Wahl-Check Welzheim Bei Integration auf einem guten Weg

Begegnungsfest in der Paul-Dannenmann-Straße im Mai 2016. Foto: Thomas Schlegel (Archiv)

Welzheim. Das ehrenamtliche Engagement ist überdurchschnittlich hoch und Welzheim beim Thema Integration auf einem guten Weg. Allerdings sind Durchhaltevermögen und ein langer Atem gefragt. Das ist die Bilanz eines Pressegesprächs zum Thema Integration im Vorfeld der Bürgermeisterwahl am 11. März mit Kandidaten und ehrenamtlich engagierten Menschen im Mitgliederforum der Volksbank Welzheim.

Angelika Boettcher vom Freundeskreis Asyl erinnert sich noch gut an die Flüchtlingswelle im Jahr 2015, die starke Auswirkungen bis auf Welzheim hatte. Viele Ehrenamtliche meldeten sich, seit fast drei Jahren wird mit großem Engagement geholfen und begleitet. Für manche Flüchtlinge ist Welzheim nur ein Sprungbrett, andere wiederum bleiben längerfristig und ziehen von der Unterkunft des Landkreises in private und städtische Wohnungen.

Mittlerweile gibt es tatkräftige Unterstützung durch Integrationshelfer und Integrationsbeauftragte. Der Postweg ist zur Anlaufstelle für alle geworden, die Hilfe und Beratung benötigen. Dort ist auch die Fahrradwerkstatt untergebracht und dort befindet sich auch die Kleiderkammer. Zum Teil wurde auf diesem Weg schon geholfen, interne Konflikte zu lösen.

Sprachkurse werden ehrenamtlich angeboten

Das A und O beim Thema Integration ist die Sprache. Die Flüchtlinge sollten möglichst bald die deutsche Sprache beherrschen. Peter Fleischmann hat einen Kreis von pensionierten Lehrern und weiteren Ehrenamtlichen um sich geschart, um die Flüchtlinge regelmäßig zu unterrichten. Er bedauert, dass die Volkshochschule vor Ort keine Sprachkurse anbietet, weil die Mindestgröße nicht erreicht wird. VHS-Kurse müssen also zum Beispiel in Schorndorf besucht werden, was dann organisatorisch und finanziell einen höheren Aufwand bedeutet. „Am Anfang waren wir zehn, jetzt sind wir noch fünf oder sechs, die Unterricht geben, uns geht langsam die Luft aus“, beschreibt Peter Fleischmann die derzeitige Lage. Das Sprachniveau ist sehr unterschiedlich, so dass oft ein individueller Unterricht in sehr kleinen Gruppen, manchmal auch Einzelunterricht, erforderlich ist. „Ein Sprachunterricht mit 20 Teilnehmern gleichzeitig funktioniert nicht.“ Er beschreibt die Arbeit als sehr anstrengend, deshalb wären weitere Sprachhelfer willkommen.

Thomas Bernlöhr, der sich als Bürgermeister für eine zweite Amtszeit bewirbt, will mit der Volkshochschule Kontakt aufnehmen und die Rahmenbedingungen für Sprachkurse vor Ort abklären. Kandidatin Amanda Köhler Eisenmann schlägt eine Kooperation bei dem Thema mit den Nachbargemeinden im Welzheimer Wald vor. „Kaisersbach und Alfdorf haben bereits eigene Sprachkurse“, gibt Fleischmann zu bedenken. Gleichwohl ist laut Bernlöhr zu überlegen, ob nicht Flüchtlinge aus allen Gemeinden zu einem zentralen Angebot der VHS nach Welzheim kommen könnten.

Bei dem Thema mit den Vereinen ins Gespräch kommen

Kontakte zur Bevölkerung werden zum Beispiel auch über das Frauensprachcafé geschaffen. Aber grundsätzlich ist wohl die Barriere relativ hoch zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Die Gesprächsrunde denkt deshalb zum Beispiel daran, mit den Vereinen ins Gespräch zu kommen, damit sie auf die Flüchtlinge hingehen und sie so in die Vereinsarbeit einbeziehen.

„Begleiten und abholen“ formuliert Frieder Bareiß, der zusammen mit Hanspeter Erne, Herbert Schuska und Wilfried Weller die Lernwerkstatt in der Bahnhofstraße ins Leben gerufen hat. Bareiß hat den Leiter der Lernwerkstatt aus Schwäbisch Gmünd bei einer Veranstaltung in Alfdorf kennengelernt. „Das hat mich überzeugt.“ Bareiß machte sich auf den schwierigen Weg, so ein Konzept auch in Welzheim umzusetzen. In der Lernwerkstatt werden Flüchtlinge auf die Berufswelt vorbereitet. Sie lernen dort einfache handwerkliche Tätigkeiten wie Bohren, Schleifen, Feilen mit den Materialien Holz und Metall. Auch hier gilt wieder: Die Sprache ist die Grundvoraussetzung, um Erfolg haben zu können. Sonst ist keine sinnvolle Weiterbildung möglich. Die Lernwerkstatt versteht sich als Vorstufe zur Berufswelt. Die Rückmeldungen der Firmen sind positiv, es kommen bereits gezielte Anfragen nach Arbeitskräften. Denn ohne Vorbereitung geht der Einstieg ins Berufsleben oftmals schief. Die Mitarbeiter der Lernwerkstatt gehen mit Herzblut und viel Geduld an die Arbeit.

Sprache lernen ist das A und O

Angedacht ist nun in einem weiteren Schritt, einen Computerschulungsraum für Flüchtlinge zu nützen. „Dann können wir mehr Frauen aus den Unterkünften holen“, meint Frieder Bareiß.

Auch Köhler Eisenmann sieht die Sprache als die größte Hürde bei der Integration der Menschen. Sie warnt davor, Parallelgesellschaften entstehen zu lassen. Deshalb müsse versucht werden, die Flüchtlinge ins Vereinsleben zu integrieren. „Integration ist ein langer Prozess, der nie fertig ist und über Generationen geht. Da sind sich alle Gesprächspartner einig: Integration geht nicht schnell.

Die gesamte Berichterstattung zur Bürgermeisterwahl in Welzheim finden Sie hier.

Gut aufgestellt

„Es läuft ganz gut in Welzheim“, sagt Bürgermeister Thomas Bernlöhr bei der Gesprächsrunde zum Thema Integration. Moscheeverein und der Interreligiöse Dialog würden dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

„Ich finde total klasse, was wir anbieten, wir sind gut aufgestellt, aber natürlich wünschen wir uns noch mehr“, sagte Angelika Boettcher, Sprecherin des Freundeskreises Asyl.

Wichtig ist die Hilfe zur Selbsthilfe, die Begleitung. Wichtig sind auch klare Regeln, die eingehalten werden müssen, wie Pünktlichkeit.

Sprachlehrer Peter Fleischmann berichtet, wie sich so was umsetzen lässt. Einmal waren zu Beginn des Kurses keine Lernenden gekommen, nach einer Viertelstunde gingen die Lehrer. Die zu spät Kommenden schauten erst mal in die Röhre und waren beim nächsten Mal pünktlich.

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