgerengagement, „ein Bürgerbus und ein offener Mittagstisch werden schon diskutiert“, und die Gemeindeentwicklung. Für die neue Stelle der Wirtschaftsförderin denkt Schaffer auch an ein Leerstands-Management.

Der Finanzrahmen war immer sehr eng

Zur Wahl gehören der Blick nach vorn und der Blick zurück. Wie sah der Ort aus, als Schaffer Bürgermeister wurde? „Man kann nicht sagen, dass es eine pittoreske Gemeinde war“, sagt er. „In Plüderhausen war der Finanzrahmen immer sehr eng.“ Den Marktplatz gab es noch nicht, es gab kein Seniorenzentrum mit Brunnenplatz, kein evangelisches Gemeindezentrum, keinen Penny, keine Unterführung in der Birkenallee, keinen Edeka und Lidl.

Das ist nun anders. Durch Ortskernsanierungen wurde viel Geld eingesetzt, drei Schulerweiterungen gab es in den vergangenen 30 Jahren. „Die letzte war sicherlich ein Highlight“, meint Schaffer zu den Maßnahmen 2011, bei der Sporthalle, Mensa und Ganztagsbetreuung entstanden. Die Hauptstraße wurde neu gestaltet und anderes mehr.

Stolz auf Theater, Festtage und Gemeindewerke

Stolz ist Schaffer etwa auf die Theater. Dem „Theaterbrettle“ hat die Gemeinde ein Grundstück in Erbpacht zur Bebauung überlassen. Das Theater hinterm Scheuerntor ist Mieter der Hilde-und-Hermann-Walter-Stiftung geworden. Es ist ein kleines Kulturzentrum mit Gastronomie entstanden. Stolz ist er beispielsweise auch auf die Plüderhäuser Festtage und die Gemeindewerke. „Da sind wir einen eigenen Weg gegangen“, sagt Schaffer. „23 Prozent von unserem Strom- und Gasnetz gehören Bürgern.“

Was würde der langjährige Bürgermeister heute anders machen? „Mir fallen immer wieder ein paar Sachen ein.“ Der Marktplatz etwa. Dort gebe es keine Geschäfte, er sei zu wenig belebt, nennt Schaffer Reaktionen. „Es war eine dynamische Entwicklung, dass sich Ladenflächen mit 80, 100 Quadratmetern nicht mehr tragen. Die kam erst später“, sagt er. „Es gibt einige Dinge, die nicht so gelaufen sind“, räumt er ein. Auch im Grundstücksbereich habe die Gemeinde wenig gemacht, man habe das Geld für die Kinderbetreuung investiert. Jahrelang sei ein Schrumpfen vorausgesagt worden. „Aus heutiger Sicht ist das für den Wohnungsbau nicht so optimal.“ Und er habe am Anfang „durchaus deftige Briefe geschrieben, um Kommunalpolitik zu gestalten, erinnert sich Andreas Schaffer. Das würde ich heute nicht mehr so machen“.


Kein höheres Amt angestrebt

Als Andreas Schaffer 1986 Bürgermeister von Plüderhausen wurde, war er 31 Jahre alt. Sein Sohn kam während des Wahlkampfs zur Welt, seine Tochter war damals fünf Jahre alt. Schaffer setzte sich im zweiten Wahlgang durch. Es war seine erste Kandidatur als Bürgermeister.

Andreas Schaffer kam 1954 in Aalen zur Welt, wuchs aber in Schorndorf auf. Er machte die Mittlere Reife und strebte den gehobenen Verwaltungsdienst an. Er ging zunächst nach Rudersberg ins Rathaus, wo damals noch der Bürgermeister Stiefel hieß. Nach Bundeswehr, Fachabitur und Ausbildung begann Schaffer ein Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Stuttgart, wo er Diplom-Verwaltungswirt wurde. Nach beruflichen Stationen beim Landratsamt als stellvertretender Leiter des Abfallbeseitigungsamts, in der Geschäftsstelle des Kreistags und als Mitarbeiter für Sonderaufgaben des Landrats, wechselte Schaffer als Hauptamtsleiter nach Baltmannsweiler. Von dort aus führte der Weg ins Plüderhäuser Rathaus.

Sein Amt als Bürgermeister übt Andreas Schaffer seit 32 Jahren aus. „Ich habe nie, nicht einmal, ein höheres Amt angestrebt. Ich fühle mich ein Stück weit bodenständig.“ Die Aufgaben hier hätten gereicht, er habe die Familie gehabt, und: „Mir hat der Beruf Spaß gemacht.“

Wahlkampf klassisch

Andreas Schaffer plant einen klassischen Wahlkampf. Er hat zum Beispiel eine Homepage eingerichtet unter www.andreas-schaffer.de und ist bei Facebook aktiv. Er bietet im Wahlkampf eigene Veranstaltungen an, darunter zum Beispiel einen Ortsrundgang zur Remstal-Gartenschau und einen mit dem Titel „Die Zukunft Plüderhausens“, es gibt eine Tour für Wanderer und Mountainbiker, „Wahl-Cafés“ und anderes mehr. Ob er auch plakatieren wird, sei noch offen, so Schaffer.

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