Wahl-Check Rudersberg Kandidat Bernd Hegwer im Gespräch

Bernd Hegwer lebt seit vielen Jahren in Rudersberg und möchte hier Bürgermeister werden. Foto: Habermann/ZVW

Rudersberg. Bernd Hegwer hat’s spannend gemacht. Erst kurz vor Ende der Frist hat sich der 54-Jährige für das Amt des Bürgermeisters beworben. Der parteilose Maschinenbaumechanikermeister macht einige Handlungsfelder in Rudersberg aus, den Nahverkehr und eine Umgehungsstraße zum Beispiel. Generell will er den Menschen zuhören. „Die Gemeinde nimmt nicht an, was von draußen kommt“, findet er.

„In dieser Gemeinde läuft einiges nicht so toll“, sagt Bernd Hegwer. Die Teilorte zum Beispiel, meint er, „fühlen sich abgehängt“. Viele Jahre nach der Kreisgebietsreform sei Rudersberg noch kein Ganzes. Auf dem Fußweg von Rudersberg nach Schlechtbach hörten die modernen Laternen und das neue Pflaster plötzlich auf, „ein regelrechtes Symbol, dass was nicht stimmt“, findet Hegwer. Die neue Ortsdurchfahrt sei nicht vordringlich gewesen. „Man baut etwas auf, das dann nicht funktioniert“, kritisiert der Bewerber. „Das hat den Charakter einer Fußgängerzone, aber extremen Durchgangsverkehr.“

Dass das von der Gemeinde beantragte Lkw-Durchfahrtsverbot kommt, glaubt Hegwer nicht. „Das wird sich das Land nicht gefallen lassen.“ Und wenn man mehr Gewerbe will, „das kommt auch nicht mit dem Ballon“. Wobei er klarstellt: „Natürlich brauchen wir Gewerbe.“ Aber: „Es darf die Lebensqualität darunter nicht leiden.“

"Nicht jeder will Straßen, aber jeder will Auto fahren"

Apropos Verkehr: „Wir führen den Verkehr durch die Orte durch. Das ist nicht zeitgemäß“, so der Kandidat. „Nicht jeder will Straßen, aber jeder will Auto fahren.“ Man müsse sich zusammensetzen. „Da muss jeder jedem zuhören.“ Bernd Hegwer spricht sich für eine Umgehungsstraße von Miedelsbach an Michelau, Schlechtbach und Rudersberg vorbei aus. Einen Schallschutz könne man so gestalten, dass keine Betonmauer entsteht, durch Bäume oder Bepflanzung.

Es gab einen Bürgerentscheid gegen eine Planung zu Umfahrungen von Michelau und Schlechtbach. „Der alte Plan geht nur bis Rudersberg. Es gab noch keinen fertigen Plan darüber hinaus“, meint Hegwer zu weitergehenden Planungen. „Das hat der Sache das Genick gebrochen.“ Hegwer ist für eine Umfahrung. „Auf jeden Fall. Auch, wenn die Mehrheit dagegen ist.“

Nahverkehr und Einzelhandel

Zum Nahverkehr macht er sich ebenfalls Gedanken. Zum Wiesel etwa. Die Strecke ist bis Welzheim ausgebaut. „Da ist viel Geld ausgegeben worden. Da haben sich viele engagiert. Warum nutzt man das nicht besser?“ Schüler könnten zum Beispiel nach Welzheim fahren und auch andere. Überhaupt ließe sich die Wieslauftalbahn besser nutzen, etwa mit einem Seniorenpass. Der Takt des „Wiesels“ reiche aus, Bernd Hegwer geht es um die Auslastung.

Zum Einzelhandelsstandort findet Bernd Hegwer: „Für den täglichen Bedarf habe ich hier alles.“ Alteingesessene, etablierte Geschäfte gebe es, aber auch immer mal wieder Wechsel und Leerstand. „Entweder ist der Standort nicht richtig, oder die Bedingungen stimmen nicht.“ Die Gemeinde könne für Ansiedlungen nur Rahmenbedingungen schaffen. Man fühle sich in dem Bereich nicht gehört. Eine Fallanalyse braucht’s, sagt Bernd Heger. „Die Gewerbetreibenden wissen’s am besten.“ Man müsse mit den Fachleuten sprechen. „Das hat wohl scheinbar nicht so hundertprozentig funktioniert.“

Miteinander reden, darauf legt er Wert

Hegwer will, falls er Bürgermeister wird, dafür sorgen, dass die Menschen Gehör finden. Miteinander reden, darauf legt er Wert, „ich finde das sehr wichtig“. Und ergänzt ein Beispiel, wo das nicht funktioniere. In seinem Sportverein, erzählt er, gebe es gute Jugendarbeit, Leute setzten sich ein, opferten viel Freizeit. Aber die Duschen funktionierten nicht richtig - nach einer Renovierung. Das sei bekannt gewesen. „Das ist symptomatisch für das Nicht-Zuhören“, betont Hegwer und sieht ähnliche Probleme bei anderen Vereinen. „Die Gemeinde nimmt nicht an, was von draußen kommt. Die Leute haben sich Gedanken gemacht, werden nicht gehört und ausgebremst.“ Hegwer will das anders machen, wenn er zum Bürgermeister gewählt wird.

Warum hat es mit der Bewerbung so lang gedauert? Er habe überlegt: „Was kann ich anbieten? Was traue ich mir zu? Kann ich das überhaupt?“, erzählt Bernd Hegwer. Er habe einen guten Kontakt zu Leuten, könne zuhören, habe Respekt gegenüber der Arbeit von anderen und sei gewohnt, mit Leuten auszukommen, sagt Hegwer über sich.

Fünf Mitbewerber: „Das macht doch die Sache interessant“

Dass nun schon fünf Mitbewerber da sind, stört ihn nicht. „Das macht doch die Sache interessant. Es bringt für die Gemeinde was. Es entstehen Ideen.“ Aber natürlich verteilen sich die Wählerstimmen auf ein breiteres Spektrum. Hegwer nimmt’s gelassen. „Mein Leben geht auch weiter, wenn ich nicht Bürgermeister bin.“

Bernd Hegwer ist Maschinenbaumechanikermeister. Erfahrung durch ein kommunalpolitisches Amt hat er nicht. Eine kommunale Verwaltung zu leiten, fordert vielfältige Kenntnisse und Fachwissen. Doch die neue Materie schreckt Bernd Hegwer nicht. „Man hat ja Mitarbeiter, Kollegen sozusagen. Mit denen muss man zusammenarbeiten. Da muss man sich reinfinden. Ich sehe da nicht das große Problem.“ Er sei, unterstreicht Hegwer, kein Verwalter. „Ich bin aus der Reihe der Macher. Vielleicht schadet das auch dem Amt mal nicht.“

Wahlprogramm soll noch in Form gebracht werden

Wie ist der Wahlkampf in der verbleibenden Zeit geplant? Plakatieren will Bernd Hegwer nicht, er findet’s „nichtssagend“. Er will sich an der Wahl-Serie unserer Zeitung beteiligen, an den offiziellen Bewerbervorstellungen teilnehmen und Kontakt zu Vereinen suchen. Visitenkarten in der S-Bahn verteilen ist seine Sache nicht. „Das mache ich nicht.“ Er sei aber im Ort unterwegs. „Man kann mich jederzeit ansprechen.“ Wahlveranstaltungen in den Teilorten plant Bernd Hegwer nicht. Ein Wahlprogramm will er noch in die entsprechende Form bringen. Aber, ergänzt Bernd Hegwer, er sei „wirklich einer, der lieber mit den Leuten direkt spricht. Es wird an vielen Stellen viel geschrieben und wenig gesagt.“
 

Hobby: Motorrad

Bernd Hegwer stammt aus Dresden. Dort hat er Mechaniker gelernt. Er hatte einen Ausreiseantrag gestellt und kam kurz vor der Maueröffnung in die BRD. Er ist Vater von zwei Töchtern, trennte sich von seiner Frau und zog die Mädchen groß. Seit vielen Jahren lebt Hegwer in Schlechtbach.

Bis vor kurzem hat Bernd Hegwer Tischtennis gespielt bei den Sportfreunden Steinenberg. Jetzt ist er Ersatzspieler. Nun fährt er Motorradrennen. Bei einem Bekannten fährt er als Beifahrer in einem Oldtimer-Gespann. „Wir fahren in der neuen Saison in der Deutschen Historischen Meisterschaft.“ Der 54-Jährige besitzt einige Motorräder und ist auch gern Zuschauer beim Motocross.


Bernd Hegwer ist bei Facebook angemeldet. Er hat keine eigene Homepage.

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