Wahl-Check Plüderhausen Unterwegs im Wahlkampf mit Christian Maier

Christian Maier hat den Zuhörern im „Küferstüble“ seine Vorstellungen und Ideen in einem Bürgergespräch erläutert. Foto: Palmizi / ZVW

Plüderhausen. Wenn er gewählt wird, will Christian Maier die Ostüberführung umsetzen. Das verspricht er. Sonst sagt der 45-Jährige keine Projekte zu. Aber ein Kandidat, der Bürgermeister werden will, braucht natürlich Schwerpunkte und muss Verbesserungsbedarf aufzeigen. Kein ganz einfaches Unterfangen, wie ein Besuch bei einem Bürgergespräch des Bewerbers zeigt.

„Ich freue mich, dass Ihr so zahlreich erschienen seid“, begrüßt Christian Maier die Gäste. Der Bürgermeister-Kandidat, schick in Anzug und Krawatte, hat ins „Küferstüble“ zum Bürgergespräch mit den Schwerpunkten Jugend, Familie, Senioren und Soziales eingeladen. Etwa zehn Besucher sitzen da, es kommen noch ein paar im Laufe des Abends dazu. „Mein Name ist Christian Maier, und ich stehe für den frischen Wind“, stellt sich der Bewerber vor.

"Jugendheim" wird unter Maier wieder gebaut 

Jugend, Familie, Senioren, Soziales: Maier beginnt mit dem „Jugendheim“. Das sei unter Bürgermeister Roos aufgebaut, unter Bürgermeister Schaffer abgerissen worden, unter Bürgermeister Maier werde es wieder gebaut, sagt Maier. Die Jugendlichen hätten keine Möglichkeit zum Aufenthalt, sie würden rauswollen, reden, chillen. Er würde den Jugendlichen Verantwortung übergeben für ein kleines Häusle. „Das Jugendhaus ist gut organisiert bis zur Altersgruppe 13, 14“, so Maier. „Dann wollen sie raus.“ Einen Streetworker würde er für sie hinzuziehen. Es gebe viele Vereine im Ort. Aber: „Nicht jeder kann sich einen Vereinsbeitrag leisten. Nicht jeder will in einen Verein.“

Angebot in Kinderbetreuung erhalten und erweitern

Stichwort Kinderbetreuung: Der Bewerber sieht die Kindergärten „insgesamt sehr gut aufgestellt“. Das Angebot in der Kinderbetreuung würde Maier als Bürgermeister erhalten und erweitern. Beruf und Kinderbetreuung sollten gut vereinbar, Kindergartenplätze bezahlbar bleiben.

Ansprechpartner für Bürger

Für die Senioren ist dem Kandidaten Barrierefreiheit wichtig. Er nennt als Beispiel den Bahnhof, „der Dauerbrenner“. Barrierefreiheit sei fast nicht vorhanden, sagt der Redner. Grundsätzlich versichert Maier, er wolle Ansprechpartner sein für die Bürger. „Nur so können wir unser Plüderhausen nach vorne bringen.“

Maier regt Bürgerbus an

Auch den neuen Busfahrplan spricht Maier an. Wenn Senioren einen Arzttermin hätten, fahre fast vier Stunden kein Bus. Er hat dabei besonders die „Schwanfeldlinie“ im Blick. Maier regt auch einen Bürgerbus an. Einen Neunsitzer-Bus könne die Gemeinde übernehmen, das Sponsoring der HGV, rüstige Rentner könnten Senioren und Einkäufe heimfahren.

Ausstattung der Spielplätze "lässt sehr zu wünschen übrig"

Stichwort Spielplätze. Zahlenmäßig seien sie ausreichend, findet der Kandidat. Aber „die Ausstattung lässt sehr zu wünschen übrig“. Zur Gartenschau solle der Spielplatz auf dem Marktplatz ertüchtigt werden. Andere Spielplätze stünden im Haushalt, viele Projekte erst in der mittelfristigen Finanzplanung. „Papier ist geduldig“, so Maier. Er wolle da verbindlicher werden. Man könne auch mit bescheidenen Mitteln etwas realisieren, er sehe sich da als „kreativer Kopf“.

Pragmatische Lösung für den Badesee

Das Naherholungsgebiet am Badesee „muss einfach attraktiver sein“, stellt der Redner zudem fest und denkt an ein Beachvolleyballfeld. „Das kann man ad hoc ganz schnell umsetzen.“ „Das ist Ihre Meinung“, entgegnet eine Zuhörerin. Die Sanierung des Badesees sei wesentlich größer geplant gewesen, dann sei gestrichen worden. „Dann müssten Sie sich an den Gemeinderat wenden“, sagt sie. Man könne auch mit weniger Geld etwas tun, meint Maier. Man müsse nicht immer die perfekte Lösung suchen, sondern auch eine pragmatische. „Ich möchte auf jeden Fall eine Agenda, ein Leitbild: Wo sehen wir unser Plüderhausen in zehn, zwanzig Jahren“, ergänzt der 45-Jährige. Dann bittet er um Anregungen.

Ungenutzte Räume in der Schule

Dort, wo Straßen neu gemacht werden, werde die Absenkung der Bordsteine berücksichtigt, beim Altenheim seien mit dem „Grünen Anger“ einige Veränderungen sowieso geplant, meint eine ältere Zuhörerin unter anderem. Und bricht eine Lanze fürs Jugendhaus an der Schule: Die Mitarbeiter setzten sich „eisern“ ein, sie habe nichts auszusetzen. Wie auch am Standort: „In der Schule sind so viele Räume nicht genutzt.“

Das bestreitet der Referent nicht und lobt im Laufe des Abends auch ausdrücklich die Arbeit des Hauses. Man habe aber versäumt, die Altersgruppe der 14- bis 20-Jährigen zu fragen: „Was möchtet Ihr eigentlich?“ Mayer plädierte für eine einfache Hütte, wo diese auch Graffitys sprühen könnten. An der Schule sei Vandalismus präsent, „weil die Jugendlichen keine Verantwortung haben“, der Hühnerstall sei zerstört worden, Drogen würden umgeschlagen, sagt Maier. Er regte zum ganzen Thema eine „Projektgruppe Jugend“ an.

Die Zuhörer beteiligen sich, haken nach. Gibt es vielleicht eine leerstehende Immobilie für die Jugendlichen? Muss die Gemeinde jedem Trend nachgehen? Und: Das Jugendhausteam kümmere sich „sehr wohl auch um die etwas älteren Jugendlichen“. Sein Neffe, ergänzt ein Gast, gehe ins Jugendhaus und sei „vollauf zufrieden“. Doch auch das gibt es: Jugendliche treffen sich am Spielplatz, sie müsse Scherben, Bierdeckel und Müll einsammeln, sagt eine Frau.

"Barrierefreiheit muss sein"

„Barrierefreier Bahnhof: Was haben Sie für Ideen?“, fragt ein Gast. „Barrierefreiheit muss sein“, betont Maier. Es solle anhand einer Agenda entschieden werden, was das wichtigere Thema für Plüderhausen sei. Die Bürger sollten entscheiden: „Wollen wir einen neuen Bauhof oder einen neuen Bahnhof?“ Maier meint, das Ziel müsse ein barrierefreies Plüderhausen sein.

„Wie viel Budget hat das Rathaus?“, lautete eine Frage. Das könne man so nicht sagen, meint der Kandidat. Die Einnahmesituation sei sehr komfortabel, davon ging Maier aus. Den Schuldenstand bezifferte er mit Eigenbetrieben auf 23 Millionen Euro. „Da kandidieren Sie in einer Gemeinde mit solchen Schulden“, wundert sich ein Zuhörer. Er sehe sich, aus der freien Wirtschaft kommend, gut gerüstet, sagt Maier. Er wolle die Finanzpolitik der vergangenen Jahre nicht beurteilen. „Ich stehe für die Zukunft.“


„Sie werden trotzdem auf dem Marktplatz sein“

Gibt es Vandalismus an der Hohbergschule? Es gab in den Sommerferien Probleme, sagt die Polizeidirektion Aalen. Es gab einige Sachbeschädigungen, auch am Hühnergehege. Seitdem sei „Ruhe“. „Wir haben das Phänomen auch andernorts in den Sommerferien.“ Werden Drogen an der Hohbergschule umgeschlagen? „Das Drogenproblem ist überall zugegen an allen Schulen.“ Die Hohbergschule sei nicht mehr auffällig als andere Schulen. Ist sie als Drogenumschlagplatz aufgefallen? „Überhaupt nicht“, so der Mitarbeiter der Pressestelle der Polizeidirektion. Er wolle nicht ausschließen, dass der eine oder andere Schüler ein Drogenproblem hat. „Das heißt nicht, dass die Schule ein Drogenproblem hat“, unterstreicht er.

Das Thema Jugend nahm im Bürgergespräch breiten Raum ein. Wie’s der Zufall wollte, kamen eine Mitarbeiterin des Jugendhauses und ein Jugendlicher zum Gespräch dazu. Die Fachfrau stellte die Öffnungszeiten des Jugendhauses richtig und äußerte Zweifel an zusätzlichem Bedarf an Aufenthaltsmöglichkeiten für etwas ältere Jugendliche. „Sie werden trotzdem auf dem Marktplatz sein“, ergänzte sie.

Wie hoch ist der Schuldenstand Plüderhausens? Zum 1. Januar waren’s 13,1 Millionen Euro (Kernhaushalt und Eigenbetriebe). Ende 2021 könnten es 21,3 Millionen Euro werden, wenn alle Investitionen, die mittelfristig angedacht sind, auch getätigt werden, so die Kämmerei der Gemeinde. Wann sollen die Spielplätze der Gemeinde verbessert werden? In diesem und im nächsten Jahr, so die Verwaltung.

  • Bewertung
    10

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!