Wahl-Check Schwaikheim Wie möchten die Kandidaten die Wirtschaft fördern?

Im Gewerbegebiet Klingwiesen stehen noch zwei Grundstücke für Ansiedlungen zur Verfügung. Foto: Speiser/ZVW

Schwaikheim. Welche Möglichkeiten sehen die Kandidaten, in Schwaikheim auswärtigen Betrieben oder Betrieben, die innerhalb des Ortes umziehen, sozusagen aussiedeln wollen, Flächen anzubieten? Das hat die Redaktion die Bewerber für das Bürgermeisteramt gefragt.

Was könne die Gemeinde, was könne der Bürgermeister, die Bürgermeisterin tun, um Betriebe in Schwaikheim zu halten oder dazu zu bringen, dorthin umzusiedeln und damit Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten oder neue zu schaffen, lautete eine weitere Frage. Schließlich wollte die Redaktion von den Bewerbern noch wissen, ob aus ihrer Sicht die Gemeinde anstreben soll, ein neues Gewerbegebiet auszuweisen oder das bestehende Industriegebiet zu erweitern.

Schwarz: Discounterangebot verbessern 

Edgar Schwarz verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass es im Moment noch etwas Platz im Gewerbegebiet Klingwiesen gebe. Im Industriegebiet habe die Gemeinde den Platz der ehemaligen Getränkehandlung Vollmer für Gewerbe erhalten, für den ja auch das Feuerwehrhaus im Gespräch gewesen sei. Seine Fraktion, die Grünen, sei in diesem Fall allerdings geteilter Meinung, so Schwarz weiter.

In den Klingwiesen gebe es derzeit eine unklare Situation. Ein Platz, der bisher als Alternative für einen Lebensmittelmarkt zurückgehalten wurde, könnte nun, wenn die Ortsmitte kommt, an den Markt gehen, so Schwarz. Sein Vorschlag sei, damit ganz konkret auf Discounter zuzugehen, um auch dieses Angebot in Schwaikheim besser abzudecken.

Schwarz verweist im Weiteren auf das geplante Asylbewerberheim in den Klingwiesen, von dem man im Moment nicht wisse, ob es auch wirklich kommt, also benötigt wird. Ein neuer Standort für den Bauhof in den Klingwiesen sei auch schon angedacht worden. Diese beiden Themen werde er im Falle seiner Wahl zügig versuchen zu klären, so Schwarz. Gerade das Thema Bauhof sei zu viele Jahre geschoben worden.

Ob Schwaikheim ein neues Gewerbegebiet braucht oder eine Erweiterung des Industriegebiets, sei auch von den Anfragen abhängig zu machen, die kommen. Am Ende werde Schwaikheim auch dank der S-Bahn eine Pendlergemeinde bleiben. Die Zahl der Arbeitsplätze, die Schwaikheim zum Beispiel durch das Gewerbegebiet Klingwiesen bekommen habe, sei überschaubar und auch von einem neuen Gebiet seien in der Hinsicht keine Wunder zu erwarten, so Schwarz.

Häuser: Wirtschaftsförderung ist Chefsache

Amtsinhaber Gerhard Häuser betont zunächst, Wirtschaftsförderung sei und bleibe Chefsache, vor allem eine gute Bestandspflege. Am attraktiven Standort Schwaikheim fänden sich großartige Firmen - vom kleinen, familiengeführten Handwerksbetrieb bis zum Global Player.

Die Gemeindeverwaltung verstehe und verhalte sich als wohlwollender Partner der heimischen Unternehmen, worauf sich der Bund der Selbstständigen (BDS) verlassen könne, so Häuser weiter. Mit dem BdS-Vorstand tausche er sich regelmäßig persönlich aus. Hinzu kämen jährliche Informationsgespräche zwischen BDS, Vertretern des Gemeinderats und Gemeindeverwaltung. Die Gemeinde unterstütze die Aktivitäten des Gewerbes ideell und finanziell. Häuser verweist dazu darauf, dass die Gemeinde neuerdings Zuschüsse für die Kirbe, den Aktionssonntag sowie die Beschaffung weiterer Weihnachtssterne gewähre.

Damit Schwaikheimer Betriebe bei Bedarf erweitern und weitere standortverträgliche Unternehmen sich in Schwaikheim ansiedeln können, werde die Gemeinde in diesem Jahr im Gewerbegebiet Klingwiesen eine Fläche von 5000 Quadratmetern veräußern, nächstes Jahr nochmals eine Fläche mit 3900 Quadratmetern, die auf Nachfrage aufteilbar sei. Bei Bedarf könne die Gemeinde weitere Flächen im Industriegebiet-Süd ausweisen.

Dass es gelungen ist, den Weltmarktführer Kärcher für Schwaikheim zu gewinnen, mache ihn stolz, so Häuser weiter. Der hohe dafür geleistete Aufwand, auch von ihm persönlich, zahle sich aus. Häuser verweist darauf, dass Kärcher bereits mehr als 20 Millionen Euro auf dem ehemaligen Schefenacker-Areal investiert hat. Über 300 neue Arbeitsplätze seien dort geschaffen worden.

Mit der „Neuen Mitte“ werde die Gemeinde den örtlichen Einzelhandel stärken und die Ortsmitte städtebaulich weiter aufwerten. Auch die Aufwertung der Ludwigsburger Straße - Planung ab 2018, Bau 2019 - verfolg dieses Ziel. Durch die Aufnahme ins Landessanierungsprogramm bekommt die Gemeinde eine Förderung von 580 000 Euro.

Fridi Miller: Die Bürger sollen selbst entscheiden

Da sie für einen Bürgerhaushalt sei, sollen nicht der Bürgermeister und die Gemeinderäte bestimmen, sondern die Bürger selbst über die Finanzen bestimmen können und für welche Belange sie sie verwenden möchten, so Fridi Miller. Damit sei Transparenz gegeben und werde Korruption vorgebeugt. Auch die Bürger selbst sollten darüber entscheiden dürfen, ob es ein neues Gewerbegebiet gibt oder das bestehende Industriegebiet erweitert wird.

Möglichkeiten, Schwaikheim für auswärtige wie auch für bereits angesiedelte Betriebe interessant zu machen, sieht sie in einer Absenkung der Gewerbesteuer um fünf Prozentpunkte und darin, den Mitarbeitern der Firmen günstigen Wohnraum bzw. Bauplätze zur Verfügung zu stellen. Dieses Modell war zum Beispiel im Kreis Böblingen in Schönaich bei der Firma Zentra Bürkle in den 60er Jahren ein Erfolg gewesen. Warum sollte es in Schwaikheim nicht auch funktionieren, so Fridi Miller.

Zudem sollte eine Gemeinde Aufträge an ortsansässige Firmen vergeben, das wäre eine Win-Win-Situation für alle, so Fridi Miller weiter. Durch die Einnahmen der örtlichen Firmen könnten sie Arbeitsplätze schaffen beziehungsweise erhalten und Schwaikheim bekomme Gewerbesteuereinnahmen. Sie wünscht sich außerdem, dass Eigentümer von Grundstücken, Bauträger, der Gemeinderat und die Bürger von Schwaikheim künftig mit ihr zusammenarbeiten, zum Wohle aller Menschen in Schwaikheim, und so, wenn es die Bürger wünschen, neue Gewerbegebiete, Mischgebiete oder auch Wohngebiete freigegeben werden.

Von der vierten Bewerberin, Magdalena Roscher, gab es bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.

Deutliches Pendlersaldo

In Schwaikheim gibt es rund 730 angemeldete Gewerbetreibende.

Von 1546 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in Schwaikheim ihren Arbeitsplatz haben, sind 1145 Einpendler. Von 4013 Beschäftigten, die dort wohnen, sind 3615 Auspendler. Schwaikheim hat also ein deutliches Pendlersaldo.

Als arbeitslos sind etwa 160 Bürger gemeldet.

Der Kaufkraftkoeffizient, ein Maß dafür, wie stark Kaufkraft vor Ort gehalten wird, beträgt 107 (ist, bei einem Richtwert von 100, also überdurchschnittlich).

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