Wahl-Check Remshalden Hornauer gefällt sich in neuer Rolle

Thomas Hornauer im Gespräch. Im Hintergrund das Remshaldener Rathaus. Foto: Habermann/ZVW

Remshalden/Urbach. Nach Plüderhausen und Welzheim tritt Thomas Hornauer auch als Bürgermeister-Kandidat in Urbach und Remshalden an. Bei offiziellen Terminen sorgte er bisher für Tumulte: In Plüderhausen rief der Schultes die Polizei, in Welzheim trat er im Königskostüm und mit Kuhglocke auf. Er gefiel sich in der Rolle des Provokateurs. Am Mittwoch bei der Kandidatenvorstellung in Urbach und auch beim Pressetermin vorm Rathaus in Remshalden trat er gemäßigt auf. Wer ist dieser Thomas Hornauer? Bloß ein Spaß-Kandidat?

Über das Leben des schillernden Medienunternehmers Thomas Hornauer hat in den vergangenen Jahren nicht nur der Zeitungsverlag Waiblingen berichtet. Hornauer brachte es angeblich zum Millionär mit 0190-Hotlines, Stöhnnummern, die nachts im Fernsehen liefen. Er behauptet allerdings, er habe kein Geld mit Telefonsex verdient, sondern mit Chatlines. Dort hätten sich Männer und Frauen einwählen können, um sich auszutauschen. Die Werbung für diese Clips sei jedoch „immer erotischer“ geworden, räumt er ein. Versuchen wir, die Vergangenheit des 57-Jährigen außen vor zu lassen, widmen wir uns dem Bürgermeister-Kandidaten – wobei das schwierig ist. Denn Hornauer sieht die Wahlen vor allem als Chance, Eigenmarketing zu betreiben.

In Welzheim trat Thomas Hornauer als Provokateur auf

Bei öffentlichen Wahlveranstaltungen beschwert sich Thomas Hornauer regelmäßig, der Zeitungsverlag Waiblingen würde mit seiner Berichterstattung die Wahlen manipulieren. Bei den ZVW-Podiumsdiskussionen wetterte er los, beruhigte sich schnell und hielt in Welzheim fest, niemand müsse mehr Angst vor ihm haben, er habe sein „Intro losgelasen“. Seine Auftritte sind Provokation, Inszenierung, mitunter Unterhaltung. Bei der Kandidatenvorstellung in Urbach am Mittwoch wollte er in die Rolle des Analytikers und „Heilers“ schlüpfen. Der Königsmantel schien am Haken zu hängen. Er trug Anzug. Auch vor dem Rathaus in Remshalden.

Ist das ein Zeichen von neuer Seriosität? Er habe ja gewusst, dass die Zeitung einen Fotografen mitbringt. „Das ist mein Gewinner-Hemd“, ruft er und lacht. Auch unter einem Königsmantel könne er einen Anzug tragen, und sich so spontan für einen Auftritt entscheiden. Was manche Bürger bisher von seinen Auftritten halten, wurde in Urbach deutlich. „Jetzt kommt Kasperletheater“, prognostizierte ein Gast am Mittwoch, als Hornauer die Bühne betrat. Doch besonders Beginn und Ende seiner Vorstellung deuten an, er ist dieses Mal nicht auf Tumult aus. Er kann auch humorvoll und (selbst-)ironisch. Er stellt fest, die Gemeinde sei wegen des Waldhauses gespalten. Er trete an, um so viele Stimmen zu erhalten, dass ein zweiter Wahlgang notwendig wird. Dann sei die Waldhaus-Frage entschieden und die Kandidaten stünden im Vordergrund. „Urbach braucht Heilung.“ Er äußert Verschwörungstheorien, ein ordentlicher Bürger müsse den korrupten Rechtsstaat unterwandern, und fährt Angriffe gegen einzelne Urbacher. Er wechselt die Rollen, ohne sein Outfit zu ändern.

Wahltournee statt Wahlkampf

Der Anzugträger Hornauer will sich in Remshalden ins Zeug legen, keinen Wahlkampf führen, sondern eine Wahltournee. Flyer wie jener für Urbach soll es bald geben: Wohlstand, Menschlichkeit, Unternehmen fördern. In Remshalden habe er ein „super Gefühl“. Das zähle. Das Urbacher Rathaus sei zu eng. Mit seinen internationalen Verbindungen könne er den Standort Remshalden stärken. Was schwebt ihm vor? „Smart-City“, sagt er, ohne konkret zu werden. Im Welzheimer Wahlkampf wurde angemerkt, abends müssten mehr Busse fahren. Busse? Ein Thomas Hornauer würde eine Mitfahr-App entwickeln.

Sieht er sich als Spaßkandidat? Nein. „Ich bin Dynamiker, Multitasker.“ Fünf Ortsteile gebe es in Remshalden, das erfordere seine Dynamik. Für Urbach gebe es zwei bessere Kandidaten. Hier nicht. Er will Bürgermeister werden – doch eigentlich viel mehr. Es fällt der Satz, „Molt wird es halt“, Gegenkandidat Reinhard Molt. Und so nähern wir uns der eigentlichen Antriebskraft von Thomas Hornauer.

„Werde ich nicht Bürgermeister, war es gute Markenbildung!“

Die Medien hätten „mich zum Unmenschen gemacht, der ich nicht bin“, sagt der 57-Jährige. Der umstrittene Unternehmer Thomas Hornauer nutzt die Wahlen als Bühne, um sich mit Hilfe dieses „ernsten öffentlichen Themas“ den Menschen zu präsentieren. Bürgermeisterwahlen als Mittel zum persönlichen Zweck der Markenbildung. Der Clou aus seiner Sicht: „Bin ich damit Bürgermeister geworden, bin ich Bürgermeister. Werde ich nicht Bürgermeister, war es gute Markenbildung!“

Wie passt es dann dazu, dass er erst vor wenigen Wochen als Kuhglocken-Läuter und biertrinkender Zuschauer bei Wahlveranstaltungen bei vielen Wählern für Irritationen gesorgt hat?

Warum so provokativ? Ein alkoholfreies Weizen als Provokation? Hornauer nennt es „menschlich“, er lasse sich „eben nicht verbiegen“, spielt er die Karte des Außenseiters gegen das von ihm kritisierte „Establishment“ im Rems-Murr-Kreis.

Die Gemeinde als Wirtschaftsbetrieb

Ob er und Dauerkandidatin Fridi Miller nicht das Amt des Bürgermeisters beschädigen? Nein. Er nutze die Möglichkeit, die der Gesetzgeber biete. Bürgermeister würden direkt gewählt. Er sieht es so: Als Unternehmer habe er mit der Formel „Was kann ich, was macht mir Spaß“ Millionen verdient. „Was ich mache, mache ich, weil ich es will. Die große Angst, die ich habe, ist es, zu gewinnen!“, wieder lacht er. Wenn es so käme, sei es eine gute Sache. „Auf jeden Fall Hornauer wählen!“ Er sei erreichbar: Facebook, Handy, „interaktive Zugänge“.

Er sei kein Verwaltungsfachbeamter, aber ein „Verwaltungsexperte“, und eine Gemeinde sei ein Wirtschaftsbetrieb. Gebe es Arbeitsplätze, gehe es allen gut. So spricht der Kandidat, der einen Vorteil sieht: Das Thema Reichsbürger stehe in Remshalden im Mittelpunkt. Alle hätten sich auf Kandidat Fischer eingeschossen, „da habe ich es ruhig in der Mitte“.

Jede Gemeinde kriege den Bürgermeister, den sie verdiene. Gegebenenfalls habe Remshalden ihn ja verdient. In dieser Rolle gefällt sich Thomas Hornauer.


Hornauers Mentaldemokratie

Der 57-jährige Medienunternehmer muss wissen, dass er auch in Remshalden keine realistische Siegchance hat. Ist seine als Wahltournee titulierte Imagekampagne ein Rachefeldzug gegen jene, die ihn aus seiner Sicht „als Unmensch“ dargestellt haben? Nein. Er habe die Absicht, Wahl-Erfahrungen zu machen. Nun wirft er sich verbal auch vor dem Remshaldener Rathaus den Königsmantel über die Schultern: Als König des „Vereinten Heiligen Deutschen Königreichs“, das er 2008 ausgerufen hat, wolle er einen „Schritt zurückmachen“, an der Wurzel anfangen, ganz unten Verantwortung übernehmen. König Thomas? Hornauer lässt sich gerne, mitunter besteht er darauf, als „Königliche Hoheit Thomas G. Hornauer“ ansprechen. Auf seiner Internetseite heißt es: „Am 5. Dezember 2007 definierte Seine Königliche Hoheit den Schnittstellenpunkt zwischen Fischezeitalter (Patriarchat) und Wassermannzeitalter (Matriarchat) und gründete das Lichtkristallzentrum in Plüderhausen. Dort arbeitet er seither mit Kristallen, Licht und Musik.“

„2008 rief Seine Königliche Hoheit, zusammen mit den telemedialen Freunden, das Vereinte Heilige Deutsche Königreich aus, eine Vision, die die wahre Lehre Christi und die Lehre Buddhas harmonisch vereint.“ Dieses Reich sei eine „Mentaldemokratie, ein organisch lösungsorientiertes System“.

Live-Übertragung

In Remshalden wird am Sonntag, 6. Mai, gewählt. Es gibt vier weitere Bewerber: Reinhard Molt, Axel Fischer, Friedhild Miller und Klaus Schäufele.

Am Dienstag, 17. April, findet um 19 Uhr die Bewerbervorstellung der Gemeinde in der Jahnhalle in Grunbach statt. Am Montag, 23. April, 19 Uhr, stehen die Kandidaten bei der Podiumsdiskussion des Zeitungsverlags Waiblingen Rede und Antwort. Es gibt eine Live-Übertragung, die unter www.zvw.de/remshaldenlive oder facebook.com/zvwonline verfolgt werden kann.

In Plüderhausen und Welzheim wurde Hornauer nicht gewählt. Er holte knapp fünf Prozent der Stimmen. Seine Ambitionen? In Plüderhausen wollte er Bürgermeister Andreas Schaffer einen demokratischen Abgang verschaffen, der habe ja nie einen Gegenkandidaten gehabt. „Zu einer Demokratie gehört eine Wahl.“ Er wollte die Wahlbeteiligung erhöhen und habe dieses Ziel erreicht, habe den Siegen von Schaffer und Thomas Bernlöhr in Welzheim Glanz verliehen, urteilt er.

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