Wahl-Check Plüderhausen Thomas Hornauer bewirbt sich um das Bürgermeisteramt

Thomas Hornauer tritt als Bewerber bei der Bürgermeisterwahl in Plüderhausen an. Foto: Edgar Layher

Plüderhausen. Paukenschlag kurz vor Ende der Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl: Thomas Hornauer will Schultes von Plüderhausen werden. Der illustre Unternehmer, unter anderem Geschäftsführer der Plüderhäuser Firma Telekontor, die das Lichtkristallzentrum im Ort betreibt, hat gestern seine Bewerbung im Plüderhäuser Rathaus abgegeben.

Warum möchte Thomas Hornauer Bürgermeister in Plüderhausen werden? „Weil es mir Spaß macht, weil ich was bewegen will“, sagt Hornauer gegenüber unserer Zeitung. Er suche auch eine neue Herausforderung. Warum das? Das Lichtkristallzentrum sei fertig, der Umbau auch. „Der Feinschliff wird immer weitergehen“, so Hornauer. Aber: „Im Groben ist das jetzt abgeschlossen.“

Er wolle, erklärt der 57-Jährige, in Plüderhausen stabilisierend wirken durch seine unternehmerische Beständigkeit. Und: „Demokratie und Leben bedeutet halt auch ständige Veränderung. Deswegen sind meine zwei Kernthemen Stabilität und Veränderung“.

„Herr Hornauer, du bist mein Vorbild. Ich feiere dich“

Ganz viele Menschen seien unzufrieden und wollten Veränderung. Dafür stehe er, so Hornauer. „Ich liebe Kulturarbeit, neue Kulturen und Ideen zu schaffen.“ Seine Zielgruppe, die am meisten Unterstützung brauche, sei die Jugend. Seine Fans, erklärt Hornauer, seien Jugendliche aller Nationalitäten. Diese sagten ihm mitunter: „Herr Hornauer, du bist mein Vorbild. Ich feiere dich.“

Er habe, so erzählt Thomas Hornauer unter anderem auch, in den vergangenen zwölf Jahren in Thailand ein eigenes Dorf aufgebaut, „fast so groß wie Plüderhausen“, habe für Infrastrukturen gesorgt, Strom verlegt und anderes mehr. Er verstehe daher, was so eine Gemeinde brauche. „Wenn ich einer Gemeinde Stabilität und Wohlstand bringen will, da hilft nur eins: Geld.“

Der Marktplatz in Plüderhausen: „Komplett tot“

In Plüderhausen sei für die Menschen zu wenig Geld, in Bauobjekte aber zu viel Geld geflossen. Die Jugend liege ihm besonders am Herzen, unterstreicht Hornauer.

Sein Ziel sei es, für alle eine bessere Lebensqualität zu schaffen, „vor allem im Umgang im menschlich-sozialen Bereich. Ich möchte neue soziale Räume schaffen für die Jugend, für die Alten“. Der Marktplatz, merkt Hornauer zu Plüderhausen an, sei „komplett tot“.

Hornauer wäre im Fall der Wahl ein „unternehmerischer Bürgermeister“

Darüber hinaus wolle er die Gemeinde unternehmerisch führen, so er gewählt wird. „Ich bin kein Politiker“, sagt Hornauer. Für den Fall seiner Wahl als Bürgermeister stellt er in Aussicht: „Plüderhausen bekommt dann keinen Politiker, sondern einen unternehmerischen Bürgermeister.“ Er wolle auch etwas tun für die Unternehmer, fährt Thomas Hornauer fort. Er wolle Einzelunternehmen nach Plüderhausen ziehen, insbesondere Internet-Unternehmen.

„Die Region ist praktisch immer meine Heimat“

Thomas Hornauer kam in Reutlingen zur Welt. Er zog im Alter von sechs Jahren nach Welzheim und lebte dort von 1966 bis 1983. Dann kam er nach Plüderhausen und zunächst nach Walkersbach. „Die Region ist praktisch immer meine Heimat.“ Thomas Hornauer tritt als parteiloser Kandidat zur Bürgermeisterwahl an. Er ist ledig und hat drei Töchter. Zur Frage der Religion sagt er, er sei ein christlich geprägter, gläubiger Mensch.

Hornauer ist von Beruf Unternehmer und als solcher Geschäftsführer der Plüderhäuser Firma Telekontor GmbH und Co. KG, die im Ort das „Lichtkristallzentrum“ betreibt.


Werdegang von Thomas Hornauer

Nach einem Brand in der Edelsteinausstellung von Thomas Hornauer vor rund einem Jahr hatte unser Redakteur Jörg Nolle den Werdegang von Hornauer wie folgt zusammengefasst:

Thomas Hornauer ist ein Exzentriker, wie es keinen zweiten weit und breit gibt. Hornauer, 56 Jahre alt, brachte es von einem alten Firmengebäude mit Backsteinfassade in Plüderhausen aus als Geschäftsführer der Telekontor GmbH & Co KG durch das Betreiben zahlreicher 0190-Hotlines zum Multimillionär. Es handelte sich oft um Stöhnnummern („Ruf mich an!“), die nächtens im Sportfernsehen liefen. 2003 übernahm er den baden-württembergischen Sender B.TV. Die Landesanstalt für Kommunikation entzog ihm die Lizenz wieder, weil sie an Hornauers persönlicher Zuverlässigkeit zweifelte. Die SPD im Landtag hatte zuvor Journalisten nach Stuttgart gerufen. Gezeigt wurde ein Video-Clip mit Hornauer als Regisseur eines Telefonsex-Clips.

In Österreich durfte Hornauer weiterfunken. Jetzt hieß der Kanal Telemedial, wieder ging es um Astro- und Chatlines. Ein Gebräu aus Esoterik und Raunen aus dem Weltall, zu sehen als Streaming-Angebot online. Medienbeobachter bezeichneten diesen Sender als das Bizarrste, was es im Fernsehen zu sehen gab. 2015 eröffnete er eine Edelstein-Ausstellung mit Riesen-Klunkern in Plüderhausen, oft noch aufgeladen mit dem Christenkreuz als Symbol für etwas ganz Großes. Er rief dazu das „Heilige Deutsche Königreich“ aus. Eine, wie er mal verlauten ließ, „Mentaldemokratie gegen die Volksverblödung“. Gerne trat er für solche Statements im Königsgewand auf und setzte sich in einen vergoldeten Stuhl. Er selber fühlt sich selbstverständlich völlig verkannt als „Spinner“, „Großmaul“ und „Scharlatan“. Alles Bezeichnungen, die Beobachter für ihn fanden.

Einem Stuttgarter Journalisten gegenüber sprach er: „Ich tu seit zwölf Jahren nichts anderes, als mich von der gesellschaftlichen Domestizierung zu befreien. Das kostet Kraft ohne Ende.“ Dem Bürgermeister in Plüderhausen, dem Gemeinderat - zur Hoch-Zeit des Hornauer-Imperiums, als er von Ludwigsburg aus B.TV führte -, erschien er auf einmal wichtig. Man stritt im Rat, ob er seinen Prachtbau oben am Waldrand immer mehr ausdehnen darf, etwa mit einer Brücke im Garten. Man befasste sich damit, ob dem zweitwichtigsten Gewerbesteuerzahler nicht ein Hubschrauberlandeplatz genehmigt werden muss. Hornauer weiß und wusste, Leute für sich einzunehmen. Dann lud er sie in die VIP-Lounge zum VfB. Das war vor seinem Absturz ins Total-Esoterische. Seine Karriere rauf und runter an sich ist sagenhaft. Gelernt hatte er, Sohn von Welzheimer Wirtsleuten, bei Bauknecht einst Handformer. Das erste fette Geld verdiente er sich mit dem Bedrucken von T-Shirts.

Wahlen am 25. Februar

Am Sonntag, 25. Februar, wählen die Plüderhäuser ihren neuen Bürgermeister. Schafft im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit, würde ein zweiter Wahlgang am Sonntag, 11. März, stattfinden.

Bewerbungsschluss für alle Kandidaten war am gestrigen Montag um 18 Uhr.

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