Wahl-Check Schwaikheim Langjähriger Gemeinderat tritt an

Edgar Schwarz will Schwaikheimer Bürgermeister werden. Foto: Habermann/ZVW

Schwaikheim. Dicke Überraschung kurz vor Toreschluss: Der langjährige Grünen-Gemeinderat Edgar Schwarz, 58, tritt bei der Bürgermeisterwahl gegen Amtsinhaber Gerhard Häuser an.

Schwarz hat seine Bewerbung einen Tag vor Ablauf der Bewerbungsfrist im Rathaus abgegeben. Er habe sich die Kandidatur lange überlegt und sich dazu entschlossen, nachdem die bisherige Kandidatensuche ja nicht erfolgreich war, so Schwarz auf Nachfrage. Wobei er einräumt, dass eben auch die Grünen sich auf die Suche gemacht hatten. Er wolle eine Alternative zum Amtsinhaber sein, und zwar eine wählbare, betont Schwarz: „Ich möchte den Schwaikheimern eine Auswahl ermöglichen.“

Schwarz ist seit 1986 im Gemeinderat, war außerdem in den 90er Jahren zweieinhalb Wahlperioden lang im Kreistag. Abgesehen vom „Wahl lebt von Auswahl“-Argument, aus welchen inhaltlichen Gründen kandidiert er? Aus seiner langjährigen Erfahrung heraus könne er zum Beispiel sagen, dass es in der Verwaltung wenig Interesse gebe, mit ökologischen Belangen, Stichwort Ausgleichsmaßnahmen, vernünftig umzugehen. Es werde intern wenig überlegt, was da Sinn mache und was nicht, und es sei klar, dass auf diesem Gebiet einiges besser gemacht hätte werden können oder noch gemacht werden kann.

Ruppige Stimmung in Sitzungen: Häuser lasse es oft zu lange laufen

Schwarz kritisiert auch die aus seiner Sicht zeitweise „sehr ruppige“ Stimmung in den Sitzungen des Gemeinderates. Der Sitzungsleiter, also Bürgermeister Häuser, lasse das oft viel zu lange laufen, dabei müsste er viel früher mäßigend eingreifen. Das Großprojekt „Neue Ortsmitte“ hätte deutlich zügiger und ohne die Probleme, die es im Lauf des Verfahrens gab, angegangen werden können, bemängelt Schwarz. Häuser habe hier ungeschickt agiert. „Man musste ja bis zum Schluss Angst haben, dass er es noch vermasselt.“ Die Kritik von Schwarz hat in diesem Punkt besonderes Gewicht, weil er als stellvertretender Bürgermeister über lange Zeit Häuser bei den Verhandlungen mit den Investoren vertreten musste. Häuser war in diesem Zeitraum befangen, weil er gleichzeitig noch im Aufsichtsrat der Kreisbaugesellschaft war.

Mehr öffentliche Diskussion

Ein weiterer Kritikpunkt von Schwarz sind die nichtöffentlichen Beratungen im Gemeinderat und in den Ausschüssen. Entscheidungen seien zu wenig transparent. Es hätte durchaus die Möglichkeit gegeben, vieles, was nichtöffentlich beraten wurde, auch öffentlich zu diskutieren, ohne mit den Vorgaben der Gemeindeordnung in Konflikt zu geraten, so Schwarz. Für den Gemeinderat sei dies aber schwierig durchzusetzen, wenn die Verwaltung das nicht von sich aus wolle, nicht wirklich Interesse daran habe. Auch hier fällt die Kritik schwer ins Gewicht, weil Schwarz erfahrener Insider ist, also sehr wohl beurteilen kann, wie die Abläufe in den Gremien sind. Er kreidet Häuser außerdem eine „bescheidene“ Mitarbeiterführung im Rathaus an, die allgemeine Stimmung dort sei nicht gerade förderlich dafür, dass es in der Verwaltung gut laufe.

Eine „lange Leidensgeschichte“

Aber warum kandidiert er, wenn er das alles weiß, beziehungsweise so sieht, erst jetzt, warum hat er Häuser nicht schon bei früheren Wahlen herausgefordert? Es gebe da eine „lange Leidensgeschichte“, so Schwarz. Bei der vergangenen Wahl, 2010, habe es ja einen durchaus wählbaren Gegenkandidaten gegeben. „Wie viele Schwaikheimer denken, dass ich auch wählbar bin, wird sich zeigen“, so Schwarz mit viel Selbstironie. Seine Kandidatur sei mit seiner eigenen Fraktion und Partei abgestimmt, versichert er. Mit den anderen Fraktionen, Parteien, habe er darüber nicht gesprochen. Zur Kandidatur habe ihn auch bewogen, dass er Schwaikheimer erlebt habe, die gefragt hätten, was sie denn jetzt bei der Wahl machen sollen: „Die haben gesagt, Häuser wählen geht nicht, diese Frau wählen geht auch nicht, aber wir wollen wählen.“ Nein, er habe für den Fall seiner Wahl noch kein „Regierungsprogramm“, so Schwarz weiter auf Nachfrage.: „Aber ich werde da bald was zu Papier bringen“, verspricht er.

Drei Bewerber bislang

Die Bürgermeisterwahl in Schwaikheim findet am Sonntag, 28. Januar, statt.

Die Bewerbungsfrist endet am Mittwoch, 3. Januar, um 18 Uhr.

Bewerber sind bislang: Amtsinhaber Gerhard Häuser, Friedhild Anni Miller aus Sindelfingen und Edgar Schwarz.

Der Gemeindewahlausschuss prüft am Donnerstag, 4. Januar, im Rathaus, öffentlich, ob die Bewerber die rechtlichen Voraussetzungen für eine Kandidatur erfüllen und damit zur Wahl zugelassen sind.

  • Bewertung
    14
 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
    Kommentare werden vor der Veröffentlichung auf der Seite geprüft. Es gelten unsere Kommentarregeln (siehe Link oben rechts) und unsere Datenschutzerklärung . Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden nicht veröffentlicht.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!