Wahl-Check Rudersberg Was tun gegen den Verkehr?

Der Durchgangsverkehr ist seit langem ein Reizthema. Foto: Büttner/ZVW

Rudersberg. Wo sind Maßnahmen zur Minderung der Verkehrsbelastung nötig? Welche Maßnahmen halten Sie für realistisch umsetzbar? Das haben wir die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl gefragt. Hier lesen Sie die Antworten.

Die Antworten von Rüdiger Burkhardt

Gemäß Lärmaktionsplan Rudersberg 2010 sind die Anwohner entlang der Belastungsachsen L 1080 und L 1148 in Rudersberg, Schlechtbach und Michelau bis auf wenige Ausnahmen durchgängig von Lärmemissionen belastet, die im gesundheitsgefährdenden Bereich liegen. Auch in Oberndorf ist die Lärmbelastung hoch. Der höchstbelastete Bereich ist der Straßenabschnitt Dr.-Hockertz-Straße zwischen Marktplatz und Steinhaldenweg, in dem sich der Lärm in der geschlossenen Straßenrandbebauung fängt. Grundsätzlich ist die Belastung nachts stärker als tags.

Positiv ist, dass die seit 2010 ergriffenen Maßnahmen wirken. Die Tempo-30-Zonen in Rudersberg und Schlechtbach sowie die Bremsinsel in Michelau halten Auto- und Lkw-Fahrer ab, die inzwischen weniger gern durch Ruderberg fahren.

Das Verlängern von Tempo 30-Zonen ist mit einer Lärmreduzierung von drei Dezibel an den Wohnhäusern verbunden. Fahrbahnen können mit einem lärmmindernden Lochasphalt-Belag ausgestattet werden. Was den Lärm nochmals um drei Dezibel reduziert. Neben dem Hauptort Rudersberg sollte sich nun in den Teilorten entlang der Belastungsachsen Schlechtbach, Michelau und Oberndorf eine verkehrsberuhigende städtebauliche Aufwertung entwickeln. Dies wirkt auch als Ausgleich zwischen den Teilorten.

Der öffentliche Nahverkehr ist weiter zu fördern. In der Flächengemeinde Rudersberg bietet sich ein Gemeinderingbus oder ein Ruftaxi an. Dies reduziert nicht nur den Individualverkehr und damit den Lärm. Vielmehr hilft dies auch älteren Mitbürgern, Wege des täglichen Lebens besser zu erledigen.

Die Antworten von Raimon Ahrens 

An den Hauptverkehrsstraßen - dort ist die Verkehrsbelastung naturgemäß am größten. Durch die Einführung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen hat eine weitere Verlagerung des überörtlichen Verkehrs stattgefunden, auch zulasten der Gemeinde Rudersberg. Das Thema Verkehrsbelastung muss man auch überregional betrachten, Stichwort Ausbau der B 14 oder Bau der Ortsumfahrung Miedelsbach. Als Bürgermeister werde ich mich dafür einsetzen, dass diese überregionalen Projekte aufeinander abgestimmt werden. Ein Punkt, der auch zur Minderung des Verkehrs beitragen kann, ist die grundsätzliche Frage, die jeder für sich beantworten muss: Für welche Fahrten brauche ich tatsächlich das Auto, oder kann ich die Strecke auch anderweitig bewältigen?

Ein wichtiger Punkt zur Minderung der Verkehrsbelastung ist die Einführung eines Lkw-Durchfahrtsverbots ab zwölf Tonnen. Gemeinsam mit den Nachbarkommunen sehe ich gute Chancen, dieses gegenüber dem Land auch durchzusetzen. Weiterhin werde ich mich für den Bau eines Kreisverkehrs am Ortseingang von Michelau einsetzen. Dieser bremst den Durchgangsverkehr und erleichtert das Abbiegen von oder nach Asperglen. Bei der Sanierung von Ortsdurchfahrten gilt es passende und funktionierende Planungen zu entwickeln. Diese müssen auf den jeweiligen Ortsteil abgestimmt sein. Weitere Maßnahmen zur Reduzierung des Individualverkehrs sind die Umsetzung eines Radverkehrskonzepts für Alltags- und Ausflugsverkehr oder die Zusammenarbeit mit lokalen Mitfahrbörsen.

Die Antworten von Martin Herrmann

Verkehr belastet die meisten Ortsteile der Gemeinde Rudersberg. Maßnahmen zur Reduzierung sollten deshalb auch so getroffen werden, dass sie nicht nur punktuelle Entlastung bringen! Konkret sind Maßnahmen auf der Nord-Süd-Achse von Seelach bis Michelau und auf den Ost-West-Achsen von Steinenberg – Michelau – Asperglen – Krehwinkel sowie Klaffenbach – Oberndorf erforderlich. Besonders die Einfahrtsituation auf der Backnanger Straße ist wirksam zu entschleunigen, ebenso die Einfahrtsituationen nach Oberndorf. Auch in kleinen Teilorten, wie zum Beispiel dem Edelmannshof, sind verkehrsberuhigende Maßnahmen dringend erforderlich. Auch auf der Wieslauftalbahn müssen Maßnahmen ergriffen werden, die Belastung durch den Verkehr zu vermindern.

Nach dem Vorbild der Schurwaldübergänge ist im Verbund mit Allmersbach und Schorndorf ein überregionales Lkw-Durchfahrtsverbot erreichbar. Das hält Mautvermeidungs- und Abkürzungsverkehr aus dem Tal. In Michelau führt ein Kreisverkehr bei der Abzweigung nach Asperglen ebenso wie eine entsprechende Gestaltung der Ortsdurchfahrt Schlechtbach zur Verkehrsberuhigung. Damit kann die Wirkung der geplanten Ortsumfahrung Miedelsbach kompensiert werden. Die Tonnagebeschränkung auf der Strecke von Steinenberg nach Steinbruck ist konsequent zu überwachen, an den Ortseinfahrten sind Tempodisplays aufzustellen und Geschwindigkeitsüberwachungen durchzuführen. Um die Lärmbelastung zu vermindern, muss das 24 Jahre alte Wagenmaterial modernisiert werden, das Ziel muss sein, den Wiesel zu elektrifizieren.

Die Antworten von Stefan Walter

Durch ein verbessertes Radwegenetz will ich Fahrten per E-Bike und Rad attraktiver machen. Zur Reduzierung des Pendlerverkehrs rege ich die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten sowie den bedarfsgerechten Ausbau von Park-&-Ride-Parkplätzen an. Der Bürgerentscheid, welcher sich gegen eine Umgehungsstraße ausgesprochen hat, ist für mich weiter bindend. Es gilt daher, die Belastung der betroffenen Anwohner zu mindern. Dazu kann zum Beispiel oberhalb des Rudersberger Rathauses ein lärmmindernder Belag dienen oder ein Kreisverkehr bei Michelau, welcher auch die Geschwindigkeit innerorts automatisch abbremst. Ebenso will ich mich für ein Lkw-Durchfahrtsverbot einsetzen. Bei der geplanten Umgehung von Miedelsbach setze ich mich für eine gut koordinierte Fertigstellung ein.

Bei den zuerst genannten Punkten hat die Gemeinde Entscheidungshoheit. Diese gilt es, in Abstimmung mit dem Gemeinderat, auf den Weg zu bringen - im Rahmen des Handlungsspielraums, welchen eine solide Haushaltsplanung zeitnah zulässt. Für ein Durchfahrtsverbot für Lkw über zwölf Tonnen besteht eine Chance, wenn wir eine entsprechend hohe Lärmbelastung nachweisen können. Zumindest im Blick auf die Hauptbelastungszeiten erscheint mir dies realistisch. Vor Fertigstellung der Umgehungsstraße von Miedelsbach muss die B 14 bei Waldrems und Maubach ausgebaut sein. Ansonsten wird es schneller, von Schorndorf nach Backnang über Rudersberg zu fahren, als über die B 29 und B 14. Dann droht eine dramatische Zunahme des Verkehrs. Ich will mich mit Nachdruck einsetzen, dies zu vermeiden.

Die Antworten von Relindis Pfisterer

Die Maßnahmen zur Minderung der Verkehrsbelastung sind vorrangig im Kernort mit den Teilorten Schlechtbach, Michelau und Oberndorf umzusetzen: Die Orte entlang der L 1148 klagen über ein zu hohes Verkehrsaufkommen und Oberndorf über einen zu schnellen Durchgangsverkehr. Ein Lkw-Durchfahrverbot, Erweiterung des Shared-Space-Konzepts auf die Teilorte und der 30er-Zone in Rudersberg Richtung Backnang sollten helfen. Kontrollen zum Einhalten des Durchfahrverbots und der Geschwindigkeitsbegrenzung auch in Oberndorf wären die Folge. Anreize für die Nutzung des ÖPNV durch bessere Taktung, niedrigere Kurzstreckenpreise und Zuschüsse der Arbeitgeber würden den Eigenverkehr reduzieren. Ermunterung der Bürgerschaft zum Gehen oder Radfahren wären von größtem Nutzen für die Gemeinde.

Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuführen und für deren Einhaltung anhand von stationären Tempomessgeräten zu sorgen, ist sicherlich am schnellsten umsetzbar. Die Erweiterung des Shared-Space-Konzepts könnte in den nächsten Jahren umgesetzt werden. Eine Reduzierung des Autoverkehrs durch mehr Radfahrer könnte mit einem guten Radwegenetz und dem Bau von abschließbaren Fahrradboxen an mehreren Stellen in Rudersberg gefördert werden. Als Bürgermeisterin würde ich gerne mit dem Rad von Steinenberg nach Rudersberg fahren und kurze Strecken zu Fuß gehen, um Vorbild zu sein. Eine bessere Taktung sowie tarifliche Anpassungen des ÖPNV und das Lkw-Durchfahrverbot sind nur in Kooperation mit den umliegenden Gemeinden und Land zu lösen und deshalb mit großen Unwägbarkeiten verbunden.

Die Antworten von Bernd Hegwer

Am stärksten vom Verkehr belastet sind die Teilorte Michelau und Schlechtbach sowie der Hauptort Rudersberg durch die Landesstraße 1148.

Die Umgestaltung der Straße im Hauptort bringt keine wirkliche Entlastung. Tempo-30-Zonen verlangsamen zwar den Verkehr, aber reduzieren ihn nicht. Kreisverkehre dienen dem besseren Verkehrsfluss und machen eine Strecke dadurch attraktiver. Auch die Ortsteile Oberndorf und Klaffenbach sind zeitweise mit erheblichem Durchgangsverkehr belastet.

Es muss gelingen, die öffentlichen Verkehrsmittel besser zu nutzen und attraktiver zu machen. Dazu gehört ein akzeptiertes Preis-Leistungsverhältnis und Parkmöglichkeiten für den Umstieg. Kurzstreckentickets müssen für mehr als nur eine Station gelten. Für eine spürbare Entlastung kann aber letztendlich nur eine Straßenführung sorgen, die nicht direkt durch die Orte führt.


Antrag ruht derzeit

Ein Lkw-Durchfahrtsverbot ist mit hohen Hürden verbunden, und mit einer Entscheidung ist in nächster Zeit nicht zu rechnen. Rudersberg hat das Lkw-Durchfahrtsverbot beim Landratsamt beantragt. Der Antrag ruht aber derzeit, „da keine verwertbare Verkehrszählung vorliegt und nutzbare Zählungen erst Mitte 2018 durchgeführt werden können“, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Rohdaten von Verkehrszählungen aus dem Jahr 2016 werden derzeit zwar ausgewertet. Aber mit Blick auf die Rutschung auf der Landesstraße 1080 und die lange Sanierung betrachtet die Behörde die Verkehrszahlen von 2016 und 2017 als nicht repräsentativ.

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