Wahl-Check Schwaikheim Kommentar: 24 Jahre Bürgermeister Gerhard Häuser

Fassanstich beim Fleckenfest: Ist das Glas von Schwoiga durch Häuser nun halb voll oder halb leer? Foto: Benjamin Beytekin/Schneider

Schwaikheim.
24 Jahre mit Gerhard Häuser als Bürgermeister hat Schwaikheim demnächst hinter sich. Die Wahrscheinlichkeit, dass es noch acht Jahre mehr werden, mindestens, ist, Stand heute, nicht gering. Noch hat sich kein Mitbewerber für die Wahl am 28. Januar gemeldet und selbst wenn, müsste sich erst noch weisen, ob der (oder die) überhaupt ein ernstzunehmender Konkurrent sein kann. Im Ort kursiert zwar ein Name, aber eine Kandidatur zu diesem gibt es bislang nicht. Da werden offenbar noch die Chancen sondiert.

Sollte Häuser zum vierten Mal gewählt, zum dritten Mal wiedergewählt werden und die nächste Wahlperiode zu Ende bringen, wäre er 32 Jahre im Amt, länger als sein, bis heute, sehr populärer Vorgänger Lothar Krüger (28 Jahre). Häuser, der bei seiner ersten Wahl 1994 gerade mal 30 Jahre alt war und mittlerweile 54 ist, könnte in acht Jahren noch einmal wiedergewählt werden und die folgende Amtsperiode noch voll durchziehen, theoretisch. Könnte, dann wäre er, wenn er in den Ruhestand geht, 40 Jahre lang Schultes von Schwoiga gewesen.

1994: Bürgermeister im zweiten Wahlgang

Häuser, der vorher „Gemeindeoberamtsrat“ von Denkendorf gewesen war, brauchte bei seiner ersten Wahl 1994 einen zweiten Wahlgang. Im ersten war er auf 45,4 Prozent gekommen. Die Wahlbeteiligung lag damals bei sagenhaften 66,4 Prozent, von der man bei der nun anstehenden Wahl nur träumen kann. Beides, die Wahlbeteiligung und dass Häuser nicht gleich im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit bekam, hatte damit zu tun, dass er zwei ernsthafte Konkurrenten hatte, den damaligen Winnender Hauptamtsleiter Peter Holub (knapp 29 Prozent) und den Leutenbacher Bauamtsleiter Roland Schippert (knapp 15 Prozent).

Außerdem verteilten sich rund elf Prozent auf vier weitere Kandidaten. Holub und Schippert traten zum zweiten Wahlgang nicht mehr an, damit war das Feld frei für Häuser, der auf fast 89 Prozent kam, bei einer Wahlbeteiligung von immerhin noch 55,5 Prozent.

2002: Kaum wirkliche Konkurrenz

Acht Jahre später, 2002, gab es nur einen weiteren Bewerber, bei dem man allerdings im Nachhinein, nicht nur wegen des Ergebnisses, zögert, ihn als einen wirklichen Konkurrenten zu bezeichnen. Wer in Schwaikheim erinnert sich noch an ihn, außer vielleicht Häuser und die SPD, die den Verwaltungsjuristen Achim Augustin aus Nürnberg nach Schwaikheim gelotst hatte, wo er sich allerdings im Wahlkampf kaum blicken ließ?

Immerhin, für einen Achtungserfolg, mit 13,1 Prozent der Stimmen reichte es. Angesichts der Ausgangslage waren die 84,7 Prozent für Häuser – bei einer, heute würde man sagen sehr ordentlichen, damals allerdings als eher bescheiden angesehenen Wahlbeteiligung von 56,4 Prozent – auch aufgrund der fehlenden Präsenz des Mitbewerbers zwar deutlich, aber nicht wirklich berauschend.

2010: Es wurde etwas knapper

Knapper ging die Wahl 2010 aus. Es gab wieder nur einen Mitbewerber. Klaus Fanz, Verwaltungswirt mit Diplom und einem Arbeitsplatz im Stuttgarter Rathaus, und vor allem in Schwaikheim wohnend, meinte es allerdings ernst und schaffte eine gewisse Polarisierung in der Bürgerschaft, die sich denn auch in einem Stimmenanteil von 42,2 Prozent für ihn und einer Wahlbeteiligung von 58,5 Prozent niederschlug.

Unzufriedenheit bei der SPD

Apropos SPD: Häuser hat also dreimal gewonnen, zumindest eines hat er aber nicht geschafft in seiner langen Amtszeit, nämlich die Genossen zu befrieden, egal, ob die Widersacher Rudi Oetinger, Guido Carle, Hermann Zoller hießen oder mittlerweile Alexander Bauer heißen. Sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, was durchaus den Schluss zulässt, dass die SPD mit Häuser ein grundsätzliches Problem hat. Sie wirft ihm, kurz gesagt, seit er im Amt ist, vor, nicht zu gestalten, sondern nur zu verwalten.

Nun könnte man sagen, was soll’s, die SPD ist nur eine Fraktion im Gemeinderat, in der sie alleine keine Mehrheit hat, und die Mehrheit im Gremium hat Häuser fast immer gestützt. Man könnte aber auch sagen, was soll’s, Häuser wird ja nicht von der SPD gewählt, sondern von der Bürgerschaft, und die hat sich dreimal mehrheitlich für ihn entschieden. Offenbar nimmt die ihn also anders wahr. Tenor im Ort und auch derjenigen im Gemeinderat, die ihm über all die Jahre die Gefolgschaft nicht verwehrten, dürfte sein: Er macht seine Sache ordentlich, solide, okay, nicht glänzend und erst recht nicht prickelnd.

Kein Schultes zum Anfassen

Dass er kein Volkstribun ist, würde er wahrscheinlich selbst unterschreiben, man wird ihm auch nicht zu nahe treten, wenn man feststellt, dass er auch kein Schultes zum Anfassen oder guter Redner ist. Man könnte auch von einer gewissen Sprödheit, boshafter formuliert, von fehlendem Charme, zumindest bei offiziellen Terminen sprechen. Unter vier Augen kann Häuser durchaus gewinnend sein, wenn er das Vertrauen hat, dass der andere ihm nicht böse will, aber bis er dazu das Zutrauen hat, das dauert.

Eine alteingesessene Schwaikheimerin hat, als sie davon erfuhr, dass eine Art Bilanz ansteht, geraten, Häuser doch mal zu fragen, ob Schwaikheim in seiner Amtszeit „schöner“ geworden ist. Hmmhh. Die Frage ist etwas fies, weil suggestiv, legt das „Nein“ nämlich ziemlich schnell nahe. Wäre man ein Spaßvogel, könnte man zumindest den renaturierten Oberlauf des Entenbachs nennen.

Wohngebiet Kuräcker und Projekt "Neue Ortsmitte"

Aber es geht eigentlich nicht wirklich um Schönheit, sondern darum, ob Schwaikheim in den 24 Jahren vorangekommen ist. Und die Frage, welchen Anteil Häuser daran hat. Bei der ersten Frage ist die Antwort keineswegs so einfach „Nein“, wie seine Kritiker meinen. Die Antwort auf die zweite Frage ist kompliziert. Vielleicht deshalb erst mal nur die Fakten: Das in seiner Amtszeit entstandene Wohngebiet Kürräcker ist gelungen, was umso mehr ins Gewicht fällt, wenn man es mit dem vorhergegangenen Gebiet Grundwiesen vergleicht. Es hat eine Nachfolge von Schefenacker im Industriegebiet gegeben, vor allem durch die Ansiedlung von Kärcher mit seiner Tochter Futuretech.

Das Projekt „Neue Ortsmitte“ geht seiner Verwirklichung entgegen, wobei dort der Zusatz „endlich“ aber nicht fehlen darf. Beides hat Häuser zumindest angebahnt durch persönliche Kontakte im Aufsichtsrat der Kreisbaugesellschaft. Beides sollten die zumindest bedenken, die ihm vorwerfen, zu lange an dieser Funktion geklammert zu haben, auch wenn der Vorwurf natürlich stimmt. Es gab nun mal einen Interessenskonflikt, weil die Kreisbau ja wiederum der Investor sein sollte und auch sein wird.

Feuerwehrgerätehaus, Ludwig-Uhland-Schule und Sporthalle

Was lange währt, wird endlich gut, das gilt auch für das neue Feuerwehrgerätehaus. Oft „geschoben“ und die Gemeinde, nicht nur Häuser, musste sich von außen sagen lassen, dass es keine gute Idee ist, in die Zukunft geblickt, am bisherigen Standort bleiben zu wollen. Teuer werdender Zeitverzug ist auch beim nächsten großen Wohngebiet, Heiße Klinge, zu vermelden. Aber all das strebt nun seiner langersehnten Verwirklichung zu.

Die Sekundarstufe der Ludwig-Uhland-Schule scheint gerettet, wenn auch vor allem wegen einer Notlage in der Nachbarstadt und einer doch wohl klugen, interkommunalen Entscheidung aus beidseitiger Not heraus. Auch oft und nach wie vor geschoben, trotz des unbestreitbaren Bedarfs: die dritte Sporthalle. Es gibt Leute, die behaupten, Häuser habe diese einst „versprochen“.

Dauerbaustelle Verkehr

Kaum vorstellbar, bei ihm, der nur zu gut weiß, dass so ein Riesending er gar nicht ohne oder gegen den Gemeinderat hinstellen könnte und dafür genügend Knete in der Kasse sein müsste. Es gibt aber auch Bürgermeister, in allerdings finanziell besser „gesattelten“ Gemeinden, die so ein Gremium davon überzeugt haben, dass so eine Investition durchaus machbar ist und auch jetzt unbedingt sein muss.

Noch etwas nicht Erledigtes: der Verkehr im Ort, das Leiden der Anwohner daran. An ihm ist Häuser weder schuld noch wird er für eine Lösung sorgen, auch der in Aussicht gestellte neue Verkehrsentwicklungsplan wird das nicht schaffen. Immerhin: Der Kreisverkehr in der Ortsmitte war und ist ein Fortschritt. Und für die Ludwigsburger Straße, noch so ein Dauerproblem, könnte es endlich Entlastung geben.

Häuser ist kein guter Sitzungsleiter

Aber noch mal zurück zum Gemeinderat: Ja, oft sind die Sitzungen nervend, ja, sogar quälend, verlieren sich in Nebenkriegsschauplätzen, auch wenn mancher nun einwenden mag, dass der Streit zu einer lebendigen Demokratie gehört. Häuser ist kein guter Sitzungsleiter, war es nie und wird es auch nicht mehr werden. Er kann (oder will) verhärtete Fronten nicht aufweichen, im Gegenteil.

Auch mit dieser Feststellung tritt man ihm nicht zu nahe. Aber dazu, dass manches unnötigerweise nicht so recht vorankommt, daran ist nicht nur der Bürgermeister schuld. Es gibt Bürgervertreter, die alle wesentlichen Weichenstellungen der vergangenen Jahre mitgetragen haben, sich aber hinterher immer wieder nicht mehr so recht daran erinnern können – oder mögen.

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