Wahl-Check Schwaikheim Wahlkampfauftakt von Amtsinhaber Häuser

40 Minuten Rück- und Ausblick von Gerhard Häuser, dann folgten einige kritische Nachfragen von Bürgern. Foto: Büttner / ZVW

Schwaikheim. „Mir fehlt Ihre Vorstellung zur Zukunft. Wie soll Schwaikheim in 20, 30 Jahren aussehen?“ Die Frage stellt ein Mann im mittleren Alter, der seit 15 Jahren in Schwaikheim lebt, von Freiburg hergezogen ist. Gerade eben hat der Adressat, Bürgermeister Gerhard Häuser, eine Bilanz seiner Amtszeit gezogen und berichtet, was die Gemeinde in jüngerer Zeit auf den Weg gebracht hat. Er ist aber keiner, der über einen Ausblick „Vision Schwaikheim“ oder „Agenda 2050“ schreibt.

Häuser verweist darauf, dass Entscheidungen, Weichenstellungen getroffen wurden, die in die Zukunft weisen, in den nächsten Jahren zu tragen kommen, Stichworte „Neue Ortsmitte“, Baugebiet Heiße Klinge, Schulerweiterung und -fusion, neues Feuerwehrgerätehaus und und und.

Knapp 20 Interessierte sind zum Wahlkampfauftakt von Häuser, den er „Bürgergespräch“ nennt, ins Restaurant Hongkong gekommen, die meisten sind älter. Der Veranstaltungsort wird, unfreiwillig, zum Thema, als eine weiterer Fragesteller beklagt, dass es mit der Gastronomie in Schwaikheim wegen Betriebsaufgaben oder Leerständen mittlerweile nicht mehr gut aussehe. Ein Vielfalt von guten Lokalen gehöre doch zur „Wohnlichkeit“ eines Ortes: „Ich muss, wenn ich hier essen gehen will, zum Chinesen“. Zum Glück bekommt der Wirt des alteingesessenen Restaurants diese, vielleicht etwas gedankenlose, Boshaftigkeit nicht mit. Dass die Zahl der Gaststätten zurückgehe, sei kein spezisches Problem von Schwaikheim, sondern ein allgemeines, erwidert Häuser, die Schwaikheimer Lokale aufzählend, die in Betrieb sind. So schlecht sei das Angebot vor Ort also nicht, auch wenn mehr Auswahl sicher wünschenwert wäre. Eine Gemeinde könne ja nicht selbst Lokale betreiben, sei in der Regel auch nicht Eigentümer der betreffenden Immobilien, könne allerdings die Rahmenbedingungen verbessern, so wie bei der „Neuen Ortsmitte“ durch die geplante städtebauliche Aufwertung, damit den Anreiz erhöhen für Wirte, ein Lokal aufzumachen oder weiterzubetreiben.

Gemeinde habevorausschauend Grundstücke erworben

Häuser hat Stichwortkarten dabei, als Leitfaden, Gedächtnisstütze, er schaut zwischendurch nur kurz drauf, liest nicht vor, wirkt lockerer als in seinen ans Manuskript geklammerten Ansprachen beim Neujahrsempfang vor vielen Zuhörern in der Gemeindehalle. Schmunzeln im Rund, als er auf das Thema Senioren und Älterwerden in Schwaikheim kommt. Da fühlen sich doch einige angesprochen. Es geht um die geplante Erweiterung von Haus Elim. Hier hakt ein Senior ein, Gerhard Frank. Dass die Erweiterung jenseits des Bachs vorgesehen ist, mit einer Verbindung über einen Steg, sei nicht ideal. Die Gemeinde habe mehrmals „geschlafen“, nicht zugeschlagen, als Grundstücke bei der Begegnungsstätte und am Gorroner Platz zum Verkauf standen. Häuser gibt zu bedenken, dass es da um die Zeit vor seinem Amtsantritt 1994 gehe, er könne nur vermuten, dass es da um Differenzen zwischen Verkehrswert und verlangtem Verkaufspreis gegangen sein könnte. Bei der geplanten Erweiterungsfläche habe die Gemeinde aber sehr wohl vorausschauend Grunderwerb getätigt, also die Voraussetzung geschaffen.

Häuser äußert sich nicht zum Konkurrenten Schwarz

Frank, für seine Unverblümtheit bekanntes Schwaikheimer Urgestein, wundert sich, wie ein Mitbewerber, der Gemeinderat Edgar Schwarz, „jetzt auf einmal“ einen Discounter im Gewerbegebiet Klingwiesen anregen könne, wo doch der Gemeinderat sich für den Vollsortimenter-Lebensmittelmarkt in der Ortsmitte, also sich gegen den Standort Klingwiesen, entschieden hat, und es außerdem noch einen alteingesessenen Supermarkt gibt. Die Frage ist heikel, denn sie nötigt Häuser, sich über den Konkurrenten zu äußern. Er umschifft die Klippe mit dem Hinweis auf das Marktgutachten, das davon ausgeht, dass zwei Märkte in Schwaikheim überleben könnten. Auf welcher Grundlage der Vorschlag des Mitbewerbers beruhe, wisse er nicht, so Häuser.

Der Amtsinhaber ist penibel darauf bedacht, nichts als entschieden oder feststehend anzukündigen, was noch vom Gemeinderat zu beraten, zu entscheiden ist. So sei der Wunsch nach einer weiteren Sporthalle „bekannt“, gebe es dafür auch einen Standort, wie auch für den Bürgersaal, bei beiden gehören die betreffenden Grundstücke bereits der Gemeinde. Häuser rutscht zwar raus, dass beides „näherrückt“, zumal beides in der mittelfristiges Finanzplanung stehe, aber er verweist auf die anderen, millionenschweren Vorhaben, die es vorher noch zu bewältigen gelte. Es sei eine „Option“, aus dem Gebäude der Eichendorffschule nach deren Eingliederung in die Ludwig-Uhland-Schule ein „Haus der Vereine“ zu machen. Dass die Gemeinde den Vereinen, vor allem bei den Grundstücken für ihre Domizile, „immer geholfen hat“, der Hinweis muss aber noch sein.


Fragen zum Bahnhof und zur Ortsumfahrung

Angesprochen wurde auch die fehlende Barrierefreiheit im Bahnhof (Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und S-Bahn, wobei der Zugang zum Bahnhof selbst vor Jahren erst behindertengerecht umgebaut wurde). Häuser versprach, die Gemeinde werde weiter Druck auf Bahn, Bund und Regionalverband ausüben.

Zum Thema Ortsumfahrung verwies er darauf, dass diese ja auch eine Erschließungsfunktion für künftige Neubaugebiet haben sollte, dass Trassen zwar im Flächennutzungsplan stehen, um sie von einer anderen Nutzung frei zu halten, „dass es aber aktuell keine Überlegungen“ gebe, wirklich zu bauen.

Beim Thema Verkehr und Ludwigsburger Straße verwies Häuser auf die anstehende Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans und das begonnene Sanierungsverfahren. Dass die bestehende Situation sich ändern müsse, sei keine Frage, dazu werde es aber auch eine Bürgerbeteiligung mit sicher spannenden Diskussionen geben. Bei der Straße sei entscheidend, dass die Gemeinde nun handle. Gerhard Frank erwiderte, egal, was an Verkehrslenkung oder -beruhigung rauskomme, wirklich Abhilfe könne nur die vor vielen Jahren schon diskutierte Umfahrung schaffen.

Apropos Haus Elim: Also er, nicht weit weg wohnend, sei ja „seligsmol ned dafür gwäsa, aber mittlerweile ben i selbschd gottfroh, dass es do isch“, so Frank.

Auch die „schwankende“ Internetanbindung im Ort wurde angesprochen. Häuser räumte ein, dass der erreichte Standard 100 Mbit/s für die Zukunft zu wenig sei. Hier hoffe man auf das Backbone-Projekt des Landkreises.

Ein Bürger klagte, er habe ja durchaus Interesse, in ein Mehrgenerationenhaus in Schwaikheim zu investieren, könne das aber nicht, „weil sich Bauträger die Grundstücke unter den Nagel gerissen haben“.

Ein älterer Bürger mahnte, es könne mit den Neubaugebieten, sei es für Gewerbe oder Wohnen, dem Flächenfrass doch so nicht weitergehen. „Wie sollen denn unsere Enkel mal leben?“ Er, seit vielen Jahren beim Nabu,„gestand“ aber, dass er selbst in einem einstigen Neubaugebiet, in Grundwiesen, wohnt.

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