Wahl-Check Schwaikheim Wie wollen die Kandidaten bezahlbaren Wohnraum schaffen

Auf dem Areal des bisherigen Feuerwehrgerätehauses sollen nach dem Willen der Gemeinde günstige Mietwohnungen entstehen. Foto: Gabriel Habermann

Schwaikheim. Welche Ideen haben die Bewerber für das Bürgermeisteramt, was sie, was die Gemeinde, dafür tun können, dass in Schwaikheim bezahlbare Wohnungen entstehen?

Sie sei „allgemein der Meinung“, dass es bezahlbareren Wohnraum geben würde und auch mehr Menschen bauen könnten, wenn die Politik die Grunderwerbsteuer nicht bis ins „Unendliche“ steigern würde, so Fridi Miller. Betroffen seien vor allem Privatpersonen. Unfair sei, dass große Immobilienunternehmen durch sogenannte „Share Deals“ von dieser ganz befreit seien und „Normalbürger“ damit belastet würden. Aber nicht nur die Grunderwerbsteuer sei ein Preistreiber für das Wohnen, sondern auch der Hebesatz für die Grundsteuer, den die Gemeinde selbst festlegt. Fridi Miller schlägt vor, diesen Hebesatz um einige Prozentpunkte zu senken, „um das Wohnen für Eigentümer wie auch Mieter attraktiver zu machen“. Was den Wohnungsbau ebenfalls erschwere, seien immer strenger werdende Bauvorschriften, die von der Politik „unsinnigerweise“ festgelegt würden und einen nicht unerheblichen Kostenfaktor darstellten.

Eigentlich sei aber gar nicht zu wenig bezahlbarer Wohnraum da, so Fridi Miller weiter, wenn man nur mal darüber nachdenke, wie viele ältere Leute ein großes Haus besitzen und es weiter alleine bewohnen, obwohl die Kinder schon aus dem Haus sind oder der Partner verstorben ist.

Als neue Bürgermeisterin würde sie sich von den Mitarbeitern im Rathaus eine Statistik geben lassen, Punkt 1 über Menschen, die alleine in einem großen Haus wohnen, Punkt 2 über hilfsbedürftige Menschen oder Familien, die eine Wohnung suchen. Dann würde sie diese Menschen besuchen und mit ihnen sprechen oder sie alle gemeinsam zu Treffen einladen, wo sie sich kennenlernen und Vertrauen fassen könnten. Wenn aber tatsächlich neuer Wohnraum geschaffen werden müsste, dann sei sie für Mehrgenerationenhäuser, wo Alt und Jung unter einem Dach wohnen und sich gegenseitig unterstützen, so Fridi Miller.

Aus seiner Sicht müsse das grundsätzliche Problem „genügend und bezahlbarer Wohnraum“ in Berlin und nicht in Schwaikheim gelöst werden, so Edgar Schwarz. Dass es nötig ist, als Gemeinde zugunsten von bedürftigen Bürgern einzugreifen, zeige, dass das Einkommen mancher Bürger zu gering sei. Ein anderes Problem sei, dass mangelhafter öffentlicher Nahverkehr es unattraktiv mache, mehr außerhalb zu wohnen, und damit die Nachfrage in Orten wie Schwaikheim auch erhöht.

Allerdings könne Schwaikheim auch selbst etwas tun, so Schwarz. Er verweist auf ein Förderprogramm der Landesregierung für Sozialwohnungen, das man anzapfen könne. Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sozialwohnungen die Gemeinde etwas kosten werden, in welcher Form auch immer. Für das neue Gebiet Heiße Klinge sei es vermutlich etwas spät, vielleicht aber auch nicht.

Als Bürgermeister würde er zuerst prüfen, welche Möglichkeiten es noch gebe, selbst wenn das einige Bauträger verärgere. Vor allem würde er zuerst mit dem Gemeinderat klären, wie viel Geld die Gemeinde für diesen Zweck setzen will, so Schwarz weiter. Er verweist auch auf die anstehende Entwicklung des Areals des alten Feuerwehrgerätehauses und Kindergartens Bismarckstraße und darauf, dass vor kurzem die Gemeinde ein Verzeichnis der Baulücken in Schwaikheim erstellt hat. Er sehe die Chance, dass die Gemeinde hier auch im einen oder anderen Fall dazu beitragen könne, dass Wohnraum entsteht, wenn man mit den Besitzern rede. Mittelfristig könne auch die Reserve des damals zeitgleich mit dem Gebiet Grundwiesen geplanten Gebiets Steige genutzt werden.

Bezahlbarer Wohnraum für jedes Alter und jeden Geldbeutel habe derzeit Vorrang, so Gerhard Häuser: „Aber nicht auf Teufel komm raus, sondern ökologisch verantwortbar, nachhaltig.“ Anstatt unbegrenzt Grünfläche zu versiegeln, entwickle die Gemeinde bevorzugt innerörtliche Flächen.

Häuser verweist auf das künftige Wohn- und Mischgebiet Heiße Klinge, das Vorhaben der Firma Pfleiderer und der Baugenossenschaft Winnenden dort und darauf, dass die Gemeinde selbst 13 Grundstücke für Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Reihenhäuser zum Verkauf einbringt, vorrangig an Schwaikheimer Familien. Die Erschließungsarbeiten beginnen im Frühjahr, laut Häuser entstehen die ersten Häuser im Jahr 2019.

Er verweist außerdem auf das Gelände des alten Feuerwehrgerätehauses. Auf dieser wichtigen innerörtlichen Entwicklungsfläche, die die Gemeinde im Herbst an den Markt bringe, sollen, so Häuser, neben Eigentumswohnungen preisgünstige Mietwohnungen für alle Bevölkerungsgruppen entstehen. Häuser führt schließlich auch die Wohnungen an, die bis zum Frühjahr 2020 in der „Neuen Mitte“ entstehen sollen. Diese seien besonders geeignet für Bürgerinnen und Bürger, die darauf Wert legten, zu Fuß die Einrichtungen des täglichen Bedarfs zu erreichen.


Wo neue Wohnungen geplant sind

Rund 200 Wohneinheiten sind im künftigen Neubaugebiet Heiße Klinge geplant, in einer Mischung aus Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und Reihenhäusern.

Einer der beiden großen Bauträger, die dort investieren, Projektbau Pfleiderer aus Winnenden, verkauft eines seiner Grundstücke an die Baugenossenschaft Winnenden. Diese wird dort ein Mehrfamilienhaus mit elf Mietwohnungen erstellen.

Auf dem Areal des bisherigen Feuerwehrgerätehauses an der Bismarckstraße sollen nach dem Verkauf des 32 Ar großen Grundstücks an einen Investor günstige Mietwohnungen entstehen. Dazu gibt es einen Investorenwettbewerb, bei dem der (maximale) Kaufpreis nicht allein ausschlaggebend sein wird, sondern auch die vorgelegte Planung mit in die Bewertung der Angebote eingeht. Zur Planung wird die Gemeinde städtebauliche Vorgaben machen.

In der „Neuen Ortsmitte“, auf dem Areal zwischen Bismarck- und unterer Bahnhofstraße, plant die Investorengemeinschaft 46 Wohnungen.

Mehr zur Bürgermeisterwahl in Schwaikheim finden sie unter www.zvw.de/wahl-check-schwaikheim.

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